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„Ehrengabe“ für Kommunalpolitik : Mordverdächtiger Lauenroth streitet sich mit Fockbek

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der wegen Mordverdachts inhaftierte Steuerberater fordert für sein Engagement als Kommunalpolitiker eine „Ehrengabe“ der Gemeinde Fockbek.

shz.de von
erstellt am 25.Nov.2014 | 07:48 Uhr

Fockbek | Der des Mordes an einem Finanzbeamten beschuldigte Fockbeker Steuerberater Olaf Lauenroth streitet sich mit seiner Heimatgemeinde. Bürgermeister Holger Diehr bestätigte gegenüber der Landeszeitung, dass der 55-Jährige offiziell eine „Ehrengabe“ fordere. Lauenroth, der am 1. September im Rendsburger Finanzamt einen leitenden Mitarbeiter erschossen haben soll, erwartet diese Ehrengabe als Anerkennung für sein kommunalpolitisches Engagement. Er war nach der Kommunalwahl 2013 über die FDP-Liste in die Gemeindevertretung gewählt worden. Da er seit der Bluttat in Untersuchungshaft in Lübeck sitzt, kann er das Mandat nicht mehr ausüben.

Ebenfalls bestätigte Holger Diehr, dass Lauenroth mit Schreiben vom 12. November den Verzicht auf sein Mandat erklärt habe. Doch ein Rücktritt von politischen Ämtern begründet nicht automatisch die Überreichung einer Ehrengabe. Eine offizielle Würdigung durch die Gemeinde steht Politikern nach den Worten von Diehr nur dann zu, wenn sie mindestens zwei Wahlperioden für Fockbek tätig gewesen sind. Ausnahmen seien zwar möglich, „aber ich werde der Gemeindevertretung nicht vorschlagen, Herrn Lauenroth zu ehren“, so Diehr. Die offizielle Fockbeker Ehrengabe gibt es in zwei Varianten: einen großen Ehrenteller, auf den ein Politiker nach drei Wahlperioden einen Anspruch hat, und einen kleinen Ehrenteller, der nach zwei vollen Wahlperioden überreicht wird. Für verdiente Bürger gibt es außerdem einen Wappenschild oder einen Wappenkrug. Darüber entscheiden der Bürgermeister und der Bürgervorsteher.

Diehr hat Lauenroth schriftlich mitgeteilt, dass er eine Ehrengabe nicht erwarten könne. Darauf reagierte Lauenroth prompt. In einem handschriftlichen Brief an die Landeszeitung macht er seinen Unmut über Diehr deutlich und zeigt kein Verständnis dafür, dass man ihm keine Ehrengabe in die Justizvollzugsanstalt Lübeck schicken wolle. Lauenroth wörtlich: „Meine Tat hat nichts mit meiner regen Aktivität in der Gemeindearbeit zu tun.“

Nach Informationen der Landeszeitung hat Lauenroth zudem versucht, auf das sogenannte Nachrückverfahren Einfluss zu nehmen. So wollte er offenbar erreichen, dass nur ein ihm genehmer Politiker seinen Platz in der Gemeindevertretung einnehmen könne. Das hat Diehr mit Hinweis auf das kommunale Wahlgesetz zurückgewiesen. Demnach habe Lauenroth keinerlei Einfluss darauf, wer das Mandat nach seinem Rücktritt übernehmen wird. Auf Nachfrage sagte Diehr, dass für das Nachrückverfahren die von Lauenroths FDP-Ortsverband eingereichte Wahlliste maßgebend sei. Den ersten Platz auf dieser Liste hatte Lauenroth inne, den zweiten Platz der Fockbeker Ralph-Holger Schmied. Nach den Vorschriften des Wahlgesetzes müsse nun zunächst Schmied gefragt werden, ob er das Mandat übernehmen will.

Der Mord im Finanzamt hatte Anfang September die Region erschüttert. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat Olaf Lauenroth auf den zuständigen Finanzbeamten gewartet. Er soll sich bereits seit mehreren Jahren wiederholt mit dem Finanzamt gestritten haben. Im Büro des leitenden Beamten kam es dann offenbar zu einer verbalen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Lauenroth eine Pistole gezogen und mehrfach auf den 57-jährigen Steuerexperten geschossen haben soll. Das Opfer verstarb kurz darauf im Krankenhaus.

Olaf Lauenroth wurde noch am Tatort von Polizeibeamten überwältigt. Im Gefängnis wartet er jetzt auf seinen Mordprozess.

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