Edith Kühl : Mittelholsteins erste Chefin geht

'Tratsch im Treppenhaus': Mit einem glanzvollen Auftritt als 'Meta Boldt' beendete Edith Kühl 2005 ihre Theaterkarriere. Foto: Kühl (2)
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"Tratsch im Treppenhaus": Mit einem glanzvollen Auftritt als "Meta Boldt" beendete Edith Kühl 2005 ihre Theaterkarriere. Foto: Kühl (2)

Edith Kühl verabschiedet sich als Bürgermeisterin von Nindorf und als Amtsvorsteherin. Plattdeutsch bleibt ihre Herzenssache.

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12. April 2013, 08:45 Uhr

NINDORF | Nach 18 Jahren als Bürgermeisterin von Nindorf und 15 Jahren als Amtsvorsteherin beendet Edith Kühl ihre kommunalpolitische Laufbahn. "Ich bin so angetreten, dass ich mit voller Kraft und vollem Einsatz für die Gemeinde Nindorf tätig sein wollte", sagt Edith Kühl, "das ist nun nicht mehr in ganzem Maße gegeben, und darum will ich der Jugend eine Chance geben, in die Gemeindepolitik einzusteigen."

Die gebürtige Hademarscherin ist seit 42 Jahren Nindorferin, und hatte sich vor ihrer kommunalpolitischen Karriere bereits auf vielfältige Weise für das Dorfleben engagiert: als Leiterin von Laienschauspielgruppen sowie im DRK-Vorstand (20 Jahre) und als DRK-Chefin. "Du bist doch so aktiv, da wär’ der Gemeinderat doch auch was für dich", meinten die Mitbürger, die Edith Kühl 1994 dazu drängten, bei den Kommunalwahlen anzutreten. "Ich hab’ dann gleich so viele Stimmen gekriegt, dass ich prompt zur stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt wurde", berichtet Edith Kühl.

Als 1995 Bürgermeister Klaus Ohrt sein Amt aufgab, wurde die Gemeinderats-Newcomerin mit seiner Nachfolge betraut. Edith Kühl war 1995 die erste Bürgermeisterin in der Geschichte Nindorfs und auch die allererste Bürgermeisterin des Amtes Hohenwestedt-Land. "Ich bin im Amtsausschuss gleich gut aufgenommen worden", erzählt sie. Eine der ersten größeren Amtshandlungen als Bürgermeisterin war die Einweihung des Radwegs von Nindorf nach Hohenwestedt: "Das hatte die vorhergehende Gemeindevertretung vorbereitet, und ich konnte den Erfolg einfahren."

Das größte Projekt ihrer Amtszeit war das 2003 eingeweihte "Dörpshuus", in dem auch Platz für die "lütten Lüüd" vom Kindergarten geschaffen wurde und dessen Errichtung mit einem Umbau des benachbarten Meiereigebäudes (die Feuerwehr bekam mehr Platz und alle Vereine eigene Räumlichkeiten) verbunden war.

In den vergangenen beiden Jahren wurden in Nindorf die Glasfaserkabel der Gemeindewerke Hohenwestedt verlegt. "Da waren wir insofern Vorreiter, als wir die erste Gemeinde waren, die auf über 70 Prozent Anschlussquote kam", bemerkt die Bürgermeisterin. Die Breitbandversorgung sei für Nindorf sehr wichtig: "Damit stellen wir unter Beweis, dass wir nicht nur für Normalbürger eine lebenswerte Gemeinde sind, sondern auch für Handel, Handwerk und Gewerbe." Die Zukunftsfähigkeit und das kameradschaftliche Vereinsleben der Gemeinde wurden von einer Bewertungskommission des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" besonders hervorgehoben, die Nindorf 2012 mit einem 3. Platz auf Landesebene auszeichnete.

Auf Amtsebene hatte Edith Kühl derweil ebenso rasant den Chefposten eingenommen wie auf Gemeindeebene. Schon 1998 wurde die Nindorferin zur Amtsvorsteherin des Amtes Hohenwestedt-Land gewählt.

2007 bildeten die Ämter Hohenwestedt-Land, Hanerau-Hademarschen und Aukrug mit der Gemeinde Hohenwestedt eine Verwaltungsgemeinschaft, die Anfang 2012 ins neue Amt Mittelholstein überging. Im Vorfeld der Wahl zum Amtsvorsteher gab es keine großen Diskussionen. "Da wurde nicht viel drüber gesprochen", meint Edith Kühl, "irgendwie waren sich alle einig: Das musst du machen." Die Nindorferin war bei der Verwaltungs-Ehe auf Probe von Beginn an für die Vermittlerrolle prädestiniert: "Da war es sicher von Vorteil, dass ich viele Bürgermeister aus dem Amt Hanerau-Hademarschen von meiner Jugendzeit her kannte."

Auch bei anderen Ehen spielte Edith Kühl eine bedeutsame Rolle: "Ich war über zehn Jahre auch Ehe schließungsbeamtin, und an dieser Tätigkeit hängen viele schöne Erinnerungen." Dass sie 2013 aus der Kommunalpolitik aussteigen wolle, habe sie bereits vor fünf Jahren verkündet: "Aber das haben wohl viele nicht für bare Münze genommen, die sich nun überrascht zeigen."

Am kommenden Donnerstag wird Edith Kühl zum letzten Mal die Sitzung des Amtsausschusses Mittelholstein leiten. "Das Zusammenwachsen zum neuen Amt Mittelholstein hat mir vor allem am Herzen gelegen", sagt die Amtsvorsteherin, "das war mir ein persönliches Anliegen, dass die Amtsgründung auf gute Füße gestellt wird, und ich bin guter Hoffnung, dass das neue Amt eine Einheit wird, wenn es das nicht schon ist."

Edith Kühl will sich von jetzt an ganz ihrer Familie widmen und viele Reisen unternehmen - einen Posten wird sie allerdings nicht abgeben: den der Schirmherrin des von Hohenwestedt-Marketing organisierten "Spektakels op platt." "Die plattdeutsche Sprache ist für mich eine Herzensangelegenheit; da möchte ich auch in Zukunft dran arbeiten, dass weiter platt gesprochen wird", sagt die Bürgermeisterin, die ihre Karriere als Hobbyschauspielerin 2005 auf der "Dörpshuus"-Bühne beendet hatte - mit einem denkwürdigen Auftritt in der Heidi-Kabel-Rolle der "Meta Boldt" im Lustspiel "Tratsch im Treppenhaus": "Ich möchte aber auf gar keinen Fall mit Meta Boldt verwechselt werden - so eine Tratschtante bin ich nie gewesen!"

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