Muezzin-Ruf: Hoffnung auf Kompromiss

Letzte Verzierungen am Prunkstück: Mercan Mergen hofft, dass bis spätestens zum 9. Oktober alles fertig ist. Als eines der letzten Details sollen am Geländer im Außenbereich Kugeln aus Edelstahl angebracht werden.  Foto: Schönstedt
1 von 2
Letzte Verzierungen am Prunkstück: Mercan Mergen hofft, dass bis spätestens zum 9. Oktober alles fertig ist. Als eines der letzten Details sollen am Geländer im Außenbereich Kugeln aus Edelstahl angebracht werden. Foto: Schönstedt

Am 9. Oktober wird der Muezzin in Rendsburg erstmals öffentlich zum Gebet rufen. Eine einmalige Aktion zur Eröffnungsfeier. Doch es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, bis der Muezzin-Ruf regelmäßig erschallt.

shz.de von
01. Oktober 2009, 03:59 Uhr

Rendsburg | Im Vorfeld der Moschee-Eröffnung ist das Islamische Zentrum (IZ) Rendsburg bemüht, die hoch geschlagenen Wogen um den Muezzin-Ruf zu glätten. Dieser wird bei der offiziellen Einweihung am 9. Oktober zwar erstmals über Rendsburg und Büdelsdorf erschallen. Doch dabei handelt sich nach Auskunft des stellvertretenden IZ-Vorsitzenden Mercan Mergen nur um eine einmalige Aktion - vorerst: Denn wie die Landeszeitung erfuhr, hat das IZ inzwischen erneut einen Antrag bei der Stadt gestellt.

Mergen bestätigte dies gestern. Die Frist für den ersten Antrag war ausgelaufen, weil das Geld für das erforderliche etwa 2500 Euro teure Lärmschutzgutachten fehlte. Nun aber soll die Expertise in Auftrag gegeben werden. Das Gutachten wird festlegen, in welchem gesetzlichen Rahmen - das heißt, wann und wie laut - der Muezzin über Lautsprecher von einem der 26 Meter hohen Minarette zum Gebet rufen darf. Bis Mitte November hat das IZ dafür Zeit.

Mergen betonte, dass das Islamische Zentrum noch keinen Entschluss gefasst habe, ob man letztlich den vollen gesetzlichen Rahmen ausschöpfen werde. "Wir sind zu Gesprächen bereit", sagte er mit Blick auf die Gegner, die kurz vor der Eröffnung eine Unterschriften-Aktion gegen den Muezzin-Ruf gestartet haben (wir berichteten). Man sei kompromissbereit.

Diesen Eindruck hat auch Martin Hartig gewonnen. Der Büdelsdorfer Pastor hatte gemeinsam mit seinen Kollegen Reinhard Jordan und Rüdiger Einfeldt den IZ-Vorstand zu einem Gespräch eingeladen. An dem Treffen am Dienstagabend nahmen auch die Bürgermeister Andreas Breitner und Jürgen Hein sowie die Rendsburger Pastorinnen Heidi Kell und Dorothea Heiland sowie der Ökumenebeauftragte des Kirchenkreises, Henning Halver, teil. Hartig berichtete aus dem Gespräch, dass über das mit dem öffentlichen Muezzin-Ruf zusammenhängende Konfliktpotenzial und die Überfremdungsängste diskutiert wurde. Außerdem sei angesprochen worden, wie das von allen Seiten gewünschte Miteinander und gegenseitige Vertrauen bewahrt werden kann und wann es geboten sein könnte, das rechtliche Maß bei der Gestaltung des Muezzin-Rufs nicht voll auszuschöpfen. "Wir haben in gegenseitigem Respekt aufeinander gehört und voneinander gelernt. Es war ein konstruktives Gespräch in freundlicher Atmosphäre", sagte Hartig gestern im Gespräch mit der Landeszeitung.

Auch Mergen bewertete das Treffen sehr positiv. Wenn das Ergebnis des Lärmgutachtens vorliege, werde man sich erneut zusammensetzen - gern auch mit den Gegnern. Zunächst wolle man aber den "Tag der offenen Moschee" und die offizielle Eröffnung feiern. Der bundesweiten Aktion an diesem Sonnabend habe man sich erneut angeschlossen, um Vorurteile abzubauen. "Menschen haben häufig Angst vor etwas Fremdem, deshalb wollen wir uns vorstellen", sagte der Sprecher des Islamischen Zentrums. Von 10 bis 16 Uhr können die Besucher stündlich an Führungen durch die Moschee teilnehmen. Auch zur Eröffnung am Freitag, 9. Oktober (ab 13.30 Uhr), ist die Öffentlichkeit eingeladen. Dann wird auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen die größte Moschee Schleswig-Holsteins besuchen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen