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„Neue Heimat“ – bereits 2014 gab es eine Krätze-Welle

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Artikel über Krätze im Seniorenheim „Neue Heimat“ schlägt Wellen. Die ansteckende Hautkrankheit ist bereits im vergangenen Jahr mehrfach bei Bewohnern der städtischen Einrichtung aufgetreten. Das berichteten gestern zwei LZ-Leser, die sich auf Angaben aus der Belegschaft und eigene Beobachtungen beriefen. Die Heimleitung bestätigte daraufhin, dass von Mai bis November des vergangenen Jahres 19 Bewohner an Krätze erkrankt seien. „Jeder einzelne Fall wurde dem Gesundheitsamt gemeldet“, versicherte Betriebsleiter Marcus Speck.

Wie berichtet, sind in diesem Jahr seit dem 21. Januar sechs Bewohner nachweislich an Krätze erkrankt. Der Amtsarzt wird informiert, sobald die durch Milben verursachte und gewöhnlich problemlos heilbare Hautkrankheit in Schulen, Pflegeheimen oder anderen Gemeinschaftsunterkünften diagnostiziert wird. Bei der Anfrage am Mittwoch hatten dem Leiter des Gesundheitsamtes für 2014 keine Meldungen aus Seniorenheimen im Kreis vorgelegen. Gestern ließ er diese Angaben korrigieren. Die Daten seien erst am Donnerstag verfügbar gewesen, sagte ein Behördensprecher zur Begründung. Demnach habe es zu Beginn der Erkrankungswelle in der „Neuen Heimat“ fünf Fälle im Mai gegeben. Zwei weitere Altenheime sowie eine Jugendhilfeeinrichtung im Kreisgebiet seien im Jahr 2014 ebenfalls von Krätze betroffen gewesen.

LZ-Leser schilderten ihre Erfahrungen aus dem Haus an der Schleswiger Chaussee: „Ich weiß, dass die Krätze dort auch im vergangenen Jahr aufgetreten ist, es muss im Spätsommer gewesen sein“, sagte eine Anruferin, die mit einer Mitarbeiterin des Pflegeheims verwandt ist. Aus Furcht, ihrer Angehörigen könnten Nachteile entstehen, möchte die Informantin weder ihren Namen noch Wohnort in der Zeitung lesen. Die Mitarbeiterin habe ihr eines Tages davon abgeraten, sie mit Kindern privat zu besuchen – im Pflegeheim gehe derzeit die Krätze um, womöglich sei sie ansteckend. Die im Januar verstorbene Mutter von Edwin Kreutziger verbrachte zweieinhalb Jahre in der Einrichtung. In dieser Zeit, so der Fliesenleger aus Rendsburg, habe es wiederholt Krätze in der „Neuen Heimat“ gegeben. „Zimmer wurden desinfiziert, der Speisesaal wurde geschlossen, eine Veranstaltung am Rosenmontag abgesagt.“ Nach Kreutzigers Einschätzung wurde versucht, die Krankheitswelle vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. „Das Verschweigen und Vertuschen hat mich geärgert. Ich habe den Mitarbeitern gesagt, dass es dadurch nicht besser wird. Gerüchte machen alles nur noch schlimmer. Und dann wundern die sich, dass das Pflegeheim nicht mehr voll ausgelastet ist.“

Im vergangenen Jahr betrug die durchschnittliche Belegung in der „Neuen Heimat“ 88,8 Prozent – etwas weniger als erwartet. In den beiden abgelaufenen Wirtschaftsjahren fuhr der städtische Eigenbetrieb ein Minus von rund 500  000 Euro ein (wir berichteten).

Einen Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und den Krätze-Fällen schloss der Heimleiter aus. „Das kann man nicht miteinander verbinden.“ Speck, der die Seniorenwohnanlage seit Anfang 2014 zusammen mit Bettina Hennecke führt, betonte, dass jetzt alles versucht werde, um ein weiteres Ausbreiten der Krätzemilben zu verhindern. „Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wir haben hier viele Menschen, die täglich ein- und ausgehen. Das kann von überall herkommen.“ Alle Wohnbereiche des Pflegeheims seien betroffen, so Speck. „Die Mitarbeiter sind sehr engagiert und leisten einen außerordentlichen Mehraufwand.“ Zum Beispiel seien täglich deutlich mehr Berge an Wäsche als sonst zu bewältigen.

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erstellt am 19.Feb.2015 | 18:27 Uhr

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