Lesung in Rendsburg : Nicht jeder war in Israel willkommen

Jörg Armbruster las im vollbesetzten Jüdischen Museum.
Jörg Armbruster las im vollbesetzten Jüdischen Museum.

ARD-Moderator Jörg Armbruster stellte sein Buch „Willkommen im gelobten Land? Deutschstämmige Juden in Israel“ vor.

shz.de von
10. August 2018, 10:29 Uhr

Rendsburg | Die Lesung des ARD-Journalisten Jörg Armbruster sorgte am Mittwochabend für einen vollbesetzten Betsaal im Jüdischen Museum. Der ehemalige Nahost-Korrespondent stellte anlässlich des Literatursommers sein Buch „Willkommen im gelobten Land? Deutschstämmige Juden in Israel“ vor. Das Jüdische Museum und das Nordkolleg hatten dazu eingeladen.

Wie selten wurde an diesem Abend, am historischen Ort einmal mehr klar, dass sich die Geschichte wiederholt und dass die Menschheit nichts dazulernt. Zehntausende jüdische Deutsche emigrierten vor und während der NS-Zeit sowie unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nach Palästina. Ihre Hoffnung, dort einen sicheren Zufluchtsort zu finden und willkommen zu sein, erfüllte sich nur zögerlich. Nicht immer wurden sie freundlich begrüßt: „Kommst du aus Überzeugung oder aus Deutschland?“, lautete eine gängige Redewendung. Dabei wollten sie nur in Sicherheit und ohne Angst weiter leben. Nur passten die von Flucht oder Lagerleben gezeichneten Menschen, darunter sehr viele Akademiker, nicht zum Ideal des zionistischen Pioniers, der kraftvoll und beherzt zupackt, um den neuen Staat zu erschaffen.

Jörg Armbruster reiste durch Israel, um mit möglichst vielen der mittlerweile um die neunzig Jahre alten Zeitzeugen zu reden. Dabei stieß er auf Überlebensgeschichten, die vom Willen handeln, sich gegen alle Widerstände zu behaupten. Der ehemalige Weltspiegel-Moderator und Kenner der arabisch-nordafrikanischen Szene, teilte die Menschen, die vor dem zunehmenden Naziterror in den dreißiger Jahren und Vertreibung aus Deutschland mit einem Schiff geflüchtet waren, in drei Gruppen ein. Zwangsauswanderer – deren in Israel geborene und aufwachsende Kinder sowie verarmte Holocaust-Betroffene, die es aus verschiedenen Gründen nicht geschafft hatten, in Würde ihren Lebensabend zu verbringen. Vergleichbar mit den Flüchtlingen unserer Zeit, waren ihnen das neue Land, dessen Kultur und Sprache nicht bekannt.

In seinem Buch beschreibt Jörg Armbruster an mehreren Beispielen, dass der Wunsch nach „Willkommen“ und Sicherheit bei weitem nicht immer erfüllt wurde. Belastend auch das Verhalten von Eltern, die um jeden Preis vermeiden wollten, dass ihre Kinder davon erfuhren. Die Kinder spürten es dennoch. Eine weitere Dauerbelastung, wie es auch das vom Lagerleben geprägte Verhalten einer Holocaust-Überlebenden zeigte, für die der Teller immer leer gegessen werden musste. Das Buch zeigt am Beispiel Nazi-Verfolgung, Holocaust und Israel, wie lange Gewalterfahrungen Generationen prägen und belasten.

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