„Azubi Speed Dating“ : Neue Lehrstelle per Stelldichein mit dem Chef

So könnte es aussehen beim Dating zwischen Arbeitgebern und Arbeitssuchenden.
So könnte es aussehen beim Dating zwischen Arbeitgebern und Arbeitssuchenden.

Das Handwerk ist für das kommende Ausbildungsjahr in Nachwuchssorge. Gleichzeitig verspricht eine neue Vermittlungsmethode Chancen.

Avatar_shz von
15. März 2014, 06:00 Uhr

Junge Schulabgänger auf der Suche nach einer Lehrstelle sind immer häufiger nicht für den Beruf geeignet. Für das neue Ausbildungsjahr, das am 1. Juli und 1. August beginnt, sei das Ringen der Unternehmen um taugliche Bewerber bereits in vollem Gange, beschreibt Elke Lebang die Situation auf dem Lehrstellenmarkt. „Es wird immer schwerer, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen, dieses Problem setzt langsam auch im Handwerk ein“, so die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Rendsburg-Eckernförde. Vor diesem Hintergrund begrüßt sie eine neue Initiative des Jobcenters und der Agentur für Arbeit: Das „Azubi Speed Dating“ im April. Dabei bekommen auch Jugendliche eine Chance, die es im ersten Anlauf nicht zum Vorstellungsgespräch schaffen.

Der demografische Wandel verursacht in den Betrieben des Handwerks ein Problem: Es gibt weniger Bewerber. Die Schwierigkeiten steigern sich noch, weil zwar die Anforderungen der Berufe steigen, das Bildungsniveau der Schulabgänger jedoch zu wünschen übrig lässt und auch häufig falsche Vorstellungen vom Berufsleben vorherrschen. „Das lässt sich natürlich nicht verallgemeinern und für jeden Bewerber pauschal sagen“, sagt Elke Lebang. Tendenziell verschärften sich die Anzeichen jedoch.

„Wir sehen ein großes Problem am Ende des Tunnels auf uns zu kommen. Die Ansprüche an die Lehrlinge sind stark gewachsen“, so Lebang. Beispielsweise der Beruf des Kraftfahrzeug-Mechatronikers sei inzwischen hochtechnisiert und erfordere viel theoretisches Wissen. Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsstellen erwartet die Geschäftsführerin vor allem bei den Berufen Bäcker und Maurer. Die seien wegen der Arbeitszeiten und körperlichen Anstrengung unbeliebt.

Neben der Schulbildung hake es bei Bewerbern oftmals an Alltäglichem wie Pünktlichkeit, Benehmen und einem angemessenen Erscheinungsbild. „Die Betriebe übernehmen dabei oft erzieherische Aufgaben“, sagt Lebang. Das Handwerk sei jedoch auch dafür bekannt, vielen Jugendlichen eine Chance zu geben. „Wir erwarten von den Jugendlichen aber auch Eigeninitiative.“ Wenn Arbeitgeber bei Bewerbern Begeisterung feststellten und merkten, dass etwas in ihnen steckt, sei das Zeugnis manchmal zweitrangig.

Der erste persönliche Eindruck steht auch beim ersten „Azubi Speed Dating“ am Mittwoch, 16. April, im Mittelpunkt. In Zehn-Minuten-Gesprächen können sich Jugendliche auf Ausbildungssuche und Arbeitgeber kennen lernen. Erst danach entscheidet der Arbeitgeber, ob er sich die Bewerbungsunterlagen ansieht und zum Vorstellungsgespräch einlädt. „Wir stellen immer wieder fest, dass es Jugendliche gar nicht erst bis zum Vorstellungsgespräch schaffen, weil zum Beispiel ein lückenhafter Lebenslauf vorliegt oder schwächere Noten im Zeugnis stehen“, sagt Ragnhild Michael, Teamleiterin U25 des Jobcenters. Die haben beim Speed-Dating die Chance, Chefs von ihrer Persönlichkeit zu überzeugen. Arbeitgeber hingegen können auf diese Weise viele Bewerber ohne großen Aufwand kennen lernen.

> Das „Azubi Speed Dating“ findet bei der Arbeitsagentur, am Gerhardsdamm 4 in Rendsburg, statt. Anmeldungen sind noch bis zum 28. März unter azubi-speed-dating@jobcenter-ge.de möglich.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert