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Rade bei Rendsburg : Nord-Ostsee-Kanal neue Heimat für 14 000 junge Aale

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Landessportfischerverband Schleswig-Holstein besetzt jedes Jahr Gewässer mit den kleinen Tieren. Unter anderem den Nord-Ostsee-Kanal.

Im Nord-Ostsee-Kanal tummelt sich neues Leben: Gestern Morgen wurden in dem Gewässer auf Höhe von Brauer’s Aalkate zunächst knapp 90 Kilogramm kleiner Aale ausgesetzt. Für den Besatz der Tiere ist hier der Landessportfischerverband Schleswig-Holstein (LSFV SH) verantwortlich, weil bei ihm das Fischereirecht liegt.

„Der Aalbesatz ist in den vergangen Jahren und Jahrzehnten stark zurückgegangen“, erklärt Peter Heldt, Präsident des LSFV SH die Beweggründe. Um den Bestand zu sichern und den Aal weiterhin nachhaltig als Speisefisch nutzen zu können, werden jährlich diese Anstrengungen unternommen.

Die Tiere haben alle ihren Ursprung in der Sargasso-See. Als Larven driften sie mit der Strömung über den Atlantik und suchen sich dann ihren Weg in Gewässer in ganz Europa. Doch der Aufstieg in hiesige Flüsse oder Kanäle beispielsweise sei nicht ohne Weiteres möglich. Zum Teil verhinderten dies bauliche Hürden, so Heldt, zum anderen Krankheiten oder Fressfeinde wie Vögel, aber auch der Mensch. „Wer gar nicht erst in seinem Wohngewässer ankommt, kann auch nicht zurückwandern“, erklärt Heldt. Aale ziehen nämlich zum Laichen zurück in die Karibik, wo sie anschließend sterben.

Um zu messen, wie erfolgreich und damit auch sinnvoll der kostspielige Besatz mit den kleinen Aalen ist, und wie alt sie dann am besten sein sollten, wird ein Teil der Tiere stets eingefärbt. Das funktioniert mit einem Fluoreszenz-Farbstoff, der sich mit dem Calcium in Knochen und Gräten verbindet. Bevor die entsprechenden Fische gestern Abend ebenfalls ausgesetzt werden konnten, schwammen sie etwa neun Stunden in Becken, deren Wasser mit dem Stoff versetzt wurde. „Das machen wir so lange weiter, bis wir auf die entscheidenden Fragen Antworten haben“, so Gewässerbiologe und LFSV-Vize-Präsident Rüdiger Neukamm. Die bisherigen Erkenntnisse: „Der Besatz ist hoch effizient, was gut ist. Andererseits ist es eine Katastrophe, dass es auch belegt, dass wir kaum noch eine natürliche Zuwanderung haben“, so Neukamm. Peter Heldt unterstreicht das mit Zahlen: „Mehr als 80 Prozent der gefangenen Aale kommt aus Besatz. Dann kann man auch davon ausgehen, dass 80 Prozent der abgewanderten Aale aus diesem Bestand stammen.“ Die neuen Kanal-Bewohner brauchen aber vermutlich noch acht bis zehn Jahre, bis sie die große Reise antreten. Wenn sie bis dahin denn überleben.

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erstellt am 15.Jul.2017 | 06:00 Uhr

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