Ausbildung für Förderschülerin : Nadja weiß, wie es geht

Wäschepflege im Hotel: Nadja Willmers vor einem Berg von Handtüchern, die zusammengelegt werden müssen.
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Wäschepflege im Hotel: Nadja Willmers vor einem Berg von Handtüchern, die zusammengelegt werden müssen.

Dass Förderschüler mit geistiger Einschränkung einen Arbeitsplatz erhalten, ist eine Seltenheit. Die 18-Jährige Nadja Willmers arbeitet im Hotel – und zeigt, wie Inklusion funktionieren kann.

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15. Juli 2015, 11:30 Uhr

Wie werden Handtücher professionell gefaltet? Die Antwort lässt sich in Ratgebern nachlesen. Nadja Willmers aber verzichtet darauf. Erstens sind Zahlen und Buchstaben nicht ihre Stärke. Und zweitens weiß die Expertin, wie es geht. „Niemand faltet Handtücher so akkurat wie sie“, lobt Tania Debbert, Empfangsleiterin des Hotels Heidehof ihre neue Mitarbeiterin.

Die 18-jährige Nadja Willmers tritt am 1. August eine nach Tarif bezahlte 20-Stunden-Arbeitsstelle als Service-Hilfskraft in dem Büdelsdorfer 180-Betten-Hotel an. Sie hat damit eine hohe Hürde genommen. Denn die Büdelsdorferin ist geistig beeinträchtigt und besuchte die Schule Hochfeld, ein „Förderzentrum für geistige Entwicklung“. In der Regel stehen Jugendlichen mit einem Förderschul-Abschluss nur wenige Türen offen. Meist arbeiten sie in Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder durchlaufen Qualifizierungsmaßnahmen. Den direkten Weg auf den ersten Arbeitsmarkt, so wie Nadja, schaffen nur etwa fünf Prozent der Förderschüler.

„Ich freue mich, dass ich zeigen darf, was ich kann.“ Nadja ist stolz auf ihre Leistung. „Die Gastronomie liegt ihr“, bekräftigt ihre Mutter Petra Willmers, die als Mitarbeiterin im Borgstedter „Lindenhof“ ebenfalls in diesem Bereich tätig ist. Die Tochter überzeugte die Vorgesetzten im Heidehof davon, dass sie zupacken und sehr genau arbeiten kann. Künftig wird sie das Hotel-Team, das drei Auszubildende und sieben fest angestellte Mitarbeiter umfasst, verstärken.

„Morgens um sechs Uhr beginnt mein Arbeitstag, und um 15 Uhr habe ich Feierabend“, berichtet Nadja. Sie werde beim Geschirr reinigen und Besteck polieren eingesetzt, fülle die Minibar auf, sei aber auch für die Wäsche- und Blumenpflege zuständig. Und beim Abräumen des Frühstücksgeschirrs hat die neue Fachkraft direkten Kontakt zu den Hotelgästen.

„Es war ein längerer Weg, aber er hat sich für alle Beteiligten gelohnt“, sagt Daniel Grade, Leiter des Integrationsfachdienstes des Kreises, der von der Brücke Rendsburg-Eckernförde getragen wird. Das Team brachte die Schülerin und das Hotel Heidehof zusammen. Seit 2013 nahm die junge Frau am Unterricht zur Berufsorientierung des Fachdienstes teil. Parallel liefen Praktika. Wichtig auf Seiten der Firmen seien dabei die Offenheit, sich auf Arbeitskräfte einzustellen, die auf den ersten Blick nicht perfekt erscheinen. „Wer dazu bereit ist, erlebt oft positive Überraschungen“, weiß Grade.

Diese Erfahrung bestätigt Empfangsleiterin Tania Debbert. Die 18-Jährige arbeite selbstständig und habe viel Potential. Für beide Seiten sei die Zusammenarbeit ein Gewinn: „Nadja ist eine wertvolle Arbeitskraft.“

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