zur Navigation springen

Kunst in Büdelsdorf : NordArt 2016: Die Schau der lauten und leisen Töne

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit dem Wochenende strömen Kunstbegeisterte auf das NordArt-Gelände in Büdelsdorf. 250 Künstler aus 50 Ländern sind in diesem Jahr vertreten. Der Länderschwerpunkt ist Israel.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2016 | 05:59 Uhr

Büdelsdorf | Die Wölfe und die gigantischen Gorillas sind eindeutig Publikumsmagnet und schon am ersten Tag beliebtestes Fotomotiv auf der NordArt. Die Besucher posieren am liebsten mit einem der gusseisernen und zähnefletschenden Isegrims oder vor den 3,50 Meter hohen, traurig in den Himmel schauenden Affenmenschen aus Bronze. Beide Skulpturengruppen schuf Liu Ruowang aus China, der dieses Jahr als Schwerpunktkünstler, neben Israel als Schwerpunktland, im Fokus steht.

Bei strahlendem Sommerwetter und mit bis in die Nacht hinein stetig strömenden Besuchermassen wurde die internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst am Wochenende in Büdelsdorf eröffnet. Während der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman und Ministerpräsident Torsten Albig die Schau bereits am Vortag im geschlossenen Rahmen besuchten, begleitete Kulturministerin Anke Spoorendonk die offizielle Eröffnung am Sonnabend. Gemeinsam mit Landtagspräsident Klaus Schlie und dem Büdelsdorfer Bürgermeister Jürgen Hein begrüßte NordArt-Initiator und Unternehmer Hans-Julius Ahlmann mit seiner Frau Johanna die Besuchermassen und auch viele der 250 Künstler aus aller Welt.

Liu Ruowangs Affenmenschen, die trotz ihrer Mächtigkeit verletzlich und traurig über die irdische Zerstörung in den Himmel schauen, gemahnen uns mit dem Titel „Erbsünde“ an das Bewahren des Schönen. Ihr Aufschrei werde nach Büdelsdorf auf Welttournee gehen, sagte Ahlmann, der mit einigen Anekdoten zum Aufbau der Ausstellung die Sommerfrische-Volksfest-Stimmung der einzigartigen Veranstaltung unterstrich. So wurden die 3,60 Meter hohen Gorillas, die aufrecht stehend in Containern übers Meer gekommen waren, durch die Höhenkontrolle des Elbtunnels zum Transport über die Brücken gezwungen.

Klaus Schlie verwies am Beispiel des Länderschwerpunktes Israel darauf, dass die Kunst mehr über die Menschen eines Landes aussage als Fernsehbilder. Im Israel-Pavillon in der ehemaligen Carlshütte findet der Besucher im Vergleich mit den spektakulären Skulpturen eher die leisen Töne, sollte aber oft zweimal hinsehen. Rotem Ritov etwa installiert fragil-heitere Motive von Vögeln, die einander verdrängen, als tragischen Verweis auf die Geschichte ihres Landes. Avinoam Sternheim hängt ein halbes schwarzes Pferdewesen einem Golemmonster gegenüber und verwandelt die schrecklichen Details in einen lebendigen Austausch.

Die NordArt gilt mittlerweile als größte derartige Schau Europas und gewinnt kontinuierlich mehr an Renommee. Dies zeigt auch die Zahl der Bewerbungen, die bei 4500 Künstlern aus 100 Ländern lag. 250 Kunstschaffende aus 50 Nationen bekamen schließlich einen Platz.

Auch bei vielen Rendsburgern und Schleswig-Holsteinern steht die Eröffnung jedes Jahr fest im Kalender. Eltern mit Kinderwagen, Jugendgruppen, Paare, Freundeskreise – Jung und Alt strömten bei „Kaiserwetter“ (Ahlmann) in Scharen herbei. So auch Frauke Dettmer, die ehemalige Leiterin des Jüdischen Museums, mit zwei Freundinnen, die auch den gesellschaftlichen Anlass schätzen und vor einigen Jahren aus entfernten Orten wegen des kulturellen Angebots nach Rendsburg gezogen sind. Renata Besser: „Man trifft bei der NordArt immer nette Leute, sieht aparte Kleidung und erlebt tolle Kunstwerke.“ Da ihr vor wenigen Tagen sogar ihr Klempner von seinem geplanten Besuch auf der NordArt erzählt habe, positioniert sich für Frauke Dettmer diese Ausstellung in der Mitte der Gesellschaft, was nur ganz wenige Kunstanlässe für sich in Anspruch nehmen können.

shz.de mit einem Video von den Vorbereitungen für die NordArt.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen