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Mutmaßlicher Sexualtäter will Deal mit Staatsanwalt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Prozess wegen Kindesmissbrauchs: Angeklagter bietet Geständnis gegen maximal drei Jahre Haft an

Missbrauch an drei Kindern in neun Fällen, so lautet der Vorwurf gegen einen 53-jährigen Hohenwestedter vor dem Kieler Landgericht. Der Mann war im Mai dieses Jahres festgenommen worden, nachdem die drei Opfer von der Polizei befragt wurden (wir berichteten). Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Bei den Kindern handelt es sich um Geschwister. Ein Junge (12) sowie zwei Mädchen (7 und 10) treten als Nebenkläger auf, erschienen aber nicht vor Gericht. Der Angeklagte schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Am zweiten Verhandlungstag bot er über seinen Anwalt jedoch überraschend ein Geständnis an.

Der Polizei gegenüber habe er die Taten noch bestritten, berichtete eine Beamtin der Kriminalpolizei Rendsburg, die als Zeugin auftrat. „Ich kann so etwas nicht“, habe der 53-Jährige bei seiner damaligen Vernehmung gesagt. Er habe auf sie einen verwahrlosten Eindruck gemacht. Das deckt sich mit der Aussage der Kinder. Besonders seine langen Fingernägel haben einem der Mädchen große Schmerzen bereitet, als er es zwischen den Beinen angefasst haben soll. Die Taten sollen sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten in der Wohnung des Mannes abgespielt haben. Mit Drohungen soll er die Kinder zum Schweigen gebracht haben. Vor der Polizei räumte der Angeklagte lediglich ein, die Kinder geküsst zu haben. „Das ist doch nicht verboten“, habe er der Kripo-Beamtin zufolge während der Vernehmung gesagt. Auf seinem Mobiltelefon wurden Fotos gefunden, die ihn und die Kinder zeigen.

Der Verteidiger des 53-Jährigen, Peer-Olaf Buck, bot gestern in einer Erklärung an, dass sein Mandant ein Geständnis ablegt. Das Angebot mache er vor allem vor dem Hintergrund, dass den Opfern auf diese Weise eine Aussage vor Gericht erspart bleiben könne. In dem Fall erwarte er eine Strafobergrenze von drei Jahren. Zudem wies der Rechtsanwalt darauf hin, dass sein Mandant nicht einschlägig vorbestraft sei. Die Staatsanwaltschaft hielt eine Obergrenze von drei Jahren für „deutlich zu niedrig“ – vier Jahre seien angemessen. Im Falle eines „vollumfänglichen Geständnisses“ sagte die 36. große Hilfsstrafkammer dem Angeklagten ein Strafmaß von drei bis vier Jahren zu. Verteidigung und Staatsanwaltschaft willigten ein. Diese Bindung des Gerichts entfalle jedoch, wenn sich im Verfahren neue Gesichtspunkte ergeben oder das Geständnis nicht wie erwartet erfolge, teilte Richter Henning Mattern dem Angeklagten nach einer Unterredung hinter verschlossenen Türen mit. Das Geständnis will der 53-Jährige bei der Fortsetzung des Prozesses in rund zwei Wochen ablegen. Das Urteil wird im Januar erwartet.

Der Angeklagte gilt als Alkoholiker und hat wegen mangelnder geistiger Fähigkeiten einen Betreuer. Der mutmaßliche Täter stand schon einmal vor Gericht – wegen Sexualstraftaten Ende der 1990er-Jahre. Damals wurde das Verfahren wegen Schuldunfähigkeit eingestellt. 2009 wurde er erneut angeklagt, weil er im Jahr 1989 seine Freundin nahe Fockbek beim Sex erdrosselt und im Moor versenkt haben soll. Die Leiche wurde nie gefunden. Bereits damals galt er als schizophren, arbeitete wie auch seine Freundin in einer Behindertenwerkstatt. Der Angeklagte hatte die Tat der Polizei zwar gestanden, im Prozess aber widerrufen. Zum Freispruch kam es, weil ein Gutachter nachwies, dass das Geständnis nur unter psychischem Druck durch die Beamten zustande gekommen war.

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erstellt am 07.Dez.2016 | 11:51 Uhr

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