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Schacht-Audorf : Neuer Schiffsbug-Entwurf soll Kritiker besänftigen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Plan für die Aussichtsplattform am Kanal wurde komplett überarbeitet. Eine Bürgerinitiative lehnt das Projekt weiterhin ab.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Die Auseinandersetzung um eine Aussichtsplattform in Form eines Schiffsbugs geht in Schacht-Audorf in eine weitere Runde. Bürgermeister Eckart Reese stellte gestern gegenüber Journalisten einen neuen Entwurf vor, mit dem er auf die Kritiker des Projekts zugehen wolle. Die in die Kanalböschung integrierte Aussichtsplattform werde demnach um ein Gebäude ergänzt, das für einen Restaurantbetrieb geeignet ist. Ob das Projekt grundsätzlich verwirklicht werden kann, stellt sich am Sonntag, 29. November, heraus: An diesem Tag stimmen die Schacht-Audorfer darüber ab, ob die Gemeinde die Pläne für den Bau der Aussichtsplattform weiter verfolgen darf. Der Bürgerentscheid war von einer Bürgerinitiative angestrengt worden, die die Aussichtsplattform ablehnt.

Bisher hatte es nur grobe Zeichnungen von der Plattform gegeben. Der neue Plan ist deutlich detaillierter. Er stammt aus der Feder des Rendsburger Ingenieurs Torben Delfs vom Büro „wdk architekten + ingenieure“. Angeregt von den bisherigen Zeitungsartikeln über das Projekt, entwickelte er aus eigener Initiative einen Bau, der sich in zwei wesentlichen Punkten von den bisherigen Überlegungen unterscheidet: Er ist in der Bug-Konstruktion deutlich filigraner und wird zudem geprägt von einem Gebäude mit zwei Ebenen. Als Materialien kann sich Delfs Holz und Stahl vorstellen. Keine konkreten Angaben machte er gestern zu den Kosten. Nur soviel: „Unter 500  000 Euro wird es nicht gehen.“

Bürgermeister Reese verdeutlichte, dass die Argumente der Kritiker gegen den bisherigen Plan bei der Entwicklung des neuen berücksichtigt worden seien. So sei die Aussichtsplattform mit angeschlossenem Restaurant kein reines touristisches Projekt mehr, sondern ebenso eine Attraktion für die Einheimischen. Einen Betreiber für das Restaurant zu finden, schätzte Reese als nicht schwierig ein. „Das ist eine so interessante Lage, da würden wir schnell jemanden bekommen.“ Zur Kostenseite sagte der Bürgermeister, dass ein Großteil der Investition über Zuschüsse finanziert werden solle. Das war auch in der Kalkulation für den ersten Entwurf vorgesehen: Dessen Verwirklichung hätte 486  000 Euro kosten sollen, davon hätte die Gemeinde aus eigenen Mitteln maximal 150  000 Euro aufbringen wollen.

Söhnke Frank, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung, erklärte, dass man mit der Bürgerinitiative ins Gespräch habe kommen wollen, „aber die Gesprächsangebote sind nicht angenommen worden“. Er kündigte an, dass man an alle Haushalte in Schacht-Audorf ein Wurfblatt verteilen werde. Einen Entwurf legten Reese und Frank gestern vor. Darin schildern die Verfasser die Vorteile des Projekts und setzen sich mit den Argumenten der Gegner auseinander.

Doch das Ziel, die Kritiker mit dem neuen Entwurf zu besänftigen, dürfte zumindest im Hinblick auf die Bürgerinitiative nicht erreicht worden sein. Virginia Nagel, Mitglied des Sprecherkreises der Initiative, bekräftigte gestern auf Anfrage der Landeszeitung ihre ablehnende Haltung. Den neuen Entwurf bezeichnete sie als „hässlich“: „Wir sind gegen den Schiffsbug – nicht nur wegen des Geldes. Wir wollen auch die Grünflächen erhalten.“ Die Schacht-Audorferin kritisierte, dass durch die Initiativen des Bürgermeisters alles zugebaut werden solle. Sie verwies darauf, dass zum Gesamtkonzept der Planungen unter anderem ein Hotel und weitere Stellplätze für Wohnmobilisten gehören. Reese überfordere seine Gemeinde mit diesen Plänen.

Beim Bürgerentscheid wird folgende Frage auf dem Stimmzettel stehen: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Schacht-Audorf die Planung und Errichtung einer weiteren Aussichtsplattform am Nord-Ostsee-Kanal einstellt?“ Ein Ja bedeutet also, dass das Projekt eingestellt wird. Ein Nein steht für eine Fortführung. „Die Gemeindevertretung ist zwei Jahre an den Beschluss gebunden“, sagte Reese, der bis zum Bürgerentscheid in knapp sechs Wochen für seine Idee bei den Bürgern werben will.

Die Stimmung in der Gemeinde wird von Befürwortern und Gegnern gänzlich unterschiedlich beurteilt. Reese: „Ich bin zuversichtlich, dass die Bürger dem Projekt zustimmen, meine Sorge ist nur, dass nicht jeder Befürworter zur Wahl geht.“ Nagel: „Ich kenne keinen, der dafür ist.“

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