zur Navigation springen
Landeszeitung

23. Oktober 2017 | 03:11 Uhr

Lesung : Neue Feinheiten entdeckt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Alexander Nitzberg stellte im Nordkolleg die Neuübersetzung von Michail Bulgakows „Meister und Margarita“ vor.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Zwölf Jahre lang, von 1928 bis 1940 hat der russische Schriftsteller Michail Bulgakow an „Meister und Margarita“ gearbeitet. Ganz so lange hat Alexander Nitzberg nicht gebraucht, um das Kultbuch seiner Jugend aus dem Russischen ins Deutsche zu übersetzen: Dennoch hat ihn der Inhalt fünf Jahre beschäftigt. Der Übersetzer und weitere Akteure stellten das Buch jetzt bei der „Langen Lesenacht“ im Nordkolleg vor.

Alexander Nitzbergs Übersetzung aus 2012 zeichnet sich durch einen ganz anderen, freieren Geist aus als die erste Übertragung. 595 Seiten umfasst seine Arbeit, die in ausgewählten Kapiteln (160 Seiten Manuskript) am Nordkolleg vorgestellt wurde.

Wie kaum ein zweiter ist der 1969 in Moskau geborene und konsequent zweisprachig lebende Autor in der Lage, alle Feinheiten und die Charaktere des Buches vor dem geistigen Auge der Zuhörer lebendig werden zu lassen: Das Leben in Stalins Moskau während der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, das undurchsichtige und unberechenbare Verhalten der Bürokraten.

Aufgelockert wurde die Spät- und Nachtschicht durch drei russisch bestimmte Mahlzeiten der allerfeinsten Art. So gestärkt, gab man sich gerne den teils skurrilen Einfällen Bulgakows hin, lernte vom Sterben auf andere Weise („ein Ziegelstein fällt einem nicht einfach auf den Kopf“) oder von Fremden, die sich als Spezialisten für schwarze Magie ausgeben.

Im Gespräch mit unserer Zeitung bekannte Nitzberg aber auch, dass „es sehr gut tut, damit andere Stimmen zu hören. Das hat mich sehr beeindruckt. Das Übersetzen über so lange Zeit hat auch etwas monomanisches an sich. Es war teils auch eine quälende Arbeit, anstrengend. Oft wollte ich die Arbeit einfach hinschmeißen!“

Wie gut, dass er es nicht getan hat. So zeigt er mit seiner „Freiheit der Übersetzung“ viele charakteristische Details, die früher unter dem Siegel der Buchstaben- und wortgetreuen Übertragung nicht deutlich wurden. „Feinheiten und Ironie sind nur bei sinngemäßer Übertragung aufzudecken, wenn man eine eigene Vorstellung und Kenntnis von den Charakteren hat“, begründet der perfekt russisch und akzentfrei deutsch sprechende Autor und Übersetzer seinen Einsatz für das Bulgakow’sche Lebenswerk.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen