Nach der Pleite: Aus Reichel wird Liesegang

Die Geschäftsleitung der Liesegang GmbH: v.li. Christian und Peter Liesegang, Markus Reiprich.
Die Geschäftsleitung der Liesegang GmbH: v.li. Christian und Peter Liesegang, Markus Reiprich.

Schleswiger Buchhandlungskette übernimmt insolventes Traditionsgeschäft

shz.de von
19. Januar 2015, 11:53 Uhr

Die große Buchhandlung am Schiffbrückenplatz bleibt erhalten. Das insolvente Traditionsgeschäft Reichel wurde gestern an die Schleswiger Buchhandlungskette Liesegang verkauft. Alle Arbeitsplätze bleiben nach Angaben der Liesegang-Geschäftsführung erhalten. Auch für die Kunden der bisherigen Buchhandlung werde sich zunächst nichts ändern. Namen und Gesichter im Verkauf bleiben bestehen, bestätigt Christian Liesegang, Geschäftsführer der Liesegang GmbH. „Alle zehn Mitarbeiter im Verkauf werden übernommen. Der bisherige Inhaber Benjamin Vohs wird Filialleiter. Wir haben in der Schiffbrückengalerie einen langen Mietvertrag abgeschlossen.“

Für Ende Februar sei ein Umbau der 500 Quadratmeter großen Verkaufsfläche geplant, so Liesegang. Erst im Zuge dieser Veränderungen werde der Name „Reichel“ von der Außenfassade verschwinden und durch „Liesegang“ ersetzt werden. Man wolle einen behutsamen Übergang erreichen. „Alle Reichel-Kunden werden weiterhin gut bedient.“

Eine Verkleinerung des Ladens sei nicht geplant, kündigte der Geschäftsführer an. „500 Quadratmeter benötigen wir für unser Konzept“, sagte er und verwies auf die noch größeren Liesegang-Filialen in Schleswig (750 Quadratmeter) und Husum (800). Einen weiteren Ableger hat die Buchhandlungskette in Eckernförde.

Verändern wird sich in Rendsburg neben dem Namen auch das Sortiment. „Wir erweitern das Warenangebot um Schreib- und Papierwaren und um hochwertige Geschenke“, sagt Markus Reiprich, der bei Liesegang das operative Geschäft führt. Über weitere Neuerungen werde man erst entscheiden, wenn man den Standort Rendsburg besser kenne.

Was aus der Tourist-Info im hinteren Teil des Geschäfts wird, ist noch offen. „Darüber werden wir erst in den kommenden Wochen Gespräche führen“, ergänzt Geschäftsführer Liesegang. Das Credo seines Unternehmens beschreibt er „als wenig elitär. Wir bauen keinen Literaturtempel, sondern wollen den Menschen das Gefühl geben: hier findet Ihr immer etwas, egal ob das ein spannender Krimi oder ein passendes Geschenk ist.“ Zusätzlich profitierten die Kunden von der Erfahrung, Kompetenz und Logistik einer regional stark aufgestellten Buchhandlung. Liesegang: „Wir freuen uns, einen kleinen Teil zum Erhalt des Kulturguts Buch in Rendsburgs Innenstadt beitragen zu können.“

Die Buchhandlung Reichel war vor mehr als 100 Jahren gegründet worden und erst 2006 aus einem Fachwerkhaus in der Hohen Straße in die damals neue Schiffbrückengalerie umgezogen. Im Oktober 2014 meldete ihr Inhaber Insolvenz an. Seitdem führte der Insolvenzverwalter Hendrik Gittermann den Betrieb fort. Der Rechtsanwalt aus Hamburg ist mit dem Wechsel ebenfalls zufrieden: „Der Erwerb durch Liesegang ist eine ideale Lösung zum Erhalt des Traditionsbetriebs in Rendsburg bei gleichzeitig bestmöglicher Wahrnehmung von Gläubigerinteressen“, sagte er. „Liesegang ist ein wirtschaftlich kerngesundes Unternehmen und besitzt seinerseits eine jahrhundertealte Tradition sowie starke regionale Wurzeln.“ Insofern passten die Unternehmenskulturen beider Buchhändler gut zusammen.

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