Hanerau-Hademarschen : Neues Leben im alten Pastorat?

Im Jahr 1848 gebaut, gehört das alte Pastorat in Hanerau-Hademarschen zu den noch wenigen geschichtsträchtigen Gebäuden.
1 von 6
Im Jahr 1848 gebaut, gehört das alte Pastorat in Hanerau-Hademarschen zu den noch wenigen geschichtsträchtigen Gebäuden.

Das alte Pastorat in Hanerau-Hademarschen soll vor dem Abriss bewahrt werden. Das wünschen sich die Mitglieder in einem Förderkreis zur Erhaltung des historischen Gebäudes. In dem Haus soll ein Bürgerzentrum entstehen.

shz.de von
20. Juni 2014, 19:14 Uhr

Seit mehr als zwei Jahren bemüht sich eine Gruppe Hademarscher Bürger darum, das alte Pastorat in der Kaiserstraße 9 in Hanerau-Hademarschen vor dem Abriss zu bewahren. Mit der Gründung des Vereins „Freundeskreis Altes Pastorat“ sind sie dem Ziel, das geschichtsträchtige Gebäude aus dem Jahr 1848 von der Kirche zu erwerben und mit Leben zu füllen, ein Stück näher gekommen.

In der Gründungsversammlung konnte Sprecher Norbert Popp gleich 14 Gründungsmitglieder und damit doppelt so viel wie notwendig, begrüßen. Dazu viele Gäste, die ihr Interesse am Erhalt des Gebäudes bekundeten, in das auch Dichter Theodor Storm als ein Freund von Propst Treplin ein- und ausgegangen ist. Neben der Wahl eines Vorstandes standen das Nutzungskonzept sowie die Verabschiedung einer Vereinssatzung auf der Tagesordnung. Ziel und Zweck sei es, Mittel zu beschaffen, um die Instandsetzung und damit den Erhalt des Pastorats zu bewirken. Denn: „Dieses Haus darf nicht verschwinden“, so Popp. „Es muss erhalten bleiben und mit neuem Leben erfüllt werden.“

Als Kultur- und Bürgerzentrum soll das Erdgeschoss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Vorstellbar seien Lesungen, Vorträge, Fitnesskurse, Ausstellungen, Feiern, eine Bücherei und vieles mehr. Die obere Etage werde als Hausmeisterwohnung vermietet, Interessenten seien bereits vorhanden. „Wir haben tausend Ideen, was man hier alles veranstalten könnte“, erklärte Norbert Popp. Vielleicht sei das ganze ein Luftschloss, doch mit dem Verein sei nun ein Fundament gelegt, um dieses Luftschloss wahr werden zu lassen. Jedes Dorf habe sein eigenes Bürgerhaus, hier in Hanerau-Hademarschen fehle es an entsprechenden Räumlichkeiten für Zusammenkünfte, um den Zusammenhalt der Bürger zu stärken.

Die eigentlichen Mammutaufgaben stünden dem Verein aber noch bevor. Die Räume seien in einem guten Zustand und nicht so marode, wie immer gesagt wurde. Dennoch bestehe ein erheblicher Sanierungsbedarf, besonders bei der Heizungsanlage, beim Gewölbekeller, beim Dach und den Leitungen. „Für die Kosten der Instandsetzung sind wir jetzt auf viele Mitglieder und jede Menge Spender sowie auf die Mithilfe der Firmen vor Ort angewiesen. Wir wollen so viel wie möglich in Eigenleistung bewerkstelligen“, erklärte Popp. Bis zum Winter solle alles dicht und warm sein.

Ob das gelingt, hänge auch wesentlich von der Bereitschaft der Kirche ab, dem Verein bei der Vertragsgestaltung entgegenzukommen. Das sei derzeit noch nicht ganz so der Fall. Zwar sei sie zu Gesprächen bereit, dafür sei man sehr dankbar. Doch der von der Kirche vorgelegte Vertragsentwurf sei noch zu riskant und müsse anwaltlich genauestens geprüft werden. Darin ist vorgesehen, dem Verein das Gebäude für den symbolischen Wert von einem Euro zu überlassen. Für das zum Pastorat zugehörige Grundstück würde eine Pacht in Höhe von jährlich 1200 Euro fällig. „Zusammen mit dem jährlichen Unterhalt liegen wir bei Kosten von rund 5000 bis 6000 Euro im Jahr“, schätzte Popp.

Der eigentliche Knackpunkt sei aber das von der Kirche vorgesehene Heimfallrecht. Sollte es der neue Verein binnen zwei Jahren nicht schaffen, das Gebäude und Grundstück zu erhalten, falle das Land an die Kirche zurück, allerdings frei von Bebauung: „Das bedeutet, wir müssten das Haus abreißen und die Kosten in Höhe von 40 000 Euro übernehmen, die die Kirche bislang jedes Jahr in ihren Haushalt gestellt hat und nun durch unser Bemühen eigentlich sparen würde“, erläuterte Popp. Als Verein mit einer 40 000-Euro-Last zu starten, für die sich kein Bürge finden lässt, sei nicht hinnehmbar. Dennoch wolle man sich nicht entmutigen lassen und weiterhin das Gespräch mit der Kirche suchen.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen