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Nach der Bluttat: Finanzamt bis Montag geschlossen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Entsetzte Mitarbeiter werden psychologisch betreut / Kreisverwaltung setzt Flaggen auf Halbmast

Der Schock über die Bluttat im Finanzamt ist weiterhin groß. Auch gestern – am Tag nach den tödlichen Schüssen – gab es in der Region kaum ein anderes Gesprächsthema. Gegen den mutmaßlichen Täter Olaf Lauenroth, dem der Mord an einem 57-jährigen Beamten zur Last gelegt wird, erließ ein Richter in Kiel Haftbefehl.

In dem Gebäude, in dem das Verbrechen geschah, ruht unterdessen die Arbeit. Eugen Witte, Sprecher im Finanzministerium: „Das Rendsburger Finanzamt bleibt bis einschließlich kommenden Montag geschlossen.“ Die meisten Mitarbeiter hätten gestern das Angebot angenommen, ins Amt zu kommen, um psychologisch beraten zu werden. „Da es mehr Mitarbeiter als Psychologen gibt, sind zuerst die unmittelbar betroffenen Kollegen betreut worden, danach die Auszubildenden.“ Im Verlauf der kommenden Tage sollen dann Gespräche mit den übrigen Kollegen stattfinden. Wer wichtige Steueranliegen habe, könne sich telefonisch melden (Tel. 04331/598-0). „Hier kann es zu Einschränkungen bei der Erreichbarkeit kommen, wir bitten um Verständnis“, sagt Witte. „Aber Post kann abgegeben werden.“

Aus Trauer um den getöteten Beamten ließ die Kreisverwaltung die Flaggen vor ihrem Sitz an der Kaiserstraße auf Halbmast setzen. Um die Mittagszeit lud Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer seine Mitarbeiter dazu ein, im Foyer an einer Gedenkminute teilzunehmen. Vor mehr als 200 Beschäftigten brachte Schwemer seine Bestürzung „über das tragische Verbrechen“ zum Ausdruck. Fassungslos und geschockt stehe man dieser Tat gegenüber. „Und es zeigt, wie angreifbar und verletzlich wir auf unseren Arbeitsplätzen sind.“

SPD-Ratsherr Lothar Möhding fand nur ein Wort: „Unfassbar.“ Seine Lebensgefährtin Rita Ihrig fügte hinzu: „Mir fehlen die Worte – das kommt nicht oft vor.“ Die Mitglieder des FDP-Kreisverbandes reagierten auf die Tat mit einer Pressemitteilung: „Wir trauern mit den Angehörigen und Kollegen des Opfers und drücken ihnen unser aufrichtiges Mitgefühl aus.“ Lauenroth war nach seinem Austritt aus der CDU in die FDP eingetreten.

Groß das Entsetzen auch bei Klaus Woldt, Vorsitzender der Niederdeutschen Bühne Rendsburg (nbr). Bis 2010 stand Lauenroth für das Ensemble regelmäßig auf der Bühne. Das letzte Stück, bei dem er mitwirkte, hieß „Keen Tied vör de Leev“. Zuletzt half Lauenroth nur noch beim Kartenverkauf – Tickets für die Vorstellungen im Stadttheater konnten im Büro des Steuerberaters abgeholt werden.

Auch im sozialen Netzwerk Facebook äußerten die Nutzer ihre Betroffenheit gegenüber der Bluttat und drückten der Familie ihr Mitgefühl aus: „Ich fühle großes Entsetzen angesichts dieser Tat“ oder „Mein Beileid der Familie des Getöteten und viel Kraft allen anderen, dieses zu verarbeiten“, heißt es auf der Seite der Landeszeitung. Doch der traurige Vorfall hat auch eine erneute Diskussion um die Waffengesetze angestoßen: „Wenn er die Waffe zu Hause hatte, weil er Jäger war, dann sollten jetzt endlich mal die Waffen weggeschlossen werden“ – so die Meinung einer Nutzerin auf der Seite des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags.

Aber auch der Beamtenberuf geriet auf Facebook in die Diskussion: „Ich weiß auch, wie sehr man sich über Beamte in solchen Positionen aufregen kann, aber die haben es nicht immer leicht“, verteidigt zum Beispiel ein Nutzer die Anfeindungen gegenüber dem Beruf.

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erstellt am 02.Sep.2014 | 16:20 Uhr

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