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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 11:15 Uhr

9000 Bäume : Nachwuchs im Gerhardshain

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Knapp 9000 Buchen und andere Bäume schließen die durch Orkan „Christian“ entstandene Schneise.

von
erstellt am 29.Aug.2015 | 18:59 Uhr

„Im Wald haben wir es nicht so eilig“, sagt Wilhelm Oeltzen. Die jungen Buchen, die der Stadtförster vor einem Jahr setzen ließ, sollen zu stattlichen Bäumen heranwachsen. Aber darüber werden bis zu hundert Jahre ins Land gehen, und Wilhelm Oeltzen wird das Ergebnis nicht mehr erleben. Ebensowenig wie Bürgermeister Pierre Gilgenast, der gestern die Neuanpflanzungen am Gerhardshain begutachtete.

Am 28. Oktober 2013 hatte Orkan „Christian“ eine breite Schneise in den rund 140 Jahre alten Baumbestand geschlagen. „Das war auch emotional eine große Wunde“, erinnert sich Oeltzen. Denn es waren rund drei Hektar gesunder und geschlossener Baumbestand, den der Sturm gefällt hatte. Geräumt wurde dann nur mit leichtem Gerät, um der sogenannten Naturverjüngung nicht zu schaden. Darunter versteht man jene Pflanzen, die sich aus dem Samen der alten Bäume entwickelt haben.

Oeltzen spricht von einem „Wald, der sich bewährt hat“ – und meint damit die Baumarten. Daran hat man sich bei der Neupflanzung orientiert. 4000 Rotbuchen, 4000 Bergahorn, 500 Stiel- und 300 Roteichen sind neu gesetzt worden. Es waren rund drei Jahre alte Bäume. Der Vorteil: Sie sind jetzt bereits gut zu erkennen, das Gelände für die Forstwirte leichter zu pflegen. Und wenn das Rotwild mal an den Trieben knabbert, erwischt es meist die Seitenäste. Das ist nicht so tragisch, so lange der Leittrieb stehen bleibt, erklären die Fachleute. Und darum hat man das Gelände auch nicht eingezäunt, obwohl es auf dem Gelände viel Rehwild gibt.

Zwar sind Roteichen nicht unbedingt typisch für die Region, „aber wir wollen für den Klimawandel gewappnet sein“, erklärt Stadtförster Oeltzen. Der Baum könne sich in einer solchen Situation behaupten. Nicht wieder angepflanzt wurden Eschen. Sie gehören zwar zum natürlichen Vorkommen, wurden in den vergangenen Jahren jedoch durch einen aus Asien „eingewanderten“ Pilz geschädigt und dezimiert – in ganz Mitteleuropa. Aber aus dem Samen haben sich junge Bäume gebildet, diese wurden ganz bewusst stehen gelassen. „Wir wollen beobachten, wie sie sich entwickeln“, erklärt der Förster. „Wir hoffen auf resistente Pflanzen.“

Bisher sind die Fachleute zufrieden mit der Entwicklung des Nachwuchses. Stolz sind sie darauf, dass im Gerhardshain nachhaltig gewirtschaftet wird, worauf auch Schilder hinweisen. „Dieser Wald ist anders“, heißt es darauf. Das heißt: Es wird auf eine biologische Vielfalt geachtet, und es wird nicht alles aufgeräumt. In der Schneise zeugt ein gewaltiger Wurzel-Stumpen noch von der Kraft des Sturmes, überall abseits der Wege dürfen Stämme und Äste ganz natürlich vermodern und den Wald auf diese Weise natürlich regenerieren.

17  500 Euro sind in den Baum-Nachwuchs investiert worden, davon kamen 5400 Euro vom Unternehmen Fielmann. Gleichzeitig nahm die Stadt mehr als 30  000 Euro durch den Verkauf des Sturm-Holzes ein. 800 Bäume hatte „Christian“ gefällt, ersetzt wurden sie durch 9000 neue Pflanzen plus jene aus der Naturverjüngung. Nicht alle Bäume werden groß und stattlich werden. „Die Konkurrenz ist groß“, beschreibt Oeltzen den Wachstumsprozess. In hundert Jahren werden nur noch 600 bis 700 der Bäume auf dem städtischen Waldgebiet Gerhardshain stehen.

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