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Bürgerstiftung : Niedrige Zinsen lähmen die Stiftung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Kapital der Bürgerstiftung Region Rendsburg stieg auf 900 000 Euro. Wegen der niedrigen Zinsen aber bleibt weniger Geld als zuvor für den guten Zweck übrig.

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erstellt am 16.Okt.2013 | 18:29 Uhr

Die Bürgerstiftung Region Rendsburg gehört zu den erfolgreichsten im Lande. Seit ihrer Gründung 2006 hat sie die unterschiedlichsten Projekte mit 135 000 Euro unterstützt. Dazu gehören Literaturtage, die offene Jugendarbeit, ein Insektenhotel, das Hochbrückenjubiläum, aber auch Einzel- und Notfälle wie ein Hund für einen Jungen, der anschlägt, wenn der talentierte Sportler unterzuckert ist.

Das Kapital der Stiftung ist in sieben Jahren um eine halbe Million auf 900 000 Euro angewachsen. Und dennoch steht zurzeit weniger Geld zur Verfügung als je zuvor. Das Problem sind die niedrigen Zinsen. Die Stiftung ist nach ihrer Satzung verpflichtet, ihr Kapital risikolos anzulegen. „Zunächst konnten wir das Geld für drei bis vier Prozent Zinsen im Jahr unterbringen. Jetzt gibt es für Neuanlagen im Festgeldbereich nur noch ein Prozent“, berichtete Vorstand Hans Valdorf, der zusammen mit Birgitt Brüger und Volker Dibbern ehrenamtlich die tägliche Arbeit der Stiftung erledigt.

Und zu tun gibt es genug. „Wir werden ständig und von allen Seiten angesprochen“, sagt Valdorf. Aber helfen kann die Stiftung nicht immer. Die Geldsumme, die jährlich zur Verfügung steht, schrumpft. Valdorf berichtet von 500 000 Euro, die mit drei Prozent bei der HSH Nordbank gut angelegt waren. Das Problem: Die Bank hatte die Option auf eine einseitige Kündigung des noch laufenden Vertrages und machte davon auch Gebrauch. Die Stiftung hat nun weniger Geld zur Verfügung, um dringend notwendige Projekte in der Region zu fördern. Kompensiert wird das teilweise durch die gute Vernetzung. „Wir wissen, wo Geld zu holen ist“, sagte Valdorf. Und in einigen Fällen werden die Antragsteller eben weitervermittelt.

Während vom Kapital nur die Zinsen verwendet werden dürfen, können Spendengelder in voller Summe benutzt werden. Zuletzt waren der Stiftung 2600 Euro aus der Eröffnung des Ärztehauses in der Wallstraße zugeflossen. „So etwas verschafft uns Luft“, so Valdorf. Der Gedanke, nun verstärkt um Spenden zu werben, behagt ihm allerdings nicht: „Wir wollen ja niemandem Konkurrenz machen. Wir sind zwar dankbar für Spenden, es ist aber unser Hauptanliegen, das Stammkapital zu vermehren.“ Das garantiere Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit.

Die niedrigen Zinsen machen der Bürgerstiftung Region zwar zu schaffen – sie ist allerdings in einer weitaus besseren Situation als andere, die eigene Projekte betreiben, Fördermittel akquirieren und Büro- und Personalkosten zu tragen haben. „Unsere Verwaltungskosten liegen pro Jahr bei 70,40 Euro – wenn wir unser Kapital angreifen müssten, um Hauptamtliche zu bezahlen, wäre das der Tod unserer Stiftung“, ist Valdorf überzeugt. Der wohltätige Zweck könnte dann nicht mehr erfüllt werden. Davon ist die Organisation trotz der derzeitigen Schwierigkeiten weit entfernt. Die Stiftung versteht sich als Impulsgeberin, Moderatorin, Beraterin, Förderin und Unterstützerin von Initiativen, die durch bürgerschaftliches Engagement getragen werden. „Solche Initiativen stärken und fördern wir“, sagt Hans Valdorf, „auch wenn die Zinsen zurzeit sehr niedrig sind.“

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