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Interview zu Frau & Beruf : Neue Diakonie-Beratungsstelle in Rendsburg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Beratungsstelle Frau & Beruf hat ihre Arbeit in Rendsburg aufgenommen. Wiedereinsteigerinnen sollen dort unterstützt werden.

von
erstellt am 28.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Das Land Schleswig-Holstein hat im Rahmen des Landesprogramms Arbeit und des Europäischen Sozialfonds die Fördermittel für Beratungsstellen neu vergeben. Unter dem Dach der Diakonie Altholstein ist jetzt die Beratungsstelle Frau & Beruf angesiedelt – unter anderem in Rendsburg. Mit Leiterin Dr. Christiane Kaiser sprach Redakteurin Sabine Sopha über die Arbeit.

Es gibt die Beratungsstellen Frau & Beruf seit über zwanzig Jahren. Was hat sich jetzt geändert?

Christiane Kaiser: Der Träger hat sich geändert – und unsere Zielgruppe. Das sind jetzt konkret die Wiedereinsteigerinnen. Sachlicher Hintergrund sind der Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung. Es fehlen gut ausgebildete Kräfte auf dem Markt. Wir wissen ja, dass Frauen in der Regel gute Schulabschlüsse machen und gute Ausbildungen abschließen. Dieses Potential möchte man gerne wieder in den Arbeitsmarkt integrieren.

An welche Frauen wenden Sie sich?

Wir bieten Beratungen für Frauen, die nach der Familienphase den beruflichen Wiedereinstieg suchen. Wir beraten jene, die die Pflege von Angehörigen wieder mit Berufstätigkeit verbinden möchten. Wir richten uns auch an junge Frauen, die eine Ausbildung nachholen möchten und dann vielleicht auch speziell in Teilzeit, damit es mit der Familie besser vereinbar ist.

Können sich auch Frauen an Sie wenden, die bereits berufstätig sind?

Ja, zum Beispiel Frauen, die ihre Beschäftigung ausweiten möchten. Wenn sie beispielsweise bisher einer geringfügigen Beschäftigung nachgegangen sind und diese in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausweiten möchten. Auch dann sind die Frauen bei uns genau richtig. Oder wenn sie von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Welche Hilfen bieten Sie den Frauen an?

Wir sehen es als unsere Hauptaufgabe, die Frauen im Ganzen, mit ihrer ganzen Themenvielfalt zu sehen. Wir setzen uns zusammen und legen alle Fakten auf den Tisch – neutral und kostenfrei. Daraus ergibt sich vielleicht eine Priorisierung der Themen, die jetzt anstehen. Und die Frau sieht klarer, welches der nächste Schritt ist.

Sie sind also die erste Anlaufstelle, die die Frauen fit macht, damit sie wissen: Das ist der Weg.

Genau, es ist ganz viel Klärungsarbeit im Vorfeld – wobei wir die ganze Vielfalt der Ratsuchenden mit einbinden. Denn wir haben die Zeit, das können andere Ämter in der Form einfach nicht leisten.

Warum gibt es dieses Angebot speziell für Frauen?

Frauen sind nach wie vor für Familie zuständig. Aber irgendwann geht es wieder darum, sich beruflich zu verankern. Das ist nicht einfach, wenn man aus dem beruflichen Umfeld heraus ist. Man muss sich neu erfinden. Manchmal möchten sie auch nicht in den alten Beruf zurückkehren. Manchmal verhindern gesundheitliche Probleme die Rückkehr ins alte Arbeitsumfeld.

Wie alt sind die Frauen, die sich an die Beratungsstelle wenden?

Zwischen 30 und 50 Jahre. Doch da wir jetzt auch das Thema Ausbildung und Teilzeit mitbetreuen, wird sich die Zielgruppe ein bisschen verjüngen.

Denken Sie da an Mütter, die jung Kinder bekommen haben?

Ganz genau, teilweise sind es alleinerziehende junge Mütter. Die brauchen einfach ein gutes Standbein: Das ist immer eine gute Erstausbildung.

Gibt das der Arbeitsmarkt her?

Das ist eine ganz berechtigte Frage. Wir können leider keine Stellen vorhalten. Wir können erst einmal daran arbeiten, die Ratsuchende fit zu machen und sie darin zu bestärken, dass sie genau weiß, wohin ihr Weg geht. Mit diesem Rückenwind kann sie besser agieren. Aber manchmal braucht es konkrete Hilfen. Dafür verfügen wir über gute Netzwerke.

Dann kommt wohl auch die Agentur für Arbeit ins Spiel...

Auf jeden Fall. Sie genehmigt letztendlich die Fort- oder Weiterbildung. Aber wenn die Frauen wissen, wo sie hin möchten, wird auch das Gespräch bei der Agentur einfacher.

Seit wann gibt es die Beratungsstelle Frau & Beruf in Rendsburg?

Projektbeginn war am 1. Juli 2014, seit dem 1. September ist die Beratungsstelle geöffnet. Wir sind zuständig für die Stadt Neumünster und den Kreis Rendsburg-Eckernförde. Wir aus der Beratungsstelle Rendsburg gehen vor Ort zu den Ratsuchenden – in das Amt Mittelholstein und nach Eckernförde.

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