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Konzertreihe : Musik im Kopf und in den Fingern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Martin Weiss World Sinti Jazz Ensemble begeisterte mit Virtuosität und aufmerksamem Zusammenspiel

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Wenn Geld und Enthusiasmus sich ergänzen, entsteht etwas Herausragendes – wie im dritten Konzert der Saison in der seit 24 Jahren bestehenden Reihe „Jazz im September“: Die Kulturstiftung Kreis Rendsburg-Eckernförde hatte sich mit mehreren Einrichtungen verbündet und nach der Bohém Ragtime Jazz Band mit dem Martin Weiss World Sinti Jazz Ensemble eine Weltklasse-Formation für den Auftritt im Bürgerzentrum verpflichtet.

Die Vier waren ab der ersten Sekunde „voll drin“ und zeigten, wie Jazz aus Europa in der vom großen Vorbild Django Reinhardt entwickelten Sprache klingt und wirkt: Dieser Rhythmus ließ niemanden ruhig sitzen. Das war jedoch nur sichtbarer Teil der Begeisterung. Die Bewunderung für die Musiker blieb unsichtbar - wenn auch unüberhörbar mit tosendem Beifall und immer wieder anerkennendem Klatschen des Kennerpublikums beim Solistenwechsel.

Martin Weiss (Violine), Brady und Hono Winterstein (Gitarre) mit Avier Nickce (Kontrabass) zuzuhören, machte sichtlich Spaß. Den hatten die Musiker beim Spielen auch, schien es doch so, als würden sie sich über ihre Instrumente unterhalten, Geschichten erzählen und immer wieder über das Gehörte erstaunt sein. Einfallsreich und gekonnt verzierten sie ihre Soli mit vielen Extras. Es wurde – wie von Hans-Hinrich Blunck, weit mehr als nur Organisator der vier Konzerte, gewünscht – ein wunderschöner und außergewöhnlicher Jazz-Abend.“

Auf der Bühne erlebte man vier Könner mit technischer Minimal-Ausstattung: Ein Mikrofon, Kofferverstärker, vier Instrumente, Stühle. Was sie und ihre Musik ausmachte, hatten sie im Kopf und in den Fingern: Alles wurde auswendig gespielt, erhielt dadurch unerreichbare Authentizität, Frische und Lebendigkeit. Programmzettel, geplanter Ablauf? Gab es nicht. Stattdessen „Abstimmung“ über den nächsten Titel. Alles ohne lange Diskussion; man hörte leise kleine Themenfetzen, Mini-Akkorde, Harmonien. „Wir stimmen das ab, was wir spielen - und jetzt habe ich gewonnen“ freute sich Martin Weiss.

Immer erlebte man Virtuosität vom Feinsten und aufmerksames Zusammenspiel. Bewundernswert, wie der 19-jährige Ausnahme-Gitarrist Brady Winterstein die schnellen Soli so passend und präzise spielen konnte. Sogar beim Zuhören und Zusehen war es nicht leicht, seinem Tempo zu folgen. Brady zeigte niemals leere Virtuosität, sondern machte immer „Musik“: Virtuosität als natürlicher Ausdruck eines mit Gitarre und Fingern sprechenden Künstlers, ebenso wie Martin Weiss und Avier Nickce.

Alles war eingebettet in ein perfekt zusammenspielendes Ensemble. Hier sah man vier, hörte aber scheinbar nur einen Spieler mit acht Armen und 40 Fingern, der gleichzeitig auf vier Instrumenten spielte. Intensiver Blickkontakt hin und her, jeder schien auf einer Entdeckungsreise durch die Stücke zu sein und war gespannt, was er denn als Nächstes zu hören bekäme. In den Soli nahtlose Übergänge von Violine zu Gitarre oder Kontrabass.

„Bei mir bist du schön” war eigentlich als Zugabe gedacht. Die reichte aber nicht aus. Erst nach Nummer zwei war das Publikum bereit, den Saal zu verlassen. Hier hatte Martin Weiss zum Schluss noch ein kleines „Jingle Bells“ als Vorbote des kommenden Weihnachtsfestes eingebaut. Auch eine Erinnerung daran, eine CD des Ensembles, „lieber zwei“ zu kaufen. Die hörbare Erinnerung an einen besonderen Jazz-Abend.

 



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