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Hamdorfer Kirche : Neuer Rahmen für die Erinnerung

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der Hamdorfer Kirche hängen Tafeln mit Namen von Toten des Ersten Weltkrieges. Jetzt wurden sie restauriert und haben zum Gottesdienst am Volkstrauertag einen neuen Platz in der Kirche erhalten.

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erstellt am 17.Nov.2017 | 14:45 Uhr

Frahm, Sick, Storm oder Stamp hießen Soldaten, die auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ihr Leben ließen. „Es sind Namen, die in Hamdorf und den umliegenden Dörfern jeder kennt“, sagt Pastorin Frauke Bregas. An die 100 Namen von Menschen aus Hamdorf, Breiholz, Prinzenmoor, Elsdorf und Westermühlen – zu lesen in goldfarbenen Lettern auf sechs hölzernen Tafeln, die restauriert wurden und jetzt wieder in der Kirche aufgehängt worden sind. Die Nachfahren der Gefallenen leben vielfach heute noch in den Dörfern auf der Geest und an der Eider. Ähnlich verhält es sich in allen Gemeinden des Kreises. Und selbst in den kleinsten Orten erinnern Gedenksteine mit oder ohne Namen an die Gefallenen – auch des Zweiten Weltkrieges. Ihrer zu gedenken ist Sinn des Volkstrauertages am 19. November.

„Doch es sind nur wenige, die sich auf den Weg machen“, weiß Frauke Bregas aus ihren Jahren als Pastorin. Meist sind es Vertreter von Gemeinde, Feuerwehr und Vereinen, die sich an den Gedenksteinen versammeln, um Kränze niederzulegen. Dabei sei dieser Tag eine Möglichkeit, „sich bewusst zu machen, dass die Weltkriege in fast jeder Familie ihre Spuren hinterlassen haben“. Väter, Onkel oder Brüder starben vielfach im Kugel- oder Bombenhagel. Aber auch Mädchen und Frauen wurden Opfer des Krieges. Anna Winaje Wiez und Kalina Witold beispielsweise starben 1944 und 1948 in Hamdorf und wurden auf dem Friedhof beerdigt. Schlichte Holzkreuze erinnern an die Frauen mit den fremdartigen Namen. „Wahrscheinlich waren es Zwangsarbeiterinnen“, vermutet Frauke Bregas. Bekannt ist lediglich, dass sie wohl auf Bauernhöfen gearbeitet haben. Einst waren die Kreuze im hinteren Friedhofsteil, jetzt erinnern sie in der Nähe des Eingangs an die Kriegsopfer.

Vor dem Kirchengelände steht dunkel ein Stein mit den Worten „Ihren gefallenen Helden von der Gemeinde Hamdorf gewidmet“. Eine Formulierung, die die Pastorin hinterfragt: „Wollten diese Männer tatsächlich Helden sein?“ Und waren jene, die im Zweiten Weltkrieg für die Nazis kämpften, Helden? Auf jeden Fall waren sie Opfer – und für Frauke Bregas gibt es keinen Grund, das Gedenken an die Weltkriege ad acta zu legen, wie es inzwischen von manchen Bürgern gefordert wird.

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“, zitiert die Hamdorfer Pastorin den spanischen Philosophen und Schriftsteller George Santayana. Daher ist es für sie „nicht nur symbolisch, dass solche Daten einen neuen Rahmen bekommen“. Damit meint sie die neuen Rahmen für die Namenstafeln. Wer die Tafeln angefertigt hat, woraus genau und wann – sie weiß es nicht. Wenig bis gar nichts ist darüber bekannt. Aber wahrscheinlich war es kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges am 11. November 1918. Wahrscheinlich hingen sie seitdem an den Wänden rechts und links vom Altar. Doch nur wenigen Kirchenbesuchern war aufgefallen, dass die Tafeln vor einem Jahr abgenommen worden waren. „Sie waren schadhaft und schimmelig, mit schweren Holzrahmen um die Listen. Ihre Aufhängung entsprach nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards“, erklärt die Pastorin. Jetzt hängen je zwei Tafeln in den Seitenschiffen der Hamdorfer Kirche, zwei weitere Tafeln mit den Namen der Breiholzer Gefallenen werden in der dortigen Kirche ihren Platz finden. Wo genau, muss der Bauausschuss der Kirchengemeinde entscheiden.

In den vergangenen Tagen hat sich Frauke Bregas die Namenslisten genau angesehen, um in ihrer Predigt am Volkstrauertag darauf einzugehen. Aber viel mehr als die Herkunftsorte, Todestag und -ort sowie Dienstgrad ist zum jeweiligen Namen nicht zu erfahren. „Musk wird wohl die Abkürzung für Musketier gewesen sein“, sagt sie. „Landstm“ steht für Landsturmmann, „Ers.Res“ ist ein Ersatzreservist und „Krankentr“ ein Krankenträger. Jener mit Namen F. Schenk aus Westermühlen wurde seit dem 16. September 1916 im Westen vermisst – auch das ist auf einem der Schilder zu lesen. Allerdings ist das Entziffern schwierig. Das Gedenken muss noch ins rechte Licht gerückt werden – durch entsprechende Beleuchtung.

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