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Landeszeitung

19. August 2017 | 17:13 Uhr

Museen im Zeitgeschehen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vor 25 Jahren fand die Veranstaltungsreihe „Novembertage“ unter diesem Namen zum ersten Mal im Jüdischen Museum statt. Unter der Schirmherrschaft der Kultusministerin Eva Rühmkorf stellten Gert Westphal und seine Frau Gisela Zoch unter anderem die inzwischen recht bekannte jüdische Autorin Mascha Kaleko vor. Der Komponist Berthold Goldschmidt kam aus seinem Londoner Exil, und das Auryn-Quartett spielte seine Werke. Die Stadt zeigte ihre enge Verbundenheit mit der Schenkung einer Bibliothek, Grundstock der heutigen Fachbibliothek im Hause. Hintergrund der „Novembertage“ war und ist der Pogrom vom 9. November 1938. Vor 25 Jahren wurde der 9. November wiederum zu einem Tag, der sich in das deutsche Geschichtsbuch einschrieb, dieses Mal im positiven Sinn. Dieser andere 9. November und die gleichzeitigen politischen Veränderung im gesamten Ostblock gingen auch am Jüdischen Museum nicht spurlos vorüber. Im November 1989 hatte Jirí Gruša, tschechischer Schriftsteller im Exil, ein Stipendium im Hause angetreten, als die „samtene“ Revolution in der CSSR seine Rückkehr– als bedeutende Stimme der bisherigen Opposition – erforderte. In der weiteren Folge wurden nun vom Land in das Gästeatelier des Museums Literaten und Künstler auch aus der ehemaligen DDR eingeladen wie der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich oder der Bildhauer Michael Mohns. Ein Jahr später klopfte der erste jüdische Zuwanderer aus der sich auflösenden Sowjetunion an die Tür. Museen befinden sich schon lange nicht mehr in einem Elfenbeinturm, sondern mitten im Zeitgeschehen.

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erstellt am 13.Nov.2014 | 12:02 Uhr

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