Neue Kirche ein Sanierungsfall?

<strong>'Das ist nicht harmlos':</strong> Maler- und Lackierermeister Frank Peters misst die Größe der Risse am Mauerwerk der Kirche. Foto: Laabs
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"Das ist nicht harmlos": Maler- und Lackierermeister Frank Peters misst die Größe der Risse am Mauerwerk der Kirche. Foto: Laabs

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14. Januar 2010, 03:59 Uhr

Hanerau-Hademarschen | Sechs Jahre nach dem Brand und zweieinhalb Jahre nach der Einweihung des Kirchenneubaus in Hanerau-Hademarschen droht St. Severin zu einem Sanierungsfall zu werden. Die Risse im Außenmauerwerk (wir berichteten) sind großflächig verteilt und von Weitem sichtbar. Besonders betroffen ist die Wetterseite des Gotteshauses. Dass es sich - nach Annahme von Pastor Jörg Ostermann-Ohno - nur um ein optisches, nicht aber um ein statisches Problem handelt, weist Maler- und Lackierermeister Frank Peters aus Hademarschen energisch zurück. Das sei schlicht falsch. "Durch die aufgetragene Kalkschlemme kann Wasser in das Mauerwerk eindringen, das sich dann langsam bis in den Innenraum der Kirche vorarbeitet", sagte der Hademarscher Handwerksmeister gestern gegenüber der Landeszeitung. Die Folgen der Nässe seien im Innenraum unübersehbar. Dort falle teilweise der Putz von den Wänden. Zusätzlich müssten Trocknungsgeräte eingesetzt werden, um der Feuchtigkeit Herr zu werden.

"Das Problem ist eigentlich ganz einfach", meint Peters. Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige der Handwerkskammer Flensburg für das Maler- und Lackiererhandwerk gibt dem Außenanstrich die Schuld. "Mit einer modernen Silikon-Beschichtung wäre das alles nicht passiert." Davon ist Peters überzeugt. Die lasse kein Wasser in das Mauerwerk, aber Feuchtigkeit nach außen, sei also gewissermaßen atmungsaktiv. Im Rahmen der Ausschreibungen habe sein Betrieb selber früh auf diese Möglichkeit hingewiesen. Weil man sich jedoch für die Kalkschlemme entschied, habe er auf den Auftrag "Außenanstrich" verzichtet. "Der Kalkschlemme fehlt es deutlich an Schlagregendichte. Schäden für das gesamte Außenmauerwerk sind vorprogrammiert", hatte Peters in einem Schreiben an den Kirchenvorstandsvorsitzenden Jörg Ostermann-Ohno bereits im Juni 2007 mitgeteilt. Doch seine Warnungen seien ungehört geblieben. "Heute, zweieinhalb Jahre später, ist genau das eingetroffen, was ich damals vorausgesagt habe."

Eine Lösung sieht Peters nur in einer Radikalkur. "Das gesamte Außenmauerwerk der Kirche muss sandgestrahlt und anschließend neu beschichtet werden. Die Beschichtung kann transparent oder in weiß geschehen." Würde man transparent wählen, könnte sogar die alte Feldsteinstruktur der Kirche wieder zum Vorschein kommen, erklärte Peters. Die Kosten einer Sanierung schätzt er grob auf 65 000 Euro.

Pastor Jörg Ostermann-Ohno hatte Ende Dezember öffentlich von einem "optischen, keinem statischen Problem" gesprochen. Immerhin räumte er ein, dass alle Erklärungsversuche lediglich Vermutungen seien. Eine Probebohrung habe ergeben, dass "das Mauerwerk ziemlich trocken" sei, was gegen eine feuchte Mauer spreche.

Bauingenieur Ulrich Großkopf, der bei den Berliner Wasserbetrieben arbeitet und zu Besuch in Schleswig-Holstein war, hatte in der Landeszeitung von den Problemen mit dem Kirchenneubau gelesen. In einer E-Mail schrieb er: "Es ist eigentlich nicht erklärlich, dass die Ursache der Rissbildung im alten Mauerwerk nicht feststellbar ist. Ich gehe davon aus, dass vor dem Neubau der Kirche ausreichende Aufschlusssondierungen des Baugrundes erfolgten, einschließlich der Feststellung, ob Torflinsen vorhanden sind. Ferner die Feststellung der Grundwasserstände und aktuelle Grundwasserabsenkung, auch in Umgebung der Kirche. Sind diese Faktoren für die vorhandenen Risse auszuschließen, bleibt eigentlich nur die Materialbetrachtung. Jeder Werkstoff hat einen anderen Ausdehnungskoeffizienten, das heißt, jeder Werkstoff dehnt sich unter Witterungseinflüsse unterschiedlich aus. Sind nun nicht ausreichend Ausdehnungsmöglichkeiten vorhanden, kommt es zu Rissbildungen. Ferner ist zu erwähnen, dass der Fugenmörtel des Mauerwerks nicht gegen null auslaufen sollte, denn dies führt immer zu Ausplatzungen."

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