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Naturschützer machen ihrem Ärger Luft: Resolution gegen Vogelmord

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Naturschutzverein Börm bittet Landesregierung um Unterstützung / Einzigartiges Brut- und Rastgebiet von europäischer Bedeutung / Wachtelrufe Höhepunkt im Jahr 2012

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erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Börm | Sprachlos und wütend sind sie: Und jetzt haben die Mitglieder des Naturschutzvereins Börm in einer Resolution an Ministerpräsident Torsten Albig ihrem Ärger Luft gemacht. Ein Bericht des Biologen Holger Schulz, der sich mit dem Fangen und Töten von jährlich zehn Millionen Zugvögeln in der größten Vogelfanganlage an Ägyptens Küste befasste, war Anlass zur Kritik.

"Mir ist es unverständlich, dass es bis jetzt keinen Aufschrei von den Naturschutzverbänden und der Politik gab. Hier kann man nicht zur Tagesordnung übergehen", sagte Vorsitzender Hans-Joachim Schoof in der jüngsten Jahresversammlung des Börmer Naturschutzvereins. Die EU fördere mit Steuermitteln und großem Aufwand den Vogelschutz, die Länder beteiligten sich ebenso finanziell und ehrenamtliche Helfer in zahlreichen Naturschutzvereinen bemühten sich, dabei mitzuhelfen, den Artenreichtum zu bewahren - vielfach mit Erfolg. Aber sollen diese Mühen alle umsonst sein? Das fragten Schoof und seine Mitstreiter. In ihrem Schreiben forderten sie die Landesregierung dazu auf, "auch unsere Bemühungen im Bereich des Artenschutzes und hier speziell des Vogelschutzes durch ein entsprechendes Verhalten nach außen zu unterstützen".

Welch umfassenden Einsatz die Naturschützer hauptsächlich im Bereich Börmer Koog, der ein einzigartiges Brut- und Rastgebiet von europäischer Bedeutung für 182 verschiedene Vogelarten ist, zeigen, ließ sich an dem Bericht der Aktivitäten des vergangenen Jahres erahnen. 250 Meter Krötenzaun wurden im Meerweg aufgebaut, was mehr als 300 Gras- und Moorfröschen sowie Erdkröten das Leben rettete. 120 Nistkästen wurden überprüft und gesäubert und 25 neue Nistkästen aufgehängt, die von der Vogelwelt - Meisen, Baumläufern, Klaibern, Schleiereulen und Steinkauzen - sowie Fledermäusen gut angenommen wurden. Und für die fast ausgestorbenen Eisvögel werden zurzeit zwei Nisthöhlen angeboten.

Schoof war mit den Ergebnissen der Arbeit sehr zufrieden. Besonders spannend: Im vergangenen Jahr habe Dr. Winfried Daunicht, Biologe aus Börm, erstmals die Lockrufe des Wachtelkönigs im Börmer Koog gehört, aber zu Gesicht bekommen habe den Wachtelkönig niemand, nur seine Lockrufe seien zu hören gewesen. Schoof, der gleichzeitig Gebietsbetreuer ist, beobachte zudem öfter Seeadler, die im Koog auf Beutefang sind. Auch Schwarzstörche werden ab und zu gesichtet. Der Koog entwickele sich zum Sammelplatz der Störche, die im Spätsommer in den Süden fliegen. Bei diesem Naturschauspiel wurden beim letzten Mal bis zu 75 Störche gezählt.

Die Wiesenvogelbeobachtung im Börmer Koog sei eine zeitraubende Tätigkeit, aber notwendig, um genaue Kenntnisse über den Bestand zu erhalten. In Abstimmung mit den Landwirten wurden Flächen für die Bodenbrüter in der Brutzeit teilweise mit Zäunen geschützt und danach wieder für die normale Nutzung freigegeben. Im Börmer Koog waren es 36 Hektar mit 33 geschützten Wiesenvogelrevieren. Die Kiebitze hatten ihr Verhalten geändert und wenig auf Grünland gebrütet, dafür verstärkt auf Maisflächen Nester angelegt. Die Hälfte der Gelege wurden ausgeräubert, auch Gelege, die durch Nestkäfige geschützt wurden. Die Kükenüberlebensrate lag bei 16 Prozent - viel zu gering, um den Bestand zu erhalten, so die Biologin Heike Jeromin.

Dieses Frühjahr hat Schoof 40 Gelege gezählt, von denen bereits ein Viertel ausgeraubt wurde, trotz der aufgestellten Netzkäfige. Der Fuchs scheint hier der Hauptverursacher zu sein, obwohl er von der Jägerschaft bejagt wird.

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