Senioreneinrichtung : „Neue Heimat“ geht auf Partnersuche

Da war die Stimmung noch gut: Beschäftigte der Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ begrüßen ihren obersten Dienstherrn, Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast, am Alten Rathaus. Nach dem Beschluss des Stadtparlaments herrschte Katerstimmung.
Da war die Stimmung noch gut: Beschäftigte der Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ begrüßen ihren obersten Dienstherrn, Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast, am Alten Rathaus. Nach dem Beschluss des Stadtparlaments herrschte Katerstimmung.

Ratsversammlung beschließt Umwandlung der kommunalen Seniorenwohnanlage in eine Gesellschaft. Ein sofortiger Umbau wurde abgeschmettert.

shz.de von
31. März 2017, 09:18 Uhr

Die städtische Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ wird nicht verkauft, sie wird jedoch in eine GmbH umgewandelt. Diesen Grundsatzbeschluss fasste gestern Abend die Rendsburger Ratsversammlung. Damit öffnet sich das Fenster für Kooperationspartner, die sich an dem 100-Betten-Haus mit seinen etwa 100 Mitarbeitern beteiligen wollen. Es schreibt wegen einer nicht mehr marktgerechten Raumaufteilung jedes Jahr 700  000 Euro Verlust. Die Verwaltung wurde beauftragt, umgehend in Verhandlungen einzusteigen und die Politik eng einzubinden. Anfang Mai soll dann das weitere Vorgehen festgelegt werden. Als ein Kandidat gilt die Brücke Rendsburg-Eckernförde.

Den Verkauf lehnte das Stadtparlament einstimmig bei einer Enthaltung (Peter Krasemann, CDU) ab. Für den Wechsel in das Modell einer Betreibergesellschaft, die das unternehmerische Risiko eventuell auf mehrere Schultern verteilt und in jedem Fall den Weg für niedrigere Löhne ebnet, stimmten CDU, Grüne, Modernes Rendsburg und Soziales Rendsburg mit zusammen 18 Stimmen. SPD, SSW und Linke hielten mit zwölf Stimmen dagegen. Das Zweierbündnis befürwortete zwar die Form einer Gesellschaft, allerdings unter anderen Bedingungen. Die Stadt sollte als Hauptgesellschafter stets Herr im Hause bleiben. Die Sozialdemokraten forderten zudem, unterstützt von SSW, den sofortigen Umbau und die Erweiterung der „Neuen Heimat“. Beides würde nach einem im Hause selbst erstellten Konzept knapp zehn Millionen Euro kosten. Über den entsprechenden SPD-Antrag wurde gar nicht mehr entschieden, da Stadtpräsidentin Karin Wiemer-Hinz über den Antrag der CDU zuerst abstimmen ließ.

Dem Votum ging eine Diskussion voraus, in der SPD-Fraktionschef René Sartorius verbal austeilte: „Dieser Antrag ist ein reiner Verzögerungsantrag“, sagte er zur CDU. „Er bringt die Stadt nicht weiter. Sie spielen mit den Nerven der Mitarbeiter.“ Der Genosse bemängelte, dass sich bis Mai wieder nichts tun werde – und wurde von Andreas Vollstedt (SSW) unterstützt. „Es ist ein Kompromiss, der einer Überprüfung bedarf und weitere Verzögerungen auslöst.“

Sabine Stechmann (Modernes Rendsburg) hingegen erwartet jetzt Besserung. „Durch einen Mitgesellschafter, der seine Erfahrung einbringt, möchten wir die Neue Heimat wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.“ Der Trend in die Verlustzone sei im Rathaus zu spät erkannt worden. „In der hauptamtlichen Verwaltung hat es gehapert. Ich habe Vorschläge zum Gegensteuern vermisst.“ CDU-Fraktionschef Thomas Krabbes erwartet bei den anstehenden Verhandlungen mit Partnern „Transparenz und Handlungsschnelligkeit“.

Die Mitarbeiter der „Neuen Heimat“ reagierten enttäuscht. „Wir haben Angst, dass es früher oder später doch zum Verkauf der Seniorenwohnanlage kommt. Es kehrt keine Ruhe ein“, sagte Personalratsvorsitzende Ulrike Klinger, und ihre Kollegin Britta Lubinski schob hinterher: „Hätte es früher eine Entscheidung gegeben, dann wäre es so weit gar nicht erst gekommen.“

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