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Nach der Überraschung das Glücksgefühl

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Soviel Neues inklusive Premiere gibt es selten: Zum Auftakt der Konzertsaison in der ACO Thormannhalle war das Orchester der Lübecker Musikhochschule auf seiner ersten Konzertreise durch Schleswig-Holstein gekommen. Hier präsentierte es mit „Nähe und Ferne – Klanglandschaften“ ein Programm des 23. Brahms-Festivals. Mit zwei Besonderheiten: Der Komponist Prof. Dieter Mack führte in sein zeitgenössisches Werk ein. Der neue Präsident der Musikhochschule Lübeck, Professor Rico Gubler, spielte das Sopransaxofon.

Kurzfristig hatte man das Programm umgestellt. So erklangen von Johannes Brahms acht Variationen über den Choral St. Antoni von Josef Haydn. Eindrucksvolles Thema, einfühlsame Variationen. Schön gespielt, aber nicht so vor Sicherheit strotzend wie das nachfolgende, „reguläre“ Programm.

Darin die in Klänge gefassten Gedanken eines früheren Bali-Bewohners: Dort hat Dieter Mack einige Jahre gelebt und später seine Assoziationen zu indonesischen Winden und Luft komponiert. Aus der Ur-Idee von 1984 entwickelte er 1988 die erste Fassung von „Angin“, überarbeitete sie 2003. Mit der Uraufführungs-Erfahrung von 1989 dirigierte Lothar Zagrosek Bläser und drei Schlagzeuger: Sie hatten ungewöhnliche Aufgaben, unter anderem auf mehr oder minder gefüllten Weinflaschen zu blasen. Heraus kam ein Breitwand- und multidimensionales Klang- und Raumerlebnis. Eine einzige, etwa 20-minütige Überraschung. „Versuchen Sie nicht, diese Musik zu verstehen,“ hatte Dieter Mack angesichts seiner Tonsprache des 20. Jahrhunderts vorgewarnt. So fügte man sich in das Werk ein, entdeckte hier und da auch Vorstellungen einer Urwald-Filmmusik. Nach ruhigem, harmonischen Mittelteil gab es zum Schluss doch noch knallenden Donner mit beißenden Dissonanzen, bis „Angin“ mit leisem Gong in totaler Ruhe starb. Lange Pause, atemlose Stille, dann kräftiger Beifall: Großes Glücksgefühl bei Komponist, Dirigent, Orchester und Publikum.

Nach der Pause gab es eine Herausforderung für die Stimme von Caroline Stein (Sopran), dazu groß besetztes Orchester. Vier der sechs Lieder nach Gedichten von Clemens Brentano (op. 68): Bewegend, gekonnt gesungen und begleitet. Nachlesen lohnt sich.

Zum Abschluss war die 7. Sinfonie von Jean Sibelius zu hören: 20 Minuten Klanglandschaft, teils dicht und schwer, teils leichtfüßig: Eine großartige Leistung der jungen Musiker. Minutenlanger Beifall, auch vom Orchester für den Dirigenten. Solche Konzertangebote mit anspruchsvollem, teils auch herausforderndem Programm dürfen gerne wiederholt werden. Wie Rico Gubler bestätigte, sollen die Studenten Klangerfahrungen in verschiedenen Räumen sammeln. Die Thormannhalle in Büdelsdorf gehört dazu.

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