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Karate : Neue Taktik bringt ersehnte Medaille

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Felix Behrendt wird bei der Junioren-EM in Lissabon Zweiter. Der Nübbeler beherrscht seine Gegner auf dem Weg ins Finale nach Belieben.

Nach dem großen Triumph ließ es Felix Behrendt erst einmal krachen. Bis tief in die Nacht hinein feierte der Nübbeler in einer Diskothek im Herzen Lissabons den Gewinn der Silbermedaille bei den Karate-Europameisterschaften der Junioren. „Da ging es ordentlich zur Sache“, erzählt Behrendt mit brüchiger Stimme. „Und die kommt nicht nur vom Schreien während der Wettkämpfe“, fügt er schmunzelnd hinzu. Behrendt hatte allen Grund, so richtig die Sau rauszulassen. Denn endlich war sie da, die ersehnte Medaille bei internationalen Titelkämpfen.

Auf nationaler Bühne hatte der Nübbeler in den vergangenen Jahren in der Klasse bis 68 Kilogramm die Konkurrenten nur so von der Matte gefegt. Doch bei Europa- und Weltmeisterschaften spielten die Nerven dem sechsfachen Deutschen Meister regelmäßig einen Streich. Mit großen Ambitionen war Behrendt in die jeweiligen Titelkämpfe gegangen, doch das Aus folgte immer früh. „Das war schon ein bisschen frustrierend. Eine Medaille war immer mein großer Traum.“

Den hat er sich jetzt erfüllt. Bei seinen letzten Meisterschaften im Jugendbereich, Behrendt feierte zwei Tage nach der EM seinen 18. Geburtstag, ging er mit einer neuen Taktik an den Start. Zusammen mit seinem Vater und Heimtrainer Axel Behrendt hatte sich der Nübbeler akribisch wie nie vorbereitet und im Vorfeld der EM die Kämpfe der vergangenen Meisterschaften noch einmal analysiert. Beide haben festgestellt, dass Felix zu offensiv in die Kämpfe gegangen ist und die entsprechenden Lehren daraus gezogen. „Ich agiere lieber, als dass ich reagiere. Ich wollte in der Vergangenheit aber immer zu viel, das hat mir jedes Mal das Genick gebrochen. Dieses Mal habe ich die Gegner kommen lassen und auf Konter gesetzt. Das war genau die richtige Taktik.“

Auf dem Weg ins Finale beherrschte der Nübbeler die Gegner in der Meo Arena nach Belieben. Im ersten Kampf blieb der Este Pavel Artamov ebenso ohne Punktgewinn (0:3) wie auch anschließend der Nordire Craig Ryan (0:5). Im Viertelfinale musste Behrendt gegen den Griechen Nikolaos Drivas zwar den ersten Gegentreffer hinnehmen, doch am Ende des Kampfes hieß es 7:1 für den Deutschen. Eine Meisterleistung vollbrachte Behrendt dann im Fight um den Finaleinzug. Der Gegner war Gabor Harpastaki (Ungarn), gegen den der Nübbeler bei der Weltmeisterschaft 2013 noch sang- und klanglos verlor. Nun agierte Behrendt aus der Defensive heraus, setzte einen Treffer nach dem anderen und nahm mit 5:0 erfolgreich Revanche. Schon weit vor Ende des zweiminütigen Kampfes erkannte Harpastaki die Überlegenheit seines Kontrahenten an und gratulierte Behrendt zum Sieg. „Danach war bei mir die Luft ein wenig raus. Mit dem Einzug in das Finale hatte ich alles erreicht, was ich wollte.“ Dass der Nübbeler im abschließenden Kampf um Gold gegen den Franzosen Steven Dacosta keine Chance hatte und vorzeitig mit 0:9 verlor, war aber nicht einzig dem Spannungsabfall geschuldet. „Steven ist eine Klasse für sich. Der hat so schnelle Füße, die Tritte habe ich gar nicht kommen sehen. Nicht umsonst ist er zum dritten Mal in Folge Europameister geworden.“ Und so konnte die einzige Niederlage im Turnier die Freude nicht trüben. Behrendt: „Ich habe nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen. Es war ein krönender Abschluss meiner Zeit als Jugendlicher.“

Schon bei den nächsten Meisterschaften muss der nun 18-Jährige bei den Senioren starten. Und nicht nur das. Er wird auch die Gewichtsklasse wechseln und künftig in der Klasse bis 78 Kilogramm kämpfen. Eine erste Standortbestimmung sind die Deutschen Meisterschaften Ende März in Coburg. „Ich bin gespannt, was mich da erwartet. Aber ich denke, die anderen haben jetzt ein bisschen mehr Respekt vor mir – jetzt, wo ich Vize-Europameister bin.“

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erstellt am 15.Feb.2014 | 20:00 Uhr

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