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Landeszeitung

12. Dezember 2017 | 05:52 Uhr

Rendsburg : Neue Sparsamkeit am Wasserhahn

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Trotz der anhaltenden Trockenheit registrieren die Stadtwerke keinen Anstieg des Verbrauchs. Eine Gärtnerei nutzt den eigenen Brunnen.

„Als Privatperson genieße ich das Wetter, aber als Geschäftsfrau ist es natürlich schon viel Arbeit“, sagt Irina Krämer. Die gelernte Floristin betreibt seit zwei Jahren die „Gärtnerei Thöming“ im Klinter Weg. Dort ist die 44-Jährige derzeit täglich elf Stunden mit dem Gießen ihrer Pflanzen beschäftigt. Morgens von 5 bis 11 Uhr und abends von 17 bis 22 Uhr. In den Gewächshäusern sind zwar Bewässerungsanlagen angebracht, aber auf dem 2,2 Hektar großen Grundstück sind noch Tausende andere Pflanzen zu versorgen. Manche Sprenkler, berichtet Irina Krämer, laufen hier Tag und Nacht, werden nur zwischenzeitig versetzt.

Während Profis wie sie gar nicht genug wässern können, sind in Privatgärten immer seltener Rasensprenger oder Gießkannen zu sehen – und das, obwohl das Thermometer seit Wochen knapp unter 30 Grad anzeigt. Trügt der Schein oder sind Rendsburgs Hobbygärtner im Urlaub? Dass hier grundsätzlich wenig der Hahn aufgedreht wird, liest Anatoli Krüger aus den Statistiken zum Wasserverbrauch ab. Krüger ist Abteilungsleiter für Technische Dienste und Anlagen bei den Stadtwerken und erinnert sich, dass man noch vor einigen Jahren in den Sommermonaten eine deutliche Steigung des Wasserverbrauchs erkennen konnte. „Der Verbrauch ist heute zwar höher als im Winter, aber die Extremtemperaturen merken wir an der Statistik kaum.“ Der Wasserverbrauch richte sich nicht nach der Temperatur, lautet Krügers Einschätzung. „Früher hat man das eher gemerkt, da stand jeder mit dem Schlauch draußen.“ Heute sei das auch eine Geldfrage: Warum den braun-gelben Rasen sprengen, wenn er in wenigen Wochen wieder Farbe bekommt?

Damit die Grünanlagen im Stadtgebiet nicht vertrocknen, sind Hauke Sievers (42) und Wolfgang Jens (56) im Einsatz. Die Mitarbeiter des Umwelt- und Technikhofs (UTH) der Stadt sind bei den aktuellen Temperaturen alle zwei Tage von 7 bis 16 Uhr mit Wässern beschäftigt. Allein die Kieselbeete am Bahnhof brauchen jedes Mal 300 Liter – genau so viel passt in das Wasserfass, das Sievers und Jens auf einem Unimog durch die Stadt fahren. Während der Wagen im Sommer auf „Spritztouren“ unterwegs ist, dient er im Winterdienst als Streufahrzeug.

Seit etwa drei Wochen ist das große Fahrzeug im Einsatz, hauptsächlich für die Sommerbepflanzung in Kübeln oder Beeten. Um beispielsweise die Pflanzen am Stadttheater zu gießen, brauchen die Männer zwei Stunden. Das Wasser, das sie dafür verwenden, pumpen sie direkt aus der Eider – in diesem Sommer bereits rund 100 000 Liter. Gegen die Trockenheit helfe kurzer Starkregen wenig, betont Michael Lindowsky, Spartenleiter für Grünpflege beim UTH. Dann fließe das Wasser nur oberflächlich an der trockenen Erde ab.

„Wir bräuchten schon warmen Landregen über Nacht oder einen ganzen Tag lang“, sagt er und ergänzt: „Ich persönlich habe lieber schönes Wetter und gieße dafür ein paar Wochen.“ Das könnte auch Floristin Irina Krämer unterschreiben. Neben den Nachteilen der hohen Temperaturen sieht sie klare Vorteile: „Es ist zwar viel Arbeit, aber es macht auch Spaß, wenn man sieht, wie alles wächst. Weil es in diesem Sommer so schön warm ist, gibt das eine gute Ernte“, sagt sie mit Blick auf die Tomaten, Gurken, Kürbisse und Melonen. Dass sie in den letzten Tagen so viel wässern muss, belastet die Unternehmerin finanziell nicht. Die Gärtnerei versorgt sie durch einen eigenen Brunnen. Denjenigen, die ihrem Garten etwas Gutes tun wollen, rät sie, morgens oder abends zu gießen und das nicht von oben, sondern möglichst nah am Boden. Sollten sich trotzdem gelbe Brandflecken von der Sonneneinstrahlung auf den Blättern bilden, erholen sich die Pflanzen davon in ein bis zwei Wochen, so Krämer. Das Austrocknen von Grasflächen nimmt die 44-Jährige mit Humor: „Entweder man gießt Tag und Nacht und hat einen schönen Rasen, oder man genießt das Wetter.“

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