Sehestedt : Neue Ortsmitte an der Fähre?

Katrin Fahrenkrug führte durch den Abend.
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Katrin Fahrenkrug führte durch den Abend.

Einwohner sammeln Ideen zur Zukunft der Gemeinde / Kommunikation soll verbessert werden

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02. März 2013, 08:35 Uhr

SEHESTEDT | Die Workshops für die Zukunftsstrategie Daseinsfürsorge in den Gemeinden des Amtes Hüttener Berge setzten sich diese Woche fort. Nun war auch Sehestedt an der Reihe. Bürgermeisterin Rita Koop begrüßte zahlreiche Einwohner im "Landhaus", die ihrer Gemeinde eine gute Lebensqualität bescheinigten. Der Ort biete viele Aktivitäten und die Ehrenamtlichen sorgten für ein reges Vereinsleben: "Doch was nützen die schönsten Angebote, wenn sie nicht angenommen werden und wenn doch, dann sind es immer dieselben die kommen", antworteten einige der Bürger auf die Frage von Katrin Fahrenkrug, Geschäftsführerin des Instituts Raum & Energie, wo noch Handlungsbedarf in Sehestedt bestehe.

Mehr Gemeinschaft, eine bessere Kommunikation auch außerhalb von Internet und neuen Medien, neue Angebote im Alter, sowie ein zentral gelegener, belebter Treffpunkt in der Ortsmitte mit Angeboten für Touristen - das waren einige Anregungen der Sehestedter für ihre Zukunft. In einzelnen Arbeitsgruppen wurden diese Ideen unter den Überschriften "Neuer Ortsmittelpunkt am Fähranleger", "Angebote für Senioren - Dialog der Generationen", "Aktivitätenbörse" sowie "Angebote für Kinder und Jugendliche" weiter vertieft.

Ein Vorschlag lautete, am Fähranleger einen neuen Ortsmittelpunkt für beide Seiten der durch den Nord-Ostseekanal getrennten Gemeinde entstehen zu lassen. Seit der Kaufmannsladen des Ortes geschlossen ist, fehle es an einem Mittelpunkt. Die Idee: Den Platz am Anleger zu einem zentralen Treffpunkt auszubauen. "Zum Beispiel, indem man den bestehenden Imbiss am Anleger zu einem neuen Kaufmannsladen mit einem Café erweitert, natürlich ohne in Konkurrenz zu den bestehenden Gastronomiebetrieben zu treten, sondern als Ergänzung", lautete der Vorschlag. Auch könne man sich vorstellen, Fitnessgeräte für Ältere aufzustellen und mit einer Boulebahn eine neue Freizeitattraktion zu schaffen. Ein Informationsstand mit Zimmervermittlung und Paketannahme, ein Fahrradverleih sowie ein NOK-Erlebnisraum könnten das Angebot abrunden und das gesamte Umfeld gemeindeübergreifend davon profitieren lassen.

Mit einer Aktivitätenbörse, bei der es darum geht, koordiniert Hilfeleistungen auszutauschen, könnten vor allem ältere Mitbürger einbezogen werden. "Viele sind noch fit im Alter und wünschen sich gebraucht zu werden", so die Begründung. "Jeder bringt das ein, was er gut kann und erhält im Gegenzug Hilfe bei Dingen, die er nicht so gut beherrscht". Eine Idee, "über die es durchaus lohnt, nachzudenken", bestätigte auch Katrin Fahrenkrug, denn "Kirchturmdenken war gestern". Gemeinsinn erfordere allerdings auch eine vernünftige Kommunikation untereinander. Die sei in Sehestedt durchaus verbesserungswürdig, waren sich viele der Teilnehmer einig. Die Zusammenarbeit der Vereine könnte dadurch verbessert, Neubürger und Nichtaktive vermehrt angesprochen und für Aktionen mobilisiert werden sowie die Vermittlung von Hilfsangeboten bei der Aktivitätenbörse vereinfacht werden. Das Internet bleibe dabei ein wichtiges Medium, um schnell Informationen, zum Beispiel per Newsletter, an die Einwohner zu bringen und sich untereinander zu vernetzen. Aber: "Wenn wir den persönlichen Umgang miteinander pflegen wollen, geht das nicht, ohne miteinander zu reden", lautete ein Einwand einer Einwohnerin. Früher sei Nachbarschaftshilfe auch ohne Internet möglich gewesen. "Beide Welten müssen sich aber nicht ausschließen", merkte Fahrenkrug an und schlug vor, beides für eine bessere Kommunikation im Ort zu nutzen.

Das Internet sehen Jan-Hendrik Ehlers und Hannes Look, beide mit 15 Jahren die jüngsten Teilnehmer an dem Workshop, auch als einen der Gründe, warum es so schwer ist, die Jugendlichen zu mobilisieren und sie vom PC wegzubekommen: "Angebote sind genügend da, aber bei uns bestimmt die Schule den Großteil des Tages", erklärte Jan-Hendrik Ehlers. Meist komme er erst gegen 15 Uhr nach Hause, um dann noch eine Stunde mit Hausaufgaben zu verbringen. Da falle es schwer, sich noch zu etwas aufzuraffen".

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