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Rendsburg : Nazi-Verdacht in der Freien Waldorfschule

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Verwaltungsmitarbeiter der Rendsburger Waldorfschule wurde suspendiert: Er soll in Verbindung mit der rechten Szene stehen.

Rendsburg | Die Freie Waldorfschule Rendsburg ist in Aufruhr: Ein Mitarbeiter in der Schulverwaltung soll Kontakt zur rechten Szene haben. Mit sofortiger Wirkung wurde der Mann jetzt von der Schule suspendiert.

Klassenlehrerin und Vorstandsmitglied Yvonne Fahrig bestätigte am Sonntag gegenüber dem sh:z den Vorfall. Bereits am Donnerstag habe der Vorstand des Trägervereins in enger Abstimmung mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Schleswig-Holstein (LAG) über die Angelegenheit beraten – und den Verwaltungsmitarbeiter schließlich suspendiert. Der Mann habe in Gesprächen nicht überzeugend ausräumen können, in Kontakt mit den als verfassungswidrig eingestuften Vereinen „NeuDeutschland“, „Deutsches Polizeihilfswerk“ (DPHW) und „Reichsbürger“ zu stehen oder gestanden zu haben, teilte Thomas Felmy, Sprecher der LAG, mit.

Das Lehrerkollegium wurde nach dem Beschluss sofort informiert, an die Eltern der Schulkinder ging am Freitag ein Schreiben raus. Darin wird ihnen der Vorfall kurz erklärt und gleichzeitig zu einer Schulversammlung zu dem Thema am Donnerstag eingeladen. Auch das Bildungsministerium sowie die bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen wurden informiert.

„Verfassungsfeindliches und rechtsradikales Gedankengut haben an einer Waldorfschule keinen Platz“, so Felmy und Henning Kullak-Ublick vom Vorstand im Bund der Freien Waldorfschulen (Bund). LAG und Bund waren erst kürzlich durch mehrere Hinweise auf die Kontakte zur rechten Szene aufmerksam gemacht worden. Dem Deutschen Polizeihilfswerk – einer rechtsextremen Gruppierung, die meist in polizeiähnlicher Uniform auftritt – sei zum Beispiel im März 2013 ein Raum in der Waldorfschule für eine Veranstaltung zur Verfügung gestellt worden.

Lehrerin Yvonne Fahrig zeigte sich am Sonntag zumindest ein bisschen erleichtert darüber, dass es sich bei dem Vorfall um einen Kollegen handelt, der nicht in direktem Kontakt mit den Schülern steht, schließlich ist er kein Lehrer. Trotzdem erkennt sie die hohe Brisanz des Themas: „Die Elternschaft ist sicherlich schockiert und wir als Schule sind auch zutiefst betroffen. Das wird dauern, bis man das verdaut hat“, sagte sie. Jetzt müsse es vorrangig um die Aufklärungsarbeit gehen. Deshalb wurde auch zu der Versammlung eingeladen, die Schüler werden ebenfalls umfassend über den Vorfall informiert. „Das ist ein ganz empfindliches Thema. Wir müssen uns jetzt klar positionieren und zeigen, dass wir mit solchen Gruppen nichts zu tun haben“, so die Lehrerin.

Auch die Verbandsvertreter vom LAG sowie vom Bund distanzieren sich in einer Pressemitteilung von Freitag noch einmal deutlich von der rechten Szene: Der Bund der Freien Waldorfschulen, die ihm angeschlossenen Landesarbeitsgemeinschaften, also auch die LAG, und die als Mitglieder im Bund aufgenommenen Schulen verstehen sich als Bestandteil des öffentlichen Bildungswesens und distanzieren sich von Rassismus, Diskriminierung und verfassungsfeindlichen Aktionen auf allen Schulebenen: „All das gehört weder in den Unterricht noch in Verwaltung oder Trägerschaft einer Schule.“

Die Polizei konnte am Sonntag keine aktuelle Anzeige gegen einen Mitarbeiter in der Schulverwaltung bestätigen. Der Kontakt zu verfassungswidrigen Organisationen allein sei aber auch noch keine Straftat, so Tim Schmehe von der Einsatzleitstelle in Kiel.

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erstellt am 22.Sep.2014 | 06:00 Uhr

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