Rendsburg : Nord-Ostsee-Kanal: Südwestwind verursacht Hochwasser

Der hohe Pegelstand im Nord-Ostsee-Kanal führt derzeit dazu, dass die Fähren oft nicht am regulären Anleger (links) festmachen können. Im Bild ist die Fährstelle Breiholz zu sehen.
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Der hohe Pegelstand im Nord-Ostsee-Kanal führt derzeit dazu, dass die Fähren oft nicht am regulären Anleger (links) festmachen können. Im Bild ist die Fährstelle Breiholz zu sehen.

Der Pegelstand im Nord-Ostsee-Kanal liegt rund einen halben Meter über dem üblichen Wert. Schifffahrt und Fährbetrieb eingeschränkt.

shz.de von
17. Januar 2015, 06:00 Uhr

Der stetige Wind und der dauerhafte Regen schlagen mit der Zeit nicht nur aufs Gemüt, sie haben auch Auswirkungen auf die Transportmöglichkeiten auf dem Nord-Ostsee-Kanal: Die vier Fähren, die täglich im Kreis Rendsburg-Eckernförde von einer Seite der Wasserstraße zur anderen pendeln, sind derzeit wegen Hochwassers nur eingeschränkt nutzbar. Ab Breiholz, Nobiskrug, Sehestedt und Landwehr konnten am Mittwoch keine Fahrzeuge mitgenommen werden. Fußgängern und Radfahrern stand das Transportmittel aber zur Verfügung. Am Abend wurde der Betrieb für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht freigegeben. Wie lange das so bleibt, ist derzeit nicht absehbar.

Der Grund dafür ist der Fähranleger: „Bei normalem Wasserstand schiebt sich der Bug der Fähre beim Anlegemanöver unter den Anleger und hebt diesen an. Anleger und Fähre sind dann auf einer Höhe und miteinander verbunden, Fahrzeuge können passieren“, erklärt Michael Klingbeil, Mitarbeiter beim Außenbezirk Rendsburg des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau. Hat der Nord-Ostsee-Kanal wie momentan jedoch Hochwasser, wird der Anleger bereits vom Wasser angehoben. Würde die Fähre weiteren Druck ausüben, indem sie sich unter den Anleger schiebt, drohten starke Beschädigungen. Daher halten die Fähren bei hohem Wasserstand nur an einem schmalen Reserveanleger nebenan, der über einen Steg erreicht wird und nur für Fußgänger und Radfahrer nutzbar ist.

Derzeit liegt der Wasserstand in dem elf Meter tiefen Kanal 40 bis 60 Zentimeter höher als üblich. Der Grund ist Thomas Fischer vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel zufolge der anhaltende Südwestwind. Der drückt das Elbewasser nach Osten vor die Schleusenanlage in Brunsbüttel. „Deshalb haben wir auch während der Niedrigwasserzeiten oft keine Chance zur Entwässerung.“ Die wird üblicherweise durch Leitungen in den Schleusenmauern vorgenommen. Fischer spricht von einer extremen Situation, weil die Wetterlage bereits seit Weihnachten weitgehend anhält.

Die Lage verschärfe sich durch den anhaltenden Regen: „Das Oberflächenwasser eines großen Teils Schleswig-Holsteins fließt in den Nord-Ostsee-Kanal“, erklärt er. Das habe Folgen: Die Böschungen weichen auf und drohen, in den Kanal zu rutschen. „Um dieser Gefahr zu begegnen, haben wir die Geschwindigkeitsbegrenzung für den Schiffsverkehr von 15 auf zwölf Kilometer pro Stunde gesenkt.“ Dadurch verursachen die Schiffe weniger Wellenschlag, was die Böschungen schont. Wenn der Pegel noch um zehn Zentimeter steige, werde die Geschwindigkeit nochmals gesenkt – auf dann zehn Kilometer pro Stunde. Steigt das Wasser um 20 Zentimeter, müsse die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung die Sperrung des Kanals anordnen. Damit rechne Fischer jedoch nicht. Soweit komme es höchstens, wenn auch bei den nächsten drei Tiden nicht entwässert werden könne. Eine derartige Situation habe sich noch nicht einmal während des Orkans „Kyrill“ im Jahr 2007 ergeben.

Wegen des höheren Kanalwasserstands achten die Schleusenmeister zudem stark auf die Durchfahrtshöhe. Die liegt bei 40 Metern, damit die Schiffe unter den Brücken hindurchfahren können. „Im Zweifelsfall nehmen die Kollegen Messungen vor“, so Fischer. „Aber es hat noch kein Schiff umdrehen müssen.“

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