Rendsburger Kanaltunnel : Neue Gitter bringen Bauarbeiten voran

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Für die Montage der Entwässerungssysteme wurde eine Lösung gefunden. Doch der jüngste Zeitplan ändert sich dadurch nicht.

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08. Juli 2015, 05:48 Uhr

Bauleiter Frithjof Garrn wirkt erleichtert, als er am Dienstagnachmittag die Tunnelbaustelle betritt. Schnellen Schrittes geht er in Richtung zweier Männer an der südlichen Tunneleinfahrt. Vor einem riesigen Gitterrost bleibt er stehen, die Bauarbeiter Thomas Heis und Ulrich Franke überprüfen noch einmal den Rahmen der Konstruktion. „Heute Morgen ist das gute Stück aus Rostock angekommen“, berichtet Bauleiter Garrn stolz. Am Donnerstag wird es zusammen mit den anderen drei Gitterblöcken einbetoniert und auf diese Weise fest im Boden verankert.

Die Freude über den bevorstehenden Abschluss der Arbeiten am Entwässerungssystem ist groß. Schließlich war es die Frage nach einer geeigneten Montage der Gitter an den Tunnelenden, die immer wieder für Verzögerung gesorgt hatte. „Man dachte, es geht los, und dann mussten wir wieder warten – ein ständiges Auf und Ab. Das war auch für uns sehr unbefriedigend“, so Garrn. Die Bauvorschriften für die Gitterroste hatten sich geändert. Und um nach den neusten Vorschriften bauen zu können, mussten neue Berechnungen her. Zahlreiche Prüforgane befassten sich mit der Konstruktion: Statiker, Stahlfachingenieure und die Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe sind nur ein paar der Stationen, die durchlaufen werden mussten, erklärt Garrn. Doch jetzt wurde eine Lösung gefunden, das Warten hat ein Ende. „Wir sind alle erleichtert, dass es losgeht.“

Die neue Lösung hat vor allem ein Ziel: so stabil wie nur möglich zu sein. Schließlich sind die Gitterroste täglich einer hohen Belastung durch die vielen Fahrzeuge ausgesetzt. Garrn: „Die Straße steht ständig unter Volllast. Die Konstruktion der Gitter muss so stabil sein, als würde man die Rader Hochbrücke komplett neu bauen. Diesen Anspruch haben wir.“ Das gelinge durch eine besondere Rahmenkonstruktion: 70 Zentimeter lange Stäbe, die wie riesige Zuckerstangen aus Stahl aussehen, sollen den Gittern den nötigen Halt geben. Im Unterschied zu den vorherigen Gittern wurde die Anzahl der Stäbe erhöht. Außerdem werden sie nicht mehr einfach in den Boden gebohrt. Jetzt sorgen die Haken für eine stabile Position. Die Entwicklung dieser Lösung hat mehr als ein Jahr gedauert. Am Zeitplan ändert sich mit der Ankunft der Gitterroste allerdings nichts. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) hatte vor vier Wochen bekannt gegeben, dass die Sanierung der Oströhre erst im Februar 2016 anstatt in diesem Sommer abgeschlossen werde. Bevor es dann mit der Weströhre weitergeht, könnte es außerdem zu einer Baupause kommen, damit die Verträge zwischen WSV und den Baufirmen neu verhandelt werden können. Autofahrer könnten während der Unterbrechung wieder alle vier Spuren nutzen – die fertig gestellte Oströhre und die alte Weströhre.

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