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Appell an Lokalpolitik : Museumschef warnt vor Abstieg in „zweite Klasse“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Forderung an die Politik nach Geld für Neuaufstellung in Rendsburg.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 12:00 Uhr

Sein letzter öffentlicher Fingerzeig liegt keine zwei Monate zurück – jetzt richtet Dr. Martin Westphal erneut einen Appell an die Lokalpolitik. In einem Sachstandsbericht für den Kulturausschuss, der sich morgen (17 Uhr) in der Schule Altstadt zu seiner nächsten Sitzung trifft, fordert der Leiter der Museen im Kulturzentrum eine Neuausrichtung der Dauerausstellungen, die nach seiner vorsichtigen Kalkulation etwa eine halbe Million Euro kosten würde. Ansonsten drohten die Einrichtungen im Hohen Arsenal, zu „einer Einrichtung 2. Klasse“ zu werden. Auflagen für die dauerhafte Zertifizierung würden nicht mehr erfüllt, so Westphal. Auch Landesmittel würden nicht mehr fließen. Mitte Dezember hatte der Museumschef in der Sonderausstellung „‚Zeig’ dich, Soldat!‘ – Schätze unter Verschluss“ erstmals Stücke aus der Garnisonsgeschichte der Stadt zeigen lassen – bewusst ungeordnet und chaotisch aufgetürmt, um die Raumnot zu dokumentieren (wir berichteten). Westphals Wunsch, eine ehemalige Kfz-Halle auf dem Gelände der ehemaligen Eiderkaserne zu einem Garnisonsmuseum zu machen, erteilte die Politik aus Kostengründen eine Absage.

Die derzeitigen, seit 25 Jahren unveränderten Dauerausstellungen bezeichnet der Chef der Einrichtung in dem Papier an das Gremium als „in die Jahre gekommen“ und „auf kurz oder lang nicht mehr zeitgemäß“. Im Gespräch mit der LZ sagt er: „Es gibt Besucher, die zum ersten Mal als Schulkinder hier waren und jetzt sagen: ‚Das kenne ich ja alles noch‘.“ Eine grundsätzliche Modernisierung der Präsentation sei notwendig, um sie auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen.

Die Besucherzahlen werden in dem Zustandsbericht nicht erwähnt. Auf LZ-Anfrage erklärte Westphal, dass im vergangenen Jahr rund 6000 Besucher in den Museen gezählt wurden. „Das war schon ungewöhnlich hoch“, üblich seien 5000 per anno. Bei durchschnittlich knapp 300 Öffnungstagen ergibt sich ein Besucherschnitt von rund 16 pro Tag. Die Kosten für die Neuausrichtung schätzt der Museumsleiter auf 700 Euro pro Quadratmeter. Das ergibt bei einer betroffenen Fläche von 700 Quadratmetern 490  000 Euro. Die für 2016 geplanten Ausgaben für die Museen im Kulturzentrum inklusive Personalkosten liegen derzeit bei 347  000 Euro.

Im November 2014 habe man „unter erheblichem Aufwand“ eine Zertifizierung durch den Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg erlangt. Bedingung war allerdings besagte Neuausrichtung. Ansonsten droht ein Verlust des Status Ende 2019. „Der Prestigegewinn durch die Zertifizierung ist nicht zu unterschätzen“, so Westphal. „Sie erleichtert Verhandlungen mit Leih- und Geldgebern enorm. Ein Verlust wäre auch unseren Besuchern kaum zu vermitteln.“

Westphal ist bewusst, dass eine solche Summe „vor dem Hintergrund der derzeitigen Schuldenbremse schwer zu bekommen ist“. Er argumentiert, dass viele Museen in der Nachbarschaft in den letzten Jahren bereits neu aufgestellt wurden oder werden: so das Jüdische Museum Rendsburg vor zwei Jahren oder das Kunst-Guss-Museum Büdelsdorf in diesem Jahr. Aller Voraussicht nach wird sich der Finanzausschuss als nächstes mit den Forderungen Westphals auseinander setzen. Dieser tagt am 9. Februar.

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