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Landeszeitung

24. Oktober 2017 | 08:26 Uhr

Musik-Dialog zwischen Katze und Bär

vom

Die Triosonate stand im Mittelpunkt beim 7. Sommerkonzert in der St. Marien Kirche: Klangfülle durch den Raum und die Spielintensität

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Rendsburg | Der Beifall war anhaltend: Am Mittwoch Abend hatten drei Musiker mit ihrem musikalischen Können auf der einen Seite, aber vor allem mit ihrer unglaublichen Spielintensität und ihrer Freude an der gegenseitigen musikalischen Kommunikation den Zuhörern des Sommerkonzertes in der Marienkirche ein Geschenk gemacht.

Solisten waren Hans-Henning Vater, Gründer und Leiter des Göttinger Barockorchesters an der Barockvioline, Thomas Rink (Barockfagott und Blockflöte) und Volker Linhardt (Orgel). Diese eher ungewöhnliche Besetzung hat sicher zu einer gewissen Neugier beim Publikum geführt- in der Kirche gab es kaum einen freien Platz.

Corelli stand am Anfang des Programms mit seiner "Sonata da camera â tre" op 2.5. Schon hier war man erstaunt über die Klangfülle, die die drei Instrumente erzeugten. Dies mag daran liegen, dass in der Triosonate - die ja die Kammermusikgattung des Barocks schlechthin ist - alle Instrumente gleichberechtigt zum Einsatz kommen, miteinander kommunizieren, als ginge es um ein Gespräch.

Bereits das nächste Stück, die Sonata G-dur von Johann Heinrich Schmelzer, wurde von Thomas Rink, der neben Musikwissenschaft auch noch Kunst und Literatur studiert hat, vorgestellt. Er bereitete das Publikum auf einen Dialog zwischen einer Katze (Violine) und einem Bären (Fagott) vor, bei dem der Organist dafür zu sorgen hatte, dass dieser nicht auseinander fiel. Die Violine glich allerdings nur anfangs der Katze: In dieser Komposition, bei der auch ungarisch-folkloristische Anteile zum Tragen kommen, geht es dann so in die Tiefe, dass man begreift, dass jegliche Verbindungsbemühungen nur dann greifen können, wenn die individuelle Stimme genug Raum hat. Hans-Henning Vater mit der Violine führte seine beiden Kollegen in diese Gegenden - bewundernswert dann die Harmonie und Abstimmung der drei Stimmen.

Mit dem neunminütigen Stück"Spiegel im Spiegel" des noch lebenden estnischen Komponisten Arvo Pärt (Jahrgang 1935) setzte das Programm einen bewussten Kontrapunkt. Jeder, der nun befürchtet hatte, man müsste aufgrund der Entstehungszeit mit weniger Harmonie rechnen, wurde angenehm überrascht. Das Stück ist ein kontemplatives Werk aus der Reihe der "Tintinnabuli". So bezeichnet der Komponist den Vorgang der Flucht in die freiwillige (musikalische) Armut, bei der die einzige Notwendigkeit der Dreiklang bleibt. Die Darbietung von Hans-Henning Vater und Volker Linhardt hoch oben von der Orgelempore traf in ihrer ehrlichen Intensität und Zuwendung mitten ins Herz .

Mit den folgenden Stücken von Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Georg Friedrich Händel (1685-1759) wurde die Triosonate noch einmal von allen Seiten vorgestellt. Händel, selber Schüler von Corelli in Rom, hat sich vor allem dessen Sinn für langsame Sätze, große Kantilenen angeeignet und zur Meisterschaft gebracht.

"Musik ist Liebe auf der Suche nach einem Wort" heißt es. Bei diesem Konzert waren keine Worte mehr nötig. Der großartige Raum, nämlich die Marienkirche, hatte einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet. Mögen diese "kleinen" Konzerte als Kleinode weiterhin auf so viel Resonanz stoßen.

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