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Rendsburg : „Neue Heimat“: Stadt stopft 680000-Euro-Loch

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Städtische Seniorenwohnanlage immer tiefer in den roten Zahlen. Erweiterung im Gespräch.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 17:00 Uhr

Zehn Jahre nach einer aufwändigen Erweiterung und Modernisierung rutscht die Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ immer tiefer in die roten Zahlen. Weil alle hauseigenen Rücklagen aufgebraucht sind, muss der kommunale Eigenbetrieb in diesem Jahr mit 680  000 Euro aus dem ersten Nachtragshaushalt gestützt werden. Der Senat stimmte gestern Abend einhellig für diesen Schritt. Diskutiert wurde über das Thema nicht. Zuvor hatten sich nach Angaben des Senatsvorsitzenden Helge Hinz (SPD) die Fachausschüsse für Soziales und Finanzen ebenfalls dafür ausgesprochen, den finanziellen Rettungsschirm aufzuspannen.

Für das vergangene Wirtschaftsjahr steht ein Fehlbetrag von 767  477 Euro zu Buche. Das ergab die Prüfung des Jahresergebnisses durch die Norddeutsche Treuhand- und Revisions-Gesellschaft. Die Wirtschaftsprüfer aus Kiel hatten Mitte Februar vom Landesrechnungshof den Auftrag erhalten, die Bilanz der „Neuen Heimat“ unter die Lupe zu nehmen. Ebenfalls Mitte Februar bezifferte Bürgermeister Pierre Gilgenast das 2014-er-Minus auf Anfrage der Landeszeitung noch mit rund 300  000 Euro. 2013 war die Einrichtung 204  000 Euro hinter der schwarzen Null zurückgeblieben (wir berichteten).

Wichtigster Grund ist eine zu geringe Auslastung in den zurückliegenden Jahren. Die gestiegene Nachfrage nach Einzelzimmern konnte nicht befriedigt werden. „Wir diskutieren deshalb über einen Anbau“, sagte Hinz vor Beginn der Senatssitzung. Konkret geht es um eine Erweiterung von 100 auf 120 Betten. Im Finanzausschuss am Dienstag sei das entsprechende Konzept in geheimer Beratung vorgestellt worden. „Es muss etwas geschehen“, so Hinz.

Auch über einen möglichen Verkauf der Anlage wurde gesprochen. Das Problem aus Sicht des städtischen Haushalts: Bei der Veräußerung an einen privaten Träger müsste die Stadt für die bis dahin aufgelaufene Altersversorgung der Beschäftigten aufkommen. Sie werden nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt. Vor gut zehn Jahren, als der Verkauf der „Neuen Heimat“ schon einmal in Erwägung gezogen worden war und in einer tumultartigen Demonstration der Belegschaft und von Bewohnern in der Ratsversammlung gipfelte, wurden die Gesamtkosten für diesen Posten mit zehn bis zwölf Millionen Euro beziffert. Jetzt dürften sie noch höher liegen.

2005 wurde die Wohnanlage in ihrer jetzigen Form und Größe eingeweiht. Zuvor hatte die Stadt 4,9 Millionen Euro investiert, um die traditionsreiche Einrichtung fit für die Zukunft zu machen. Drei Jahre später, bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen der „Neuen Heimat“, war von Krise ebenfalls noch nichts zu spüren. Das Haus war zu 99 Prozent ausgelastet. Dieser Wert wurde in den vergangenen zwei Jahren kaum noch erreicht. Im Juli sprach die Betriebsleitung von 89 Prozent.

 

 

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