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Nortorf : Nach 70 Jahren: Erde aus der Heimat für Vaters Grab

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Nortorfer Ex-Bürgermeister Hans-Helmut Köppe besuchte die Ruhestätte seines gefallenen Vaters in Russland.

von
erstellt am 16.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Block 7, Reihe 38, Grab 2336 – diese Kombination ist für Hans-Helmut Köppe mehr als eine reine Zahlenfolge. Es ist die genaue Beschreibung, wo sein Vater, gefallen im zweiten Weltkrieg, begraben worden ist. Jahrelang hat Köppe danach gesucht, nun hat er es gefunden. Und nicht nur das – vor gut einer Woche machte sich der Nortorfer auf den Weg ins über 2000 Kilometer entfernte Korpowo, Russland.

Vor gut 20 Jahren baten Hans-Helmut Köppes Söhne ihren Vater darum, die Familiengeschichte aufzuschreiben. Im Rahmen der Recherchen, die bis ins Jahr 1803 reichen, stieß Köppe natürlich auch auf seinen Vater. Helmut Karl Wilhelm Köppe wurde 1913 in Grassee in Pommern geboren und fiel mit 30 Jahren im Krieg südlich von St. Petersburg in Russland. Viel mehr wusste Köppe (geboren 1943) nicht von seinem Vater, den er niemals kennenlernen durfte. „Aber er hat noch erfahren, dass es mich gibt“, berichtet der ehemalige Bürgermeister Nortorfs.

2000 entschied er sich, einen Brief an den Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge zu schicken, in dem er bat, den genauen Begrabungsort zu erfahren. In dem Antwortschreiben wurde ihm mitgeteilt, dass sein Vater am 14. März 1943 in Ljachnowo (Todesursache „Volltreffer“) gefallen und auf dem Friedhof in Simnik begraben ist. Doch der Volksbund hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, in welchen Zustand das Grab beziehungsweise der Friedhof sei und ob dort überhaupt etwas erkennbar wäre. Sechs Jahre später kam ein weiteres Schreiben. Im Rahmen einer Umbettungsaktion der Gefallenen von Simnik nach Korpowo konnte dank der Erkennungsmarke zweifelsfrei Helmut Köppes Vater identifiziert werden. In Korpowo, etwa 60 Kilometer südöstlich von Staraja Russa, hat der Volksbund einen Sammelfriedhof für die deutschen Soldaten errichtet, die im Gebiet Demjansk („Kessel von Demjansk“, bekanntes Kriegsgebiet) gefallen sind. Auf der Anlage wurden rund 33 600 Gefallene eingebettet. Nach Stand der Einbettungen werden die Namen und Daten der bekannten Toten auf Granitstelen verewigt und – den betreffenden Einbettungsblöcken zugeordnet – aufgestellt. Bisher sind auf 89 Granitstelen 30 099 Namen verewigt worden.

Im August diesen Jahres erhält Helmut Köppe die Erkennungsmarke seines Vaters, die von 1943 bis zur Exhuminierung Ende 2006 in dessen Grab lag. Anfang September ist es dann endlich soweit – Köppe reist gemeinsam mit seiner Frau nach Russland und nimmt Abschied. „Ich habe fürchterlich geheult“, gesteht der 71-Jährige. Seine Frau habe ihn zunächst allein ans Grab gehen lassen, wenig später lagen sich beide weinend in den Armen. Hans-Helmut Köppe betete das Vater unser und anschließend habe er sich bei seinem Vater bedankt. „Dafür, dass er mir das Leben geschenkt hat.“ Auf das Grab streute Köppe Erde, die er bei einem Besuch 1987 in seiner alten Heimat in Grassee (Kreis Saatzig in Pommern) vom ehemaligen Familienbauernhof mitgebracht und all die Jahre aufbewahrt hatte. Vom Friedhof in Korpowo brachte Köppe ebenfalls Erde mit nach Deutschland. Diese will er nun auf das Grab seiner Mutter in Nortorf streuen. „Damit schließt sich der Kreis dann wieder“, erklärt ein ergriffener Sohn.

Für die Zukunft plant Hans-Helmut Köppe eine Granitplatte mit Namen auf das Grab seines Vaters zu legen. Der Besuch in Korpowo habe ihm viel bedeutet und emotional an seine Grenzen gebracht. „Ich dachte, ich wäre ein harter Hund, aber das bin ich nicht“, gesteht der 71-Jährige, der erschütter ist über die aktuellen Weltgeschehnisse. „Wir sollten aus Erfahrung lernen und endlich mal Frieden einkehren lassen. Die Dinge werden nicht im Krieg gelöst. Krieg hat keinen Sinn und Zweck.“


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