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Landeszeitung

21. August 2017 | 18:07 Uhr

Müder Auftakt für Fähre nach Plan

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit gestern verkehrt die „Falckenstein“ im 7,5-Minuten-Takt über den Kanal / Wieder blieb die Fahrgastzahl hinter den Erwartungen zurück

Es stürmt. Eine Ente beschließt zu laufen, nachdem auch noch so kräftige Flügelschläge sie nur einige Zentimeter nach vorne gebracht haben. Kleine Wellen, grau wie der Himmel, ziehen zügig vorbei. Am anderen Ufer des Nord-Ostsee-Kanals löst sich ein schwarz-weißer Fleck vom diesigen Einheitsbrei und kommt schnell näher. Die Kieler Ersatzfähre „Falckenstein“ gibt ordentlich Gas, um ihren neuen 7,5-Minuten-Takt einzuhalten. Kaltes Wasser spritzt an ihrer leeren Reling hoch.

Seit gestern pendelt die „Falckenstein“, wie einst die Schwebefähre, nach einem festen Fahrplan zwischen Rendsburg und Osterrönfeld. Um 7 Uhr morgens legt sie beim Rendsburg Port ab, um insbesondere Schüler und Berufstätige zum Rendsburger Kreishafen zu bringen. Bis zum Feierabend um 15 Uhr schaffte sie gestern 59 Überfahrten. Viel los war allerdings nicht. An ihrem ersten Einsatztag beförderte der Kieler Schlepper 81 Radfahrer, neun Fußgänger und eine Person mit Kinderwagen, informierte Matthias Visser, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau. Bei einer täglichen Fährenmiete in Höhe von 2200 Euro betrugen die Kosten pro Person und Überfahrt damit etwas mehr als 24 Euro.

„Zu viel“, fand Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast deutliche Worte. Dabei war der Tenor bei den Reisenden durchaus positiv. Die festen Abfahrtszeiten kamen bei allen Nutzern gut an und machten die Fähre für sie wieder zu einer echten Alternative zum weiter entfernten und stark frequentierten Fußgängertunnel. „Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit. Weil der Fahrstuhl im Fußgängertunnel immer überfüllt war, habe ich ihn gemieden und bis heute den Umweg über die Audorfer Fähre genommen“, erzählte Beate Salzer. Für die 62-jährige Osterrönfelderin ist gerade im Hinblick auf berufliche Verpflichtungen eine verlässliche Taktung wichtig. Den Schülern gefällt an der Fährverbindung vor allem die Abkürzung.

„Den neuen Fahrplan haben viele noch nicht wahrgenommen“, vermutet der 52-jährige Uwe Heinzel. „Es sollten große Hinweisschilder an den Häfen angebracht werden.“ Wie so manch Osterrönfelder glaubt er nicht, dass tatsächlich eine neue Schwebefähre kommen wird. Zumindest in diesem Punkt kann ihn der Bürgermeister beruhigen. „In zwei Wochen treffen wir uns mit der Kanalverwaltung und werden über den Fortschritt der Schwebefährenplanung informiert. Bis dahin sollten wir auch einschätzen können, ob mehr Menschen als gestern die Ersatzfähre nutzen werden.“ Dem stimmte Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht zu: „Es war der erste Tag, und das Wetter war schlecht. In zwei Wochen wird sich der neue Fahrplan herumgesprochen haben. Dann werden wir sehen, ob weiterhin ein Bedarf für die Ersatzfähre besteht.“ Dass der müde Auftakt mit dem Wetter zu tun haben könnte, denkt auch „Falckenstein“-Kapitän Andrej Rube. „Wenn die Temperaturen steigen, steigen auch die Fahrgastzahlen.“

Ob genug Zeit bleibt, das herauszufinden, können die Kanalpendler also in den kommenden 14 Tagen mitbestimmen – indem sie fleißig Fähre fahren. Während Sienknecht fürs Erste schon mit 200 Pendlern am Vormittag zufrieden wäre, rechtfertigen für Gilgenast erst 400 Fahrgäste die Ausgaben. Sollte dieses Ziel nicht erreicht werden, drohen Konsequenzen. „1700 Menschen nutzten täglich die Schwebefähre. Wenn das Ersatzangebot allerdings nicht angenommen wird und es in zwei Wochen keine Tendenz zur Steigerung gibt, muss man im Hinblick auf die Kosten ehrlich sein und überlegen, ob ein Fährbetrieb bis Ende Juli noch sinnvoll ist“, so Gilgenast.

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