Nortorf : Modellbau: Mit Geduld und Fingerspitzengefühl

Leidenschaftlicher Modellbauer: Klaus Schnack aus Nortorf mit seinem nachgebauten Schiff, die „Seute Deern“.
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Leidenschaftlicher Modellbauer: Klaus Schnack aus Nortorf mit seinem nachgebauten Schiff, die „Seute Deern“.

Klaus Schnack aus Nortorf baut seit 14 Jahren Modellsegelschiffe. Eine Anleitung hat er nicht, dafür aber seine Erinnerungen.

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03. Januar 2015, 06:00 Uhr

Heute gilt sie als Wahrzeichen von Travemünde und steht unter Denkmalschutz: Die Passat, eine Viermast-Stahlbark, die 1911 erstmals vom Stapel lief. Als Decksjunge ging Klaus Schnack 1957 an Bord, machte dort seine Ausbildung als Geselle, bevor er schließlich auf Gärtnerei umsattelte. „Ansonsten wäre ein Familienleben nicht möglich gewesen“, erklärt der Nortorfer. Doch seine Liebe zu Schiffen und dem Segeln ist geblieben. Mit einer Länge von über einem Meter und einem Maßstab von 1:100 schmückt die Passat das Schnack’sche Wohnzimmer. Seit 14 Jahren baut der Rentner schon Segelmodellschiffe nach. Und das ohne Anleitung.

Wie er darauf gekommen ist, wisse er eigentlich nicht so genau. „Man braucht ja irgendeine Beschäftigung. Besonders in der Winterzeit“, sagt Klaus Schnack. Den Vormittag verbringt er in seiner Werkstatt oder im Wohnzimmer und werkelt an seinen Schiffen. „Der Nachmittag gehört dann aber meiner Frau und wir unternehmen etwas gemeinsam“, betont der 74-Jährige.

Neben der Passat stehen auch noch weitere Modelle im Haus. Diese allerdings im Maßstab 1:50. „Die ,Passat’ wäre einfach zu groß gewesen, deshalb ist sie im Maßstab 1:100 gebaut.“ Jedes Schiff hat für ihn eine Bedeutung: „Hier stehen nur Modelle, auf denen ich auch selbst mitgesegelt bin“, erklärt Schnack. Dazu zählen unter anderem die „Seute Deern“, die „Albatros“, „Amphitrite“ und die „Alexander von Humboldt“.

Drei Jahre und rund 1500 Arbeitsstunden verbrachte der Rentner allein mit dem Nachbau der „Passat“. Im Schnitt seien es pro Modell um die 1000 Arbeitsstunden. Gebaut wird jedes Mal ganz ohne Anleitung. „Es existieren keine Baupläne“, erklärt Klaus Schnack. Sein Wissen zieht er sich aus alten Schifffahrtsbüchern, Bildern und Lokeinträgen, aber vor allem aus seinen eigenen Erinnerungen und Aufzeichnungen als Matrose. Auch das Baumaterial ist kein Komplett-Set, die Teile werden einzeln gekauft und kleine Details baut Schnack auch selbst, da vieles gar nicht zu kaufen sei. „Da ist viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt“, so der 74-Jährige. „Man sollte die Ruhe bewahren und nicht nervös werden. Zwei linke Hände sollte man im besten Fall auch nicht haben.“ Bis auf die „Passat“ hat jedes der Modelle auch ein Innenleben. Kojen, mit Leselampen versehen, Glasfenster, Türen, die alle auf und zu gehen, Steuerhäuser, Funkgeräte und Messing-Handläufe – Klaus Schnack hat in Millimeterarbeit detailgetreue Modelle geschaffen.

Fertig ist der Hobbybastler, der von 1981 bis 2012 noch Clippermitglied war, aber noch lange nicht. Derzeit arbeitet er an der Fertigstellung der „Albatros.“ Angedacht ist auch noch, das Segelschiff „Roald Amundsen“, auf der er 1998 mitgesegelt ist. „Langeweile kann also gar nicht erst aufkommen“, freut sich Klaus Schnack auf seine kommenden Projekte.

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