Musik in Wald und Wasserlager

Tastatur, Telefonhörer und Topf: Küchenleiter Peter Möller  ist an allen Fronten aktiv.
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Tastatur, Telefonhörer und Topf: Küchenleiter Peter Möller ist an allen Fronten aktiv.

Im Nordkolleg arbeiten ab heute alle Angestellten für die shmf-Orchesterakademie / Alle Zutaten für erfolgreiche Proben sind vorhanden

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04. Juli 2012, 06:29 Uhr

Rendsburg | Nun sind sie da: 125 Mitglieder der Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals haben die Herrschaft über das Nordkolleg übernommen. Für Guido Froese und sein Team heißt das für die nächsten zwei Monate: 24-Stunden-Dienst. Damit es nicht ganz so viel wird, wies der Nordkolleg-Leiter im Pavillon des Nordkollegs gestern mit viel Humor - und auf Englisch - auf die Gepflogenheiten des Zusammenlebens hin.

"In den nächsten Wochen arbeiten Köche, Hauswirtschaft, Hausmeister, Gärtner, Empfang und Verwaltung ausschließlich für Sie", stellte er seine Mannschaft den jungen Gästen vor. Dabei verwies er auch auf die Nachbarschaft des Nordkollegs. "Dies sind keine Musiker, unsere Nachbarn pflegen einen anderen Lebensstil, sie möchten nachts in Ruhe schlafen. Also kein Üben bei offenem Fenster, keine freudig-lauten Begrüßungen auf dem Gelände", bittet er und spielt damit auf das nächtliche Leben auf dem Campus, auf fröhliche und lautstarke Wiedersehensfreude an. "Lieber nicht!"

Er habe jedoch am Abend zuvor im Wald einen Trompeter beim Üben gehört. "Das ist in Ordnung und sicher. Wölfe oder Grizzly-Bären gibt es hier zurzeit nicht!" Zustimmendes Gelächter, ebenso für die Zuständigkeit beim Wetter: "Für Sonnenschein bin ich es und für Regen ist es Christoph", stellt er fest mit Blick zum dem Chor- und Orchesterleiter Christoph Böhmke.

Dann folgt der Hinweis auf die Nordkolleg-Postkarten. Für die Mitglieder der Orchesterakademie sind sie kostenlos, nur Briefmarken müssen sie kaufen. "Ein altes Kommunikationsmittel, für etwa 300 Buchstaben - mehr als in einer SMS. Sie schreiben die Adresse hierher (er zeigt auf das Adressfeld). Aber bitte nicht die E-Mail-Adresse. Und kleben eine Briefmarke darauf, dann ab in den Postkasten!", lautet die detaillierte Anweisung, die wohl sinnvoll ist. Denn: "Was ist eine Briefmarke", kommt als durchaus ernst gemeinte Zwischenfrage von einem Orchester-Mitglied. Auch klassische Musiker sind Teil der Generation Internet.

Vor dem großen Empfangs-Barbecue gestern abend standen noch viele Stunden Einzelproben auf dem Programm, jede Instrumenten- und Stimmengruppe für sich. Schon kurz nach zehn Uhr morgens bestimmten Geigen, Flöten, Cello und Fagott anstatt der Vogelstimmen die akustische Landschaft des Nordkollegs. Nach drei Tagen Vor- und Detailproben werden die Instrumentengruppen dann erstmals auf der großen Bühne in der ACO-Thormannhalle zusammen erklingen.

Der Rundgang durchs Haus wurde begleitet von frischen Übungstönen. Christina Marroni aus Schottland hatte sich ins Wasserlager zum Einspielen zurückgezogen. Hier stapeln sich die Kisten mit dem Mineralwasser aus heimischer Quelle. Es gab für sie also reichlich Flüssigkeit - nicht nur zum Trinken, sondern auch um ihre Fagottrohre (Mundstücke) aus Schilf anzufeuchten.

An seinem zweiten Arbeitsplatz trafen wir den Koch und Küchenleiter Peter Möller: Tastatur, Telefonhörer und Topf nutzt er in diesen Tagen gleichermaßen; Nachschub muss bestellt werden. Obwohl schon reichlich Nahrungsmittel vorhanden sind. Auch im Kühlhaus, in das schon früh am Vormittag von der Köchin Franziska Speth Wurst und Käse für das abendliche Bufett sowie frische Milch eingelagert wurden.

Alles ist bestens vorbereitet, die Probenpläne stehen. Damit kann die shmf-Orchesterakademie, die aus den weltweit besten jungen Nachwuchskünstlern zusammengestellt wurde, zu einem außerordentlichen Klangkörper zusammenwachsen. Die Zutaten stimmen jedenfalls. Wie gut sich das Menu mit den Zutaten shmf-Orchesterakademie und Nordkolleg und ACO-Thormannhalle anhört, kann man in den öffentlichen Proben ab dem 10. Juli selber hören.

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