Insektensterben : Neue Basis für die Bienen

Eine Honigbiene beim Nektar saugen. Ihr helfen die Imker – genauso wie jetzt der Wildbiene, deren Lebensräume verschwinden.
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Eine Honigbiene beim Nektar saugen. Ihr helfen die Imker – genauso wie jetzt der Wildbiene, deren Lebensräume verschwinden.

Ein großflächiges Habitat entsteht im Tierpark Arche Warder in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker.

shz.de von
28. Mai 2018, 09:32 Uhr

Warder | Das Insektensterben macht nicht vor den Bienen Halt. Allerdings sind nicht die Honigbienen vom Aussterben bedroht, sondern die Wildbienen. Im Rahmen eines neuen Projektes entsteht jetzt für sie im Tierpark Arche Warder in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker ein großflächiges Habitat.

Es gibt rund 280 verschiedene Wildbienenarten: Sand-, Löcher-, Mauer-, Holz- oder Pelzbiene leisten derzeit einen Großteil der Bestäubung. „Die Honigbiene bestäubt nicht alles“, erklärt Prof. Dr. Dr. Kai Frölich, Direktor des Zentrums für seltene Nutztierrassen. Auch wenn es kein gültiges Monitoring bezüglich der Bestandszahlen gibt, ist es offensichtlich, dass die Populationsgrößen verschiedenster Insektenarten deutlich zurückgegangen sind. „Regionale Beobachtungen über einen Zeitraum von 25 Jahren sprechen von Schwund von 70 bis 80 Prozent – ich denke man kann dadurch gesichert von mindestens 50 Prozent ausgehen“, fügt Frölich an.

Dennoch gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Bestand der Honigbiene ebenfalls einbricht. Doch: „Ohne den Einsatz der Imker wäre aber auch die Honigbiene vom Aussterben bedroht“, sind sich Anke Last, Vorsitzende vom Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker, und ihr Stellvertreter Christian Krug, sicher. Nur durch das Engagement der rund 3000 Imker, die derzeit gut 26 000 Bienenvölker betreuen, sei der Bestand relativ stabil.

Da den Imkern aber nicht nur die Honigbiene am Herzen liegt, haben sie nun das Projekt in der Arche angestoßen und planen ebenfalls einen Kooperationsvertrag mit den Kleingartenvereinen. „Wir haben dafür einen Informationsprospekt erstellt, der eine Anleitung zur sinnvollen Gartengestaltung beinhaltet“, ergänzt die Vorsitzende.

Infolge der zunehmenden Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft fehlt es derzeit an der Vielfalt naturnaher Kulturlandschaften wie sie die kleinbäuerliche Landwirtschaft früher bot. „Deshalb verstehen wir uns mittlerweile nicht nur als Erhaltungstierpark, sondern wollen gleichzeitig auch Enklaven für bestimmt heimische Tierarten bieten“, betont der Tierparkdirektor.

So offeriert der rund acht Hektar große Trockenrasen mit seinem sandigen Boden und steinigen Arealen schon einmal gute Siedlungsmöglichkeiten für einige Wildbienenarten. Dazu kommen jetzt Stämme Totholz, die ebenfalls bestimmten Bienensorten als Nistplatz dienen und die Anlage von insgesamt drei Blühwiesen. „Damit schaffen wir ein komplettes Nistplatz, Paarungs- und Nahrungsangebot“, ist sich der Imker der Arche, Clas Lehmann, sicher.

Gleichzeitig will der Tierpark in seiner Funktion als Wissenszentrum damit auf die ökologischen Zusammenhänge hinweisen und so die Diskussion anregen, sich mit dem Thema zu befassen. „Bildung ist der Schlüssel“, weiß Frölich. Man müsse Menschen, die ein Herz für Tiere und die Natur haben, diese Informationen nur näher bringen.

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