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Einsatz in Hamburg : Nach dem Frühdienst an die Front

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rund 40 Polizeibeamte aus dem Raum Rendsburg waren beim G20-Gipfel im Einsatz. Einige wurden am Freitag kurzfristig abkommandiert.

shz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 11:05 Uhr

Der G  20-Gipfel ist vorbei, die Aufarbeitung der Gewaltexzesse noch längst nicht. 115 Beamte aus der Polizeidirektion Neumünster, zu der auch Rendsburg und Eckernförde zählen, waren in Hamburg im Einsatz. Sie und ihre Familien kommen erst in diesen Tagen dazu, in Ruhe über die schweren Krawalle am Rande des Treffens der ranghöchsten Politiker zu sprechen. Erfreulichstes Fazit aus regionaler Sicht: Von den Beamten aus dem Bereich Neumünster, Rendsburg (etwa 40) und Eckernförde wurde niemand verletzt. „Das ist meine größte Freude, dass wir alle unversehrt zurückgekehrt sind“, sagte Jörg Henningsen aus dem Führungsstab der Polizeidirektion.

Der 52-jährige Polizeihauptkommissar leitete eine Einsatzhundertschaft. Sie machte sich erst am Freitagnachmittag nach Hamburg auf. Zu diesem Zeitpunkt flogen an der Elbe schon die Steine, Flaschen, Bretter und Brandsätze. 223 Kräfte aus dem ganzen Land waren als Verstärkung abgestellt worden, davon 44 aus der Direktion, die ihren Sitz in Neumünster hat, jedoch für das gesamte mittlere Schleswig-Holstein zuständig ist. Weitere 71 Beamte aus Neumünster und der Region Rendsburg zählten zu einem Vorauskommando, das bereits acht Tage vor dem Beginn des G20-Treffens seine Arbeit aufnahm.

Einige Beamte eskortierten die Staatsgäste auf Motorrädern sowie in Führungs- und Schlussfahrzeugen. Andere hielten die Kreuzungen frei, damit Putin, Trump und Merkel ungehindert von A nach B gelangen konnten. Beamte der Rendsburger Kriminalpolizei leisteten Dienst in der zentralen Gefangenensammelstelle. Auch drei Diensthundeführer aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde traten mit ihren Vierbeinern am Rande des Gipfels in Aktion. Zwei Hunde waren auf Rauschgift spezialisiert, einer auf Sprengstoff.

Die heikelste Mission aber mussten Jörg Henningsen und seine nachträglich entsandte Mannschaft erfüllen. Viele der Polizisten hatten die Eskalation der Lage an den Landungsbrücken am Donnerstagabend noch am heimischen Fernseher verfolgt. Keine 24 Stunden später mussten sie selbst an die Front. „Die meisten Kollegen hatten zum Zeitpunkt der Anforderung schon einen Frühdienst versehen“, berichtete Henningsen. Der Ruf nach Hamburg erreichte ihn am Freitag gegen 10 Uhr. Fünf Stunden später ging’s los. Am frühen Nachmittag Treffen auf einem Rastplatz an der A1. Dann, ab 16.30 Uhr, hinein in die Zone der rohen Gewalt. Landungsbrücken, Millerntor, Reeperbahn, Schanzenviertel, das waren die Stationen bis 6 Uhr am darauffolgenden Morgen. Flaschen, Steine, Böller flogen den Polizisten entgegen, so Henningsen, aber keine Molotow-Cocktails. Auch zu körperlichen Auseinandersetzungen mit Demonstranten kam es in seiner Einsatzhundertschaft nicht. Nur einmal wurde es kritisch. Eine Beamtin war mit Kreislaufschwäche ausgefallen und sollte in die Klinik gebracht werden. Plötzlich griffen Unbekannte den Rettungswagen an. Eine Scheibe ging kaputt, die Polizistin und weitere Insassen bekamen „einen erheblichen Schrecken“, erzählte Henningsen. War die Polizei für G  20 ausreichend gewappnet? Ja, meint der leitende Polizeibeamte – und macht dann doch eine Einschränkung. Seine Hamburger Kollegen hätten sich sehr professionell und in zahlreichen Übungen auf den Gipfel und die verschiedenen Einsatzlagen vorbereitet. „Die Lebenswirklichkeit sieht aber so aus, dass man sich nicht auf jede Eventualität vorbereiten kann.“ Störungen und Sachbeschädigungen seien ganz bewusst an vielen Orten verursacht wurden, um Polizeikräfte zu binden. Das habe den Einsatz beim G  20-Gipfel besonders schwierig gemacht. Die Einschätzung, ob das Politikertreffen in Hamburg überhaupt hätte stattfinden dürfen, überlässt Henningsen – zumindest öffentlich – anderen. Das Leben geht weiter. „Einige Beamte“, berichtete der Einsatzleiter aus Neumünster, „haben schon am Sonnabend wieder gearbeitet, weil sie um die personelle Not auf ihrer Heimatdienststelle wissen“.

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