zur Navigation springen

Hamwedel : Nach Einbruch: Langes Warten auf die Polizei

vom

Andreas Nagel aus Hamwedel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurde Opfer eines Einbruchs. Er wählte die 110 - und musste sich über zwei Stunden gedulden.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 12:06 Uhr

Rendsburg/Hamweddel | 670 Euro Bargeld und mehrere Münzen nahmen die Einbrecher mit, die am Dienstag in das Einfamilienhaus von Andreas Nagel (48) aus Hamweddel einbrachen. Der finanzielle Schaden ist nicht groß und zu verschmerzen. Vielmehr beschäftigt den Elektrotechniker die Frage, warum er über zwei Stunden auf die Polizei warten musste. "Da gibt es doch ein massives Problem bei der Führung der Polizei. Das nenne ich chronische Unterbesetzung. Und das bei den ganzen Einbrüchen in letzter Zeit", spielt Nagel auf die Einbruchserie in der Rendsburger Innenstadt an.
"Offene Türen habe ich nicht hinterlassen", dachte sich Andreas Nagel, als er am Dienstag um 16.35 Uhr sein Haus betrat. Im Hauswirtschaftsraum standen sämtliche Türen offen, Gegenstände lagen verstreut auf dem Boden. "Ich habe mir nur das Telefon genommen und bin gleich wieder raus, um die Polizei anzurufen", sagt Nagel.

"Mir wurde gesagt, ich solle Geduld haben"


Sein erster Anruf sei gegen 16.40 Uhr gewesen. "Ich wurde gefragt, ob die Einbrecher noch im Haus sind und ich habe gesagt, dass ich das nicht weiß", so Nagel. Er wurde daraufhin gebeten, das Haus nicht zu betreten. Es könne wegen des Lkw-Unfalls bei Jevenstedt ein bisschen dauern. Gegen 17.30 und 19 Uhr fragte Nagel erneut nach. "Mir wurde gesagt, ich solle Geduld haben und beim zweiten Anruf, ich solle ein bisschen Geduld haben", erklärt er. "Ich war dann etwas angenervt." Seine Frage, ob nicht ein Wagen aus Kiel kommen könne, wenn alle anderen im Einsatz seien, wurde verneint.
Eine Polizistin aus Hohenwestedt sei gegen 19.20 Uhr in Hamweddel eingetroffen und betrat zusammen mit Andreas Nagel das Haus. "Wir sind alle Räume abgelaufen", sagte Nagel. Dabei zeigte sich das Ausmaß der Verwüstung. "Jedes Zimmer haben sie durchwühlt, Schränke abgerückt, jede Schublade geöffnet und sogar unter die Matratzen haben sie gesehen." Nach der Begehung habe die Polizistin die Leitstelle angerufen und die Kripo zur Spurensicherung angefordert. "Sie hat sich entschuldigt, dass ich so lange warten musste und meinte sie seien chronisch unterbesetzt", so Nagel.

"Es handelt sich um einen Einzelfall",


Um 20.30 Uhr sicherten zwei Beamte Spuren im und am Haus. "Die Einbrecher haben das Fenster im Hauswirtschaftsraum aufgehebelt, haben alles durchsucht und sind durch ein Fenster wieder raus."
Mehr als der Einbruch beschäftigt Nagel die Frage, warum er so lange auf die Polizei warten musste. "Es gab einen Unfall mit Verletzten, dass das Vorrang hat, verstehe ich. Aber es kann kein Grund sein, so lange warten zu müssen. Sowas kann nicht angehen." Nicht nur bei ihm schwinde das Sicherheitsgefühl. "Ältere Nachbarn sagen rundherum, dass sie langsam Angst bekommen."
"Es handelt sich um einen Einzelfall", sagt Sönke Hinrichs, Pressesprecher der Polizei. Er räume ein, dass es sich um eine lange Wartezeit handele und äußerte Verständnis für die Fragen von Andreas Nagel. Zwei Dienststellen seien involviert gewesen. "Der Anruf ging 16.53 Uhr bei der Leitstelle in Kiel ein. Um 19.13 Uhr war eine Funkstreife aus Hohenwestedt vor Ort." Hohenwestedt gehöre zur Polizeidirektion Neumünster. Möglicherweise habe es einen Fehler in der internen Abstimmung gegeben. Dies solle eine dienstinterne Recherche klären. Der Unfall mit dem Gefahrguttransporter hätte erst dramatischer geklungen, als er war. Dadurch sei relativ viel Personal gebunden gewesen. Eine zu dünne Personaldecke sei nicht der Grund für die Wartezeit. "Unsere Reaktionszeiten sind kurz", so Hinrichs. In der Stadt betragen sie drei bis fünf Minuten, auf dem flachen Land normalerweise unwesentlich länger.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen