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Reitverein Brekendorf : Nach Demo: Staatsanwälte prüfen ihr Vorgehen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ende Januar hatte die Staatsanwaltschaft Kiel insgesamt 60 Pferde vom Hof des Brekendorfer Reit- und Fahrvereins beschlagnahmt. Nun kommt Kritik an der Arbeit der Ermittler auf.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2014 | 11:59 Uhr

Der Fall der beschlagnahmten Pferde von Brekendorf zieht weitere Kreise: Nach einer Demonstration von Tierhaltern in Kiel prüft die Staatsanwaltschaft nun ihre eigenen Ermittlungen. Unterdessen ist ein weiteres Pferd herausgegeben worden. Da fast alle Tiere jedoch weiterhin beschlagnahmt sind, kämpft der Reit- und Fahrverein Brekendorf nach eigenen Angaben ums Überleben. Zudem trat der stellvertretende Vorsitzende Johannes Kahlke nun doch zurück.

Mit dem jüngst zurückgegebenen Pferd befinden sich nun fünf Tiere wieder bei ihren Besitzern, 55 jedoch noch an einem geheimen Ort. Ende Januar hatte die Staatsanwaltschaft Kiel insgesamt 60 Pferde vom Hof des Vereins beschlagnahmt. Der Vorwurf lautet Tierquälerei. Der Verein bestreitet das vehement. Damals teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass Bürgeranzeigen zu den Beschlagnahmungen geführt haben. Jetzt sprach Oberstaatsanwältin Birgit Heß auf Nachfrage der Landeszeitung jedoch davon, dass die Anzeige vom Veterinäramt gekommen sei. Nach Ansicht des Vereins passt das in die Ungereimtheiten, die sich in dem Fall ergeben: Der Vorsitzende Arno Krause hatte in den anwaltlich angeforderten Unterlagen eine Aktennotiz gefunden. Diese weise darauf hin, dass der Besitzer des Hofs, auf dem die beschlagnahmten Pferde untergekommen sein sollen, einer der Hinweisgeber auf angebliche schlechte Tierhaltung beim Brekendorfer Reitverein sei.

Dass die Staatsanwaltschaft nun ihr Vorgehen überprüft, geht auf eine Demonstration von mehreren Dutzend Tierhaltern aus dem gesamten Land vor einer Außenstelle der Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche zurück. Sie warfen der Behörde vor, bei Verdacht auf nicht artgemäße Tierhaltung unverhältnismäßig hart zu reagieren. Das sehen die Brekendorfer Reiter auch so. Unabhängige Untersuchungen an den zurückgegebenen Pferden haben Arno Krause zufolge keine Mängel ergeben. Die Beschlagnahmung sei übertrieben und „ein Akt der Willkür“ gewesen.

Die Demonstranten hatten im Gespräch mit Vertretern des Justizministeriums jedoch erreicht, dass die innerbehördliche Dienstaufsicht der Staatsanwaltschaft die Tierschutz-Verfahren nun prüft. Im Fokus steht dabei, ob einzelne Entscheidungen richtig waren. Den Fall Brekendorf betreffe das auch, bestätigte Oberstaatsanwältin Birgit Heß der Landeszeitung. Weitere Angaben könne sie aber nicht machen. „Die Ermittlungen dauern an.“

Nachdem der Reitverein zunächst ein Rücktrittsangebot seines stellvertretenden Vorsitzenden Johannes Kahlke abgelehnt hatte, legte der nun doch sein Amt nieder. Gegen ihn richten sich die Vorwürfe der Tierquälerei, zudem sollen ihm viele der beschlagnahmten Pferde gehören. Er sei bislang aber noch nicht befragt worden, obwohl die Beschlagnahmung inzwischen schon fast zwölf Wochen zurückliege, sagte er. Auch ein angebliches Tierhalteverbot sei von der Kreisveterinärin bislang nur mündlich ausgesprochen worden. Mit seinem Rückzug wolle er den Verein schützen, teilte Saskia Böcking aus dem Vorstand mit. Die Vorwürfe bestreite er jedoch weiterhin. Unterdessen verschärfe sich die Situation des Vereins immer weiter. Weil auch die Schulpferde des Vereins seit Monaten beschlagnahmt sind, können keine Reitstunden stattfinden. Zudem fehlten die Einnahmen durch die Einsteller-Pferde. „Das kann den Verein in den Ruin treiben, denn die Pacht für den Hof müssen wir weiterhin bezahlen“, so Saskia Böcking.

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