Premiere : Nachwuchs probt den Aufstand

In dieser Szene stellen die Schauspieler dar, wie Polizisten bei einer Party alle Tänzer kurzerhand festnehmen.
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In dieser Szene stellen die Schauspieler dar, wie Polizisten bei einer Party alle Tänzer kurzerhand festnehmen.

„Kiosk zu! – Geht mich ’n Scheiß an“: Neues Stück des Theaterjugendclubs setzt sich mit Isolation per Smartphone auseinander.

shz.de von
01. Juni 2018, 09:00 Uhr

Rendsburg | Cheerleader und Tänzer sorgten am Mittwochabend für reges Treiben vor den Kammerspielen Rendsburg. Junge Schauspieler lockten nach der Art von Gauklern und Schaustellern ihr Publikum an. Direkt vor dem Eingang saßen Jugendliche, auf ihr Smartphone starrend, provozierend regungslos, sodass die Besucher über sie hinweg steigen mussten. Ungezwungene Ausgelassenheit und jugendliche Protesthaltung zur Einstimmung herrschte vor der eigentlichen, voll besetzten Premiere des Theaterjugendclubs Rendsburg mit dem Stück „Kiosk zu! – Geht mich ’n Scheiß an“.

Die Gesamtleitung hatten Ramona Ries und Konrad Schulze. Auch drinnen ging’s „typisch“ jugendlich zu. Mehrere Themen wurden verbal mit vitalem schauspielerischen Engagement und Können zur Darstellung gebracht. Zunächst stolzierte unter Elektropop-Klängen jeder scheinbar geschützt in der Masse und intim auf dunkler Bühne mit seinem Smartphone umher, auf das Dasein reduziert und doch sehr öffentlich. Bald ging es um einen fürchterlichen Amoklauf im Februar dieses Jahres in Amerika. Dazu wurde in beängstigender Stimmung die Zahl der 200 abgeschossenen Patronen, die zahlreiche Menschen das Leben kosteten, hochgezählt. Andere Szenen drehten sich selbstkritisch um Luxusprobleme, außerdem um polizeiliche Gewalt und sogenannte „Zutaten für eine Revolution“ wie „allgemeine Unzufriedenheit“, „Verschlimmerung der Situation“ oder „gesellschaftliche Aufklärung“.

Zur Sprache kamen die Waffengewalt in den USA und die Scheinheiligkeit ihrer Befürworter. Vier Rapper trugen vor, was sie an ihrer Stadt so lieben, wobei ihr Urteil alles andere als schmeichelhaft ausfiel. Insbesondere standen die vielen leeren und hässlichen Gebäude und der ewige Kanaltunnelbau in der Kritik sowie die Sorge um die Zukunft der Stadt.

Zum Schluss gab es die Revolution im Sinne „Der König ist tot. Es lebe der König“: Die erhoffte „bessere Gesellschaft“ und propagierte „Gleichheit aller Menschen“ erwies sich trotz besten Willens aber auch hier als Trug. Die personifizierte freie Meinung wurde im Sinne der philosophischen Erkenntnis von Friedrich Nietzsche über „Die ewige Wiederkehr des Gleichen“ ermordet.

Weitere Vorstellungen des Stücks: 30. Mai, 19 Uhr: Kammerspiele Rendsburg; 15. Juni, 19.30 Uhr: Familienzentrum „A4“, Ahlmannstraße 4; 17. Juni, 11 Uhr: Kammerspiele Rendsburg (im Rahmen der Tage der Revolte).







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