"Nicht den großen Berg anschauen"

Vorleben statt vorschreiben: Holger Thiesen will als Bürgermeister Motivator und Lotse sein. Foto: Höfer (2)
Vorleben statt vorschreiben: Holger Thiesen will als Bürgermeister Motivator und Lotse sein. Foto: Höfer (2)

Einzelbewerber Holger Thiesen: Arbeitshandschuhe statt Schlips / Ideen: Unternehmer-Lotsen, Bürgermeister-Stammtisch und Gehalts-Spende

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11. Oktober 2012, 06:31 Uhr

Rendsburg | "Schluss mit ernst, jetzt wird es sachlich." Der freie Bürgermeisterkandidat Holger Thiesen (57) kennt seinen Ruf als Spaßkandidat. "Ich habe ja selbst dazu beigetragen. Aber diese Zeit ist vorbei, schließlich bewerbe ich mich jetzt um ein öffentliches Amt." Thiesen kandidierte bereits für die Position des Landrats und für Mandate in Bundes-, Land- und Kreistag. "Das waren Testläufe, um das System zu durchschauen", sagt er.

Thiesens erste Motivation ist sein zwölfjähriger Sohn. "Ihm will ich vorleben statt vorschreiben." Thiesen ist überzeugt, dass es in Rendsburg höchste Zeit für einen parteilosen Bürgermeister ist. Als solcher will er eine zerstrittene Ratsversammlung zu einer Mannschaft formen, die Sachentscheidungen in den Vordergrund stellt - und anregen, dass zur Kommunalwahl eine "freie Mannschaft" antritt. Eine Art Wählergemeinschaft, die mit und ohne die etablierten Parteien funktionieren könne.

Und als weitere Motivation ist da noch das Konzept "MitteleRDe": In der ehemaligen Feldwebel-Schmid-Kaserne soll ein Ort entstehen, an dem Talente aus Sport, Kunst, Handwerk, Musik und Wissenschaft zusammenkommen. "Es gibt kein Programm, sondern konkrete Projekte - und Projektleiter sind Menschen, die etwas vorleben können. Meister ihres Faches." Thiesen sieht sich in diesem und in anderen Fällen als Initiator, Motivator und Lotse. Er will Anregungen geben: Für eine Spielschule im alten Hertie-Haus beispielsweise oder einen öffentlichen Bürgermeister-Stammtisch. "Ein guter Bürgermeister braucht bei der jetzigen Personalstärke keinen extra Stadtmanager."

Holger Thiesen ist Architekt und ehemaliger Bundesliga-Handballer, Familienvater, Spieleerfinder und Berater - und prägende Erfahrungen aus all diesen Tätigkeiten finden sich immer wieder, wenn der Kandidat über das Amt des Bürgermeisters (er nennt es "Bürgerdiener") spricht. Thiesen will vorleben: Mit dem Fahrrad oder Bus fahren, statt Schlips will er immer symbolisch Arbeitshandschuhe dabei haben.

Dass auf ihn im Falle eines Erfolges viel Neues zukommt, ist Thiesen bewusst. Notfalls aber will er im Rathaus ein Feldbett aufstellen und bleiben, bis er alles begriffen hat. Schon jetzt weiß er allerdings, dass der Haushalt auf kaufmännische Buchführung umgestellt werden soll. Die immensen Schulden erschrecken Thiesen nicht. "Man darf nicht den großen Berg anschauen", sagt er, "das lähmt nur". Stattdessen will er mit Kleinigkeiten anfangen und sich quasi in kleinen Schritten voranarbeiten. So auch in der Verwaltung, die ihm zu kompliziert arbeitet. Er will es besser machen: "Wer Interesse hat, in Rendsburg eine Firma zu gründen, bekommt in der Verwaltung einen festen Ansprechpartner, der beraten und lotsen kann. Ich brauche im Rathaus ein paar Mitarbeiter, die unternehmerisch denken", so Thiesen.

Auch bei seinem Einkommen will Thiesen neue Wege gehen. "Ich werde als Bürgermeister die Hälfte meiner Bezüge für Bildung in den Kitas und Grundschulen spenden. "Ich halte es für fair, dass ich mein volles Gehalt erst bekomme, sobald Rendsburg einen ausgeglichenen Haushalt erreicht - ohne neue Schulden."

Als kleines Ziel setzt sich Holger Thiesen die Stichwahl - großes Ziel ist es, im ersten Wahlgang zu gewinnen. Auch um die Kosten zu sparen. Für die Zeit danach hat er sich große Ziele gesetzt: "Eines meiner Bürgermeisterziele: Rendsburg wird - auch und besonders in der Innenstadt - zur kinderfreundlichsten Stadt."

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