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Probleme mit Computern : Neue PC-Software sorgt im Rathaus für Verzweiflung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Stadt Rendsburg will zu altem Programm zurück – aber das kostet 150 000 Euro.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 09:30 Uhr

Ein seit Mitte Oktober von der Stadt Rendsburg genutztes Computerprogramm verwirrt die Mitarbeiter – und macht sie nach Darstellung der Verwaltung sogar krank. „Es gab Ausfälle wegen Überlastung“, sagte Kämmerer Herwig Schröder im Finanzausschuss. Stein des Anstoßes ist eine Software der Firma „ab-data“, mit der die Stadt den Wechsel von der einfachen auf die doppelte Buchführung (Doppik) bewältigen wollte. Schröder schilderte, dass die Bedienung zu kompliziert und der Service der Firma nicht zufriedenstellend sei. Er schlug vor, die Geschäftsbeziehung mit „ab-data“ zu beenden und wieder das vorher genutzte und den Mitarbeitern vertraute Programm namens „OK-Fis“ zu aktivieren. Heute befasst sich der Senat mit dem Problem. Egal, wie die Entscheidung ausfällt: Für die Stadt wird die Angelegenheit teuer werden.

Anfang des Jahres traten die Probleme mit dem Produkt offen zu Tage. Die Verwaltung hatte für die Besitzer der 1300 in der Stadt gemeldeten Hunde die Steuerbescheide ausgefertigt. Doch ein Großteil der Bescheide erwies sich als fehlerhaft. Die Schuld sah Schröder bei dem Programm, das ein Chaos bei den Datensätzen verursacht habe. Um die Schwierigkeiten zu bewältigen, „sind im Bereich Kasse in den vergangenen Monaten 1200 Überstunden angefallen“. Schröder zeigte sich sehr skeptisch, ob mit „ab-data“ die Umstellung auf die Doppik zum 1. Januar 2017 gelingen würde. Bürgermeister Pierre Gilgenast schlug in die gleiche Kerbe: „Die Firma ist nicht bereit, auf wesentliche Wünsche von uns einzugehen.“ Die 15 Mitarbeiter, die die Software nutzen, stellten 87 Probleme fest.

Die Kommunalpolitiker zeigten sich fraktionsübergreifend entsetzt über diese Nachrichten, zumal sie jetzt weitere Gelder bewilligen sollen, um die Misere zu beendcn. Ein Wechsel auf das vorher genutzte Programm gibt es nämlich nicht zum Nulltarif. Die Daten, die in den vergangenen Monaten über „ab-data“ erfasst worden sind, müssen in die alte Software übertragen werden. Allein das kostet 100  000 Euro. Im nächsten Schritt muss das alte Programm aufgerüstet werden, um für die Doppik geeignet zu sein. Dafür werden weitere 50  000 Euro veranschlagt, womit sich kurzfristig von der Politik freizugebenden Gelder auf 150  000 Euro summieren. Und dann wäre da noch der Vertrag mit „ab-data“. Neben den bereits gezahlten 80  000 Euro für das Programm hat die Stadt mit der Firma einen über fünf Jahre laufenden Wartungsvertrag abgeschlossen. Volumen: 60  000 Euro.

Über die Frage, ob diese Summe gezahlt werden muss, könnte es zu einem Rechtstreit kommen. Das erwartet man in der Politik. Die Firma „ab-data“ äußerte sich dazu nicht. Auf eine gestrige Anfrage der Landeszeitung zeigte sich der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Markus Bremkamp vom Vorgehen der Stadt völlig überrascht. Es habe keine Vorankündigung, Mängelrüge, Fristsetzung oder Verzugssetzung gegeben. „Nicht unbekannt ist uns jedoch, dass es bereits im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens in der Stadtverwaltung Widerstände gegen das Auswahlverfahren an sich sowie eine neu auszuwählende Software überhaupt gab.“ Die Widerstände seien zu Beginn deutlich geworden, „später äußerten sie sich unter anderem in der Weigerung einzelner Mitarbeiter, an Schulungen teilzunehmen“. Bremkamp schrieb, dass seine Firma bei webbasierter Finanzsoftware für Kommunen bundesweit Marktführer sei. Über 200 Kommunen zählten zu den Kunden. Bremkamp über Rendsburg: „Wir sind zur weiteren Zusammenarbeit bereit und stehen für dringend gebotene Abstimmungsgespräche zur Verfügung.“

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