zur Navigation springen

Kreishaus : Neue Heizregler sollen von Beamten lernen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Verwaltung will mit moderner Sensortechnik Energie sparen.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Mit einem hochmodernen, ausgeklügelten System will die Kreisverwaltung Heizkosten sparen. Dazu sollen intelligente Raumsensoren in den Büros aus den Gewohnheiten der Mitarbeiter ein Profil erstellen und mit diesen Daten die Heizung steuern. 180 000 Kilowattstunden Heizenergie ließen sich damit pro Jahr sparen, hat Klimaschutzmanager Dr. Sebastian Krug ausgerechnet. Über die Anschaffung einer Einzelraum-Heizungssteuerung entscheidet der Bauausschuss in der kommenden Woche. Krug hat für das System 45 000 Euro veranschlagt.

Zurzeit werden alle rund 250 Büros im Kreishaus während der Heizperiode von morgens um fünf Uhr bis abends um 19 Uhr auf die von den Mitarbeitern gewünschte Temperatur geheizt – je nachdem, auf welche Stufe sie die Thermostate an den Heizkörpern gestellt haben. Freitags wird die Heizung bereits um 15.30 Uhr heruntergefahren. Daraus ergibt sich für das Haus an der Kaiserstraße 8 ein jährlicher Wärmebedarf von 1,2 Gigawattstunden pro Jahr. Das kostet etwa 90 000 Euro. Wenn die Mitarbeiter nicht die Thermostate in ihren Büros abdrehen, wenn sie im Urlaub, auf Dienstreise, auf längeren Sitzungen, krank sind oder frühen Dienstschluss haben, werden leere Büros beheizt. „Wir haben viele Teilzeitkräfte, die ihre Büros nicht den ganzen Tag nutzen“, sagt etwa Hans-Joachim Paulsen, Leiter des Gebäudemanagements. Allein deshalb sieht Paulsen bereits Sparpotenzial.

Das System besteht aus zwei neuen Geräten je Büro: Ein Raumsensor und ein Ventilregler für den Heizkörper. Der Sensor erkennt durch einen sensiblen Bewegungsmelder, ob sich jemand im Raum befindet. Ist das Büro länger als 30 Minuten ungenutzt, wird die Temperatur per Funk über den Ventilregler um vier Grad gesenkt. Gleichzeitig lernt das System die Nutzungsgewohnheiten des Mitarbeiters. Tritt er etwa täglich um 8.15 Uhr seinen Dienst an, hat wiederkehrend um 9 Uhr eine Sitzung und geht üblicherweise um 12.30 Uhr in die Mittagspause, passt es sich an. Zudem erkennt es, wenn ein Fenster zum Lüften geöffnet wird und schließt das Heizungsventil vollständig. Wird ein Raum mehr als drei Tage lang nicht genutzt, schaltet das System auf Urlaubsmodus um.

Der Clou an den Geräten ist laut Sebastian Krug, dass sie ohne externe Stromversorgung auskommen. Der Sensor wird per Sonnenenergie betrieben, während der Regler über ein „Seebeck-Element“ eigenständig Strom aus Temperaturdifferenzen erzeugt.

Bau-Fachbereichsleiter Dr. Martin Kruse stellt klar, dass die Mitarbeiter über den Sensor nicht überwacht werden. „Die Daten können durch die Mitarbeiter und das Gebäudemanagement nicht abgerufen und ausgewertet werden“, heißt es dazu in der Vorlage für den Bauausschuss. Zudem liege die Funkstrahlung weit unter dem Grenzwert. Alle 15 Minuten tauschen Sensor und Regler Informationen eine Millisekunde lang aus.

Sebastian Krug hat das System in der vergangenen Heizperiode gestestet und kam auf eine Reduzierung der Heizzeiten von 50 Prozent in seinem Büro. Deshalb ist er überzeugt und empfiehlt dem Bauausschuss am kommenden Donnerstag, ein solches System per Ausschreibung anzuschaffen.

> Die Geräte kosten pro Einheit etwa 180 Euro. Bei rund 250 Büros ergibt sich eine Investitionssumme von rund 45 000 Euro. Der Hersteller garantiert eine Ersparnis von 15 Prozent der Heizenergie. Das entspricht jährlich etwa 14 000 Euro. Die Kosten werden also nach vier Jahren aufgefangen, heißt es aus der Kreisverwaltung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert