Tierheim Rendsburg : Nach Weihnachten: Plötzlich ist „Flocki“ nicht mehr süß

Sauber, aber beengt geht es im Kleintierhaus zu: Bei Tierpfleger Maik Schröder fühlt sich Kaninchen „Charlie“ wohl.
Sauber, aber beengt geht es im Kleintierhaus zu: Bei Tierpfleger Maik Schröder fühlt sich Kaninchen „Charlie“ wohl.

Im Tierheim werden nach Weihnachten mehr Vierbeiner als sonst abgegeben. Der Betreiber-Verein will neues Haus für Kaninchen & Co. bauen.

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27. Dezember 2017, 10:43 Uhr

Nicht nur im Einzelhandel, auch im Rendsburger Tierheim werden manche Weihnachtsgeschenke nach dem Fest zurückgegeben. Unter dem Tannenbaum war die Freude über das Kaninchen noch groß. „Dann ist es nach drei Tagen doch nicht mehr so süß“, vermutet Marc Nadolny, Vorsitzender des Tierschutzvereins Rendsburg und Umgebung. Prompt landet das Fellknäuel in dem Tierheim im Kronwerker Moor.

„Die Zahlen steigen nicht sprunghaft, aber erkennbar an“, berichtet er aus Erfahrung. Alle Jahre wieder denken Menschen beim Kauf eines Tieres nicht darüber nach, welche Verpflichtungen sie damit eingehen. Der Tierschutzverein legt deshalb vor dem Fest einen Vermittlungsstopp ein. „Die spontan Interessierten bekommen kurz vor Weihnachten keine Tiere.“

Zurzeit leben in der Anlage eine Kornnatter, jeweils vier Kaninchen und Ratten, sieben Mäuse, acht Hunde und etwa 30 Katzen. Die kleinen Tiere – die Kaninchen, Ratten und Mäuse – kann der Verein schon seit Jahren nicht artgerecht unterbringen. Das Kleintierhaus ist zu klein und weist durch seine Holzkonstruktion energetische Mängel auf. Es gibt keine fest installierte Heizung und keinen Wasseranschluss.

Einen Neubau kann der Verein aus eigener Tasche aber nicht bezahlen, und ein Zuschussantrag hängt seit zwei Jahren in der Warteschleife der Entwicklungsagentur für den Lebens- und Wirtschaftsraum Rendsburg. Das Bündnis aus 13 Kommunen erhob den Bau eines neuen Kleintierhauses und eine Sanierung der Hunde- und Katzen-Anlagen zum Leitprojekt 2017 (wir berichteten).

Sie sind in der Pflicht. Immerhin übertrugen sie und weitere Gemeinden dem Tierheim die kommunale Aufgabe der Fundtierversorgung. Jüngst standen in der Agentur aber Satzungsfragen im Vordergrund. Über die Leitprojekte stimmen die Gemeinden erst 2018 ab.

Solange will Nadolny nicht warten. „Uns laufen die Preise davon.“ Er stellte bei der Entwicklungsagentur einen Antrag auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn, der bewilligt wurde. „Im Januar treffen wir uns mit dem Architekten. Wir müssen sicherstellen, dass wir die ersten Schritte tun können.“ Nadolny rechnet damit, durch den vorzeitigen Beginn bis zu einem halben Jahr Zeit zu gewinnen. Der Verein will der Stadt einen Acker für einen neuen Parkplatz abkaufen. Diese Investition wird ohnehin nicht bezuschusst. Auf dem alten Parkplatz soll ein Kleintierhaus in massiver Bauweise errichtet werden.

Damit beginnt Nadolny aber erst, wenn er den Agenturzuschuss von 113 000 Euro sicher in der Tasche hat. Der Tierschutzbund würde etwa 50.000 Euro zahlen. Vor eineinhalb Jahren rechnete Nadolny mit einem Gesamtvolumen von 279 000 Euro. Der Verein müsste demnach einen Eigenanteil von 116.000 Euro aufbringen, doch die Baupreise sind gestiegen.

Das neue Kleintierhaus soll drei Räume und eine Grundfläche von neun mal 5,50 Meter umfassen. Neuzugänge kommen in einen Quarantäneraum. Die Kaninchen leben zurzeit in Einzelkäfigen. Geplant ist ein großes Gehege, in dem sie gemeinsam laufen können. Auch Aquarien und Terrarien sollen aufgestellt werden. Saniert werden sollen die Hundequarantäne, die Zwinger, ein Freilaufdach, die Heizung und die Entwässerung. Nadolny betont: „Es muss jetzt mal anfangen.“

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