Schiffbauer in Rendsburg : Nobiskrug-Werft: Stellenabbau trotz guter Geschäfte

Noch arbeiten knapp 600 Mitarbeiter bei Nobiskrug in Rendsburg. In naher Zukunft werden es bis zu 190 Beschäftigte weniger sein.
Noch arbeiten knapp 600 Mitarbeiter bei Nobiskrug in Rendsburg. In naher Zukunft werden es mindestens 100 Beschäftigte weniger sein.

Es brodelt beim Schiffbauer Nobiskrug: Bis zu 190 Mitarbeiter müssen um ihre Jobs bangen oder nach Kiel wechseln – trotz guter Auftragslage.

shz.de von
22. Juni 2018, 13:16 Uhr

Schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Rendsburg: Die Werft Nobiskrug will Arbeitsplätze abbauen und sich ganz auf den Superyachtbau konzentrieren. Keine Perspektive mehr haben die Reparatur sowie die Überholung von Schiffen, das sogenannte Refit. Stahlrümpfe werden in Zukunft nur noch bei der Schwesterwerft German Naval Yards Kiel produziert. Auf bis zu 190 Mitarbeiter am Standort Rendsburg kommen durch die geplante Neuausrichtung Ortsveränderungen oder betriebsbedingte Kündigungen zu. Insgesamt arbeiten knapp 600 Männer und Frauen für den traditionsreichen Schiffbauer.

Am Freitag wurde die Belegschaft in einer Betriebsversammlung mit konkreten Zahlen zum Jobabbau konfrontiert. Für 80 Beschäftigte wird eine Transfergesellschaft gegründet – oder die Betroffenen erhalten Altersteilzeit-Angebote. Langfristig werde man sich von rund 30 weiteren Beschäftigten trennen müssen, sagte Dr. Bertram Liebler, Geschäftsführer der Nobiskrug GmbH. 60 Mitarbeiter in Produktion und Verwaltung können zur Schwesterwerft German Naval Yards an die Kieler Förde wechseln. „Die Situation verlangt viel von uns, aber als Geschäftsführung werden wir alles tun, um absolute Härten zu vermeiden.“ Dabei sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der IG Metall gleichermaßen wichtig wie selbstverständlich. „Aber wir werden auch Gespräche mit anderen Unternehmen, Kammern, der Agentur für Arbeit und anderen Akteuren führen.“ Nach Aussage eines Unternehmenssprechers steht die Werft „nicht mit leeren Hände da“, das Geschäft mit den Superyachten laufe gut. In dem schwierigen Markt des weltweiten Megayachtbaus habe sich Nobiskrug gut behauptet und eine Spitzenposition erarbeitet.

In einer Werfthalle an der Kieler Straße entsteht derzeit eine 80 Meter lange Superyacht („Projekt 790“). Sie soll durch den außergewöhnlich hohen Anteil von Glas als Werkstoff weltweit neue Maßstäbe setzen und im kommenden Jahr ausgeliefert werden. Der Bau von zwei weiteren Superyachten wurde vertraglich fixiert.

Betroffen reagierte Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast: „Der Abbau ist schwer zu verdauen, gerade weil es Industriearbeitsplätze betrifft.“ Ein Sprecher des Unternehmensverbandes Mittelholstein nannte den Stellenabbau einen „erheblichen Einschnitt für den Wirtschafts- und Industriestandort Rendsburg“. Es sei jedoch alles andere als ein Nachteil, wenn sich gleich zwei Werften am Kanal auf den Bau von Superyachten für den Weltmarkt spezialisierten. Gemeint ist neben Nobiskrug die Werft Lürssen-Kröger. Sie hat in Schacht-Audorf an der anderen Kanalseite ihren Sitz. 

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