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Wettermisere : Mühsame Maisernte auf aufgeweichten Feldern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen bereiten den Bauern größte Probleme: Der Mais muss geerntet werden, aber viele Felder sind nicht befahrbar.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 11:04 Uhr

„Etwa zwei Wochen lang muss das Wetter noch durchhalten. “ Das ist die Hoffnung von Saskia Thun. Die 25-Jährige hilft im landtechnischen Lohnunternehmen ihres Vaters Hans Thun aus. Derzeit sind alle Mitarbeiter des Oldenhüttener Betriebes voll und ganz in die Maisernte eingespannt. Und die gestaltet sich in diesem Jahr schwieriger als gewohnt. „Es könnte Probleme geben, alles von der Koppel zu bekommen“, so Thun. Das Problem: Die Böden sind von den anhaltenden und teilweise starken Regenfällen der vergangenen Wochen vollkommen durchweicht und für die schweren Maschinen nicht befahrbar.


Es wird Mais geerntet, der noch nicht ganz reif ist


Am 20. September hat bei Thuns die Maisernte begonnen. Insgesamt 4600 Hektar Fläche müssen sie bearbeiten, knapp 2000 fehlen noch. Weil zeitweise gar nicht geerntet werden konnte, stehen zahlreiche Felder im Kreisgebiet noch in ihrer vollen Pracht, während andere seit Wochen abgeerntet sind. Das beständige, trockene Wetter in den vergangenen Tagen wurde von Landwirten und Lohnunternehmern genutzt, um die Arbeit fortzusetzen. „Wir ernten jetzt auch Mais, der noch nicht ganz reif ist“, erklärt Saskia Thun. Zwar enthielten diese Sorten etwas weniger Energie als üblich, stehen dem Bauern aber als Silage immerhin zur Verfügung.

Denn bei einigen Milchviehwirten sind die „Speisekammern“ für ihre Tiere mittlerweile leergefuttert. So auch bei Sönke Mester. Der Bauer aus Timmaspe hat deshalb zwischenzeitlich schon den von den beiden Stürmen „Sebastian“ und „Xavier“ abgeknickten Lagermais eingebracht, der ohnehin nicht mehr gewachsen wäre. „Ich bin froh, dass es jetzt vorangeht“, so Mester. „Wir sind mit der Ernte etwas in Zeitverzug, weshalb unsere Früchte schon überreif sind. Und wir kriegen immer noch nicht alles vom Feld, aber wir sind dran.“ 2017 sei kein schönes Maisjahr, resümiert der Bauer. Aber er konnte einen Großteil der Silage mit der schützenden Folie abdecken, so dass er in etwa sechs Wochen beginnen kann, sie zu verfüttern.

Saskia Thun berichtet, dass „viel Masse von den Feldern runterkommt“, während die Qualität durchschnittlich ist. Von Entspannung kann allerdings auch seitens der Lohnunternehmer nicht die Rede sein. Zwar haben die Bauern mit den leeren Maissilos zu kämpfen, die Helfer dafür aber mit den widrigen Umständen bei der Ernte. „Die Häcksler und die Abfahrgespanne fahren sich oft fest. Manche sind auch schon in den Graben gerutscht, weil die Banketten so mit Wasser vollgesogen sind.“ Das koste Zeit und Nerven, so die 25-Jährige. Auf manchen Feldern werden die Häckselwagen deshalb auch nur zur Hälfte mit der Silage befüllt, damit ihr Gewicht nicht so hoch und die Gefahr sich festzufahren niedriger ist. Generell wird bei Thuns – wie bei allen anderen Lohnunternehmen auch – so gearbeitet, dass die Arbeit so schnell und reibungslos wie möglich vonstatten geht: Es stehen immer viele Abfahrgespanne bereit, um das kostbare Gut auf die Höfe zu verfrachten. Betankt werden die Häcksler bei Bedarf direkt auf dem Feld, damit sie dafür nicht den mitunter weiten Weg nach Oldenhütten antreten und somit bei der Maisernte pausieren müssen. Und die Mitarbeiter arbeiten von frühmorgens bis in den späten Abend. Saskia und ihr Vater Hans Thun legen auch mal Nachtschichten ein – zum Beispiel in der Werkstatt. Was den Landwirten derzeit aus der Patsche hilft, stößt bei einem Großteil der Bevölkerung aber auf Unverständnis, berichtet Saskia Thun. „Wir arbeiten nachts schon nicht wegen des Lärms, auch wenn das in den vergangenen Tagen bei dem stabilen Wetter gar nicht verkehrt gewesen wäre.“ Der Dreck auf den Straßen bliebe leider nicht aus, „wir können ja keine Gummimatte an den Feldrand legen.“ Außerdem würden sie die Landwirte dazu anhalten, die Straßen sauber zu machen.


Verständnis von Autofahrern erwünscht


Was Thun aber am wenigsten versteht, ist der Ärger darüber, dass die Maschinen auf der Straße so viel Platz einnehmen. „Viele Autofahrer erwarten von unseren Fahrern, dass sie Platz machen. Wenn wir aber auf die Bankette ausweichen, kann der Autofahrer momentan zugucken, wie der Häcksler oder das Abfahrgespann in den Graben rutscht.“ Sie würde sich wünschen, dass die Autofahrer gelegentlich ein bisschen langsamer fahren oder sich kurz an die Seite stellen würden. „Wir sind ja nicht das ganze Jahr mit unseren Geschützen unterwegs, deshalb bitte ich da um Verständnis.“ Gerade Motorradfahrer, die mit ihren Gefährten noch unterwegs sind, ruft sie zur besonderen Vorsicht auf: Dreckspuren hinter einer Kurve könnten ihrer Meinung nach zu einer unvorhergesehenen Gefahr werden.

Die Nachwuchs-Lohnunternehmerin, die den Betrieb irgendwann einmal mit ihrem Bruder Philip übernehmen möchte, bietet außerdem an, jederzeit gern Fragen zu beantworten. „Nur fragt leider kaum jemand. Es wird immer gleich gepöbelt.“ Nichtsdestotrotz mag sie ihre Arbeit in dem Familienbetrieb. „Die Tage sind abwechslungsreich und ich kann sehr selbstständig arbeiten. Ich bin sehr flexibel, und der Umgang mit den Kunden und den Angestellten macht total viel Spaß.“ In rund zwei Wochen, so hofft sie, ist die Maisernte für dieses Jahr abgeschlossen. Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor allen. Und der hoffnungsvolle Blick in Richtung Himmel bleibt. Glaubt man der Vorhersage, wird es in den nächsten Tagen nicht so viel regnen, dass die Maisernte erneut in Gefahr ist.

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