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Prinzenmoor : Neue Heimat für Kreuzotter & Co.

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Zusammenarbeit von Gemeinden und Naturschützern macht es möglich: Rundwanderweg durch das renaturierte Moor eingeweiht.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 08:21 Uhr

PRINZENMOOR | Mit einer rund zweistündigen Exkursion wurde der neue Rundwanderweg durch das FFH-Gebiet Prinzenmoor eingeweiht. Mehr als 20 Teilnehmer erfuhren von Diplom-Biologin Beate Lezius vom Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) allerei Wissenswertes rund um die Renaturierung der Moorflächen sowie über die dort typische Tier- und Pflanzenwelt. Mit dem Weg, zwei neuen Informationstafeln sowie einem Aussichtspunkt mit Blick über das Prinzenmoor, soll Natur vor Ort erlebbar gemacht werden.

"Gerade Kinder und Jugendliche kennen Moore nur noch aus Erzählungen", so Beate Lezius. Deshalb sei man vom Land bestrebt, Schutzgebiete soweit wie möglich begehbar zu machen, um den Bürgern zu zeigen, was sie an wertvoller Natur vor der Tür haben und es schätzen lernen. Von dem einst ausgedehnten Hochmoor in Prinzenmoor sind durch Abtorfung und Umwandlung in Grünland nur noch wenige Restflächen übrig geblieben. Sie sind durch das Entwässern und das Zersetzen der Torfe geprägt, zu erkennen an den ausgedehnten Birken- und Pfeifengrasbeständen sowie dem Gagelstrauch. In den Randbereichen sind noch einzelne Feuchtwiesen und Röhrichte zu finden.

Seit einigen Jahren arbeiten die Gemeinden Prinzenmoor und Hamdorf zusammen mit dem LLUR und der Integrierten Station Eider, Treene, Sorge und Westküste (ETS) im Auftrag des Landes-Umweltministeriums an einer Wiedervernässung der Moorflächen. Natürlich in Absprache mit den Flächeneigentümern und den Landwirten. Letztere "sollen weiterhin von ihrer Arbeit leben und existieren", betonte Prinzenmoors Bürgermeister Hans August Ammon in seiner Begrüßung zu Beginn der Exkursion. Deshalb habe man darauf geachtet, dass umliegende Ackerflächen weiter bewirtschaftbar bleiben und nicht durch die hohen Wasserstände beeinträchtigt werden. "Wir haben viel in das Naturschutzgebiet investiert und sind froh, dass Prinzenmoor dieses Gebiet hat. Wir hoffen die Landwirte sind auch zufrieden. Sollten Probleme mit den Wasserständen auftreten, können sie sich jederzeit bei den entsprechenden Stellen melden", so Ammon.

"Vor vielen Generationen brauchte man das Moor, um zu überleben", erinnerte Hamdorfs Bürgermeister Jürgen Holtorf an vergangene Zeiten. "Torf war ein wichtiges Heizmaterial und musste mühsam gestochen werden", und auch das Urbarmachen von Moorflächen für den Ackerbau sei ein sauer verdientes Brot gewesen. "Heute herrscht ein anderer Zeitgeist und es heißt wieder zurück zur Natur", so Holtorf. Was einst dem Überleben diente, werde jetzt aus Freude am Naturerleben genutzt und wieder hergestellt. "Was wir hier machen, ist das Richtige. Es wäre schön wenn das Moor sich wieder mit Leben füllt".

Erste Erfolge seien erkennbar, so Lezius. Auf einigen Flächen stehe das Wasser, erste Birken sterben ab und das Torfmoos, wichtiger Bestandteil bei der Moorentwicklung, breite sich zunehmend aus. Das schmalblättrige sowie das scheidige Wollgras haben sich bereits angesiedelt und auch Blindschleiche und Kreuzotter fühlen sich mittlerweile wieder wohl in dem Moor. Moorfrosch, Bekassine und Kranich seien weitere Tierarten, die Moore und Feuchtgebiete als Lebensraum bevorzugen. "Ein typisches Hochmoor ist baumfrei und durch mächtige Torfschichten, die sich wie ein Uhrglas wölben, geprägt", erklärte Lezius den Teilnehmern. Diese Schichten speichern in großen Mengen das klimaschädliche Kohlendioxid, das durch das Entwässern der Moore und dem Zersetzen der Torfe frei wurde und in die Atmosphäre gelangte. "Durch das Vernässen und die Renaturierung sorgen wir auch für Klimaschutz", betonte die Biologin für die es vorerst die letzte Exkursion im Kreis Rendsburg-Eckernförde und in Prinzenmoor war. Anfang des Jahres wechselte sie nach Mölln zur Integrierten Station Lauenburgische Landschaft, betreute aber noch den Managementplan für das FFH-Gebiet Prinzenmoor, der mit der Wegeinweihung nun abgeschlossen ist. "Es war eine spannende Zeit mit vielen Gesprächen, Begehungen, Auseinandersetzungen und Sitzungen. Es hat Spaß gemacht hier zu arbeiten", so Lezius, die die Exkursion zum Anlass nahm, um sich für die tolle Zusammenarbeit mit den Gemeinden und den Flächeneigentümer sowie deren Unterstützung zu bedanken. "Sie haben mit dem Moor was ganz Besonderes vor der Haustür und ich hoffe, dass es mit so viel Elan weiter geht".

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